Geschichtsstunde hinter Gittern - Siebenpfeiffer für den Bundestag in Berlin

Geschichtsstunde hinter Gittern - Siebenpfeiffer für den Bundestag in Berlin

Zweibrücken. Mit großem Interesse verfolgten kürzlich 15 junge Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Zweibrücken die Lesung der Jungautorin Maria Schäfer (20), die mit ihrer Zeitzeugen-Biografie "Alles hat seine Zeit - Erinnerungen aus dem Leben von Willi Caster" schwerpunktmäßig das Leben als Kind und Jugendlicher im Dritten Reich thematisierte

Zweibrücken. Mit großem Interesse verfolgten kürzlich 15 junge Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Zweibrücken die Lesung der Jungautorin Maria Schäfer (20), die mit ihrer Zeitzeugen-Biografie "Alles hat seine Zeit - Erinnerungen aus dem Leben von Willi Caster" schwerpunktmäßig das Leben als Kind und Jugendlicher im Dritten Reich thematisierte. Dabei sprach die Zahnmedizin-Studentin nicht nur über geschichtliche und biografische Fakten, sondern auch über Rechtsradikalismus heute und Zukunftschancen von jungen Leuten.Ihr Buch ging aus dem "Dialog der Generationen" hervor, zu dem ihr ehemaliger Lehrer Eberhard Jung in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendbüro der Stadt Homburg aufgerufen hatte. Maria Schäfer, die 2009 nach intensiven Recherchen kurz vor ihrem Abitur am Homburger Saarpfalz-Gymnasium ihre Biografie über den verdienstvollen Erbacher Willi Caster (84) veröffentlicht hatte, erklärte: "Es ist wichtig, dass auch wir junge Menschen uns mit Geschichte auseinander setzen, denn nur so können wir die Gegenwart verstehen und die Zukunft verbessern."

Diese Einstellung versucht sie in Gesprächen mit Gleichaltrigen weiterzugeben. "Die Lesung in der JVA Zweibrücken war ein sehr spannendes Erlebnis, aber auch eine große Herausforderung für mich. Werden sich die Insassen überhaupt für meinen Vortrag interessieren, mir zuhören oder wird meine Lesung vielleicht im Chaos provozierender Zwischenrufe untergehen?" Doch die anfänglichen Sorgen waren unbegründet. "Die jungen Männer, alle zwischen 18 und 25, haben sich sehr auf die Lesung gefreut. Von Beginn an waren sie konzentriert und haben sich aktiv an der Lesung mit sinnvollen Beiträgen und interessanten Fragen beteiligt. Nach einer übersichtlichen Einführung in den historischen Kontext habe ich zahlreiche Passagen aus meinem Buch vorgelesen und diese mit den Häftlingen diskutiert. Dabei ging es mir vor allem darum, die Chancen aufzuzeigen, die sich der Jugend heute bieten."

Maria Schäfer fand schnell Zugang zu den Häftlingen: "Dass auch bei mir in der Familie Arbeitslosigkeit und finanzielle Probleme eine Rolle spielen, sprach ich offen an. Mir war es wichtig zu zeigen, dass jeder - unabhängig von den Ausgangsbedingungen - seine Träume und Ziele verwirklichen kann. Nach der Lesung hatte ich die Gelegenheit, in lockerer Atmosphäre mit den jungen Männern zu sprechen und mehr über ihren Gefängnisalltag zu erfahren. Einige von ihnen dürfen demnächst nach jahrelangem Gefängnisaufenthalt wieder in ihr freies Leben zurück." Auch bei ihrem Besuch in der Klasse 10c des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums stellte sich Maria Schäfer wenige Tage später den neugierigen Fragen eines jungen Publikums, sprach über die Entstehung ihres Buches, aber auch über Engagement im Schulalltag. "Erst in der 10. Klasse habe ich wirklich begriffen, dass es hier um meine Zukunft geht", erzählt die 20-Jährige.

Bei Interesse an ihrem Buch oder an einer Lesung kann Maria Schäfer kontaktiert werden (E-Mail: maria228@hotmail.de).

Lisa Stein, Klasse 10c des Saarpfalz-Gymnasiums Homburg. Alexander Funk (MdB) besuchte die Klasse 9c des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums. Hauptanlass war die Übergabe des Porträts von Philipp Jakob Siebenpfeiffer, das Alina Kessler, Schülerin der 9c, angefertigt hatte. Über das aufwendig gemalte Bild freute sich der Parlamentarier sehr und versprach spontan, den Bundestagspräsidenten anzuschreiben und ihn zu bitten, es im Bundestag aufzuhängen.

Bei einem Besuch im vergangenen Sommer in Berlin haben wir festgestellt, dass Siebenpfeiffer in Berlin kaum bekannt ist und selbst in Museen, die die deutsche Demokratiegeschichte dokumentieren, nicht oder nur beiläufig vorkommt. Mit einem Ehrenplatz im Bundestag kann man laut Funk dazu beitragen, dass Siebenpfeiffer auch in Berlin einen höheren Bekanntheitsgrad erlangt.

  • "Alles hat seine Zeit"
  • "Alles hat seine Zeit"
  • Schülerin schreibt Buch über Zeitzeugen

Der Homburger Siebenpfeiffer war Landrat "Landcommissär") ein Hauptinitiator des Hambacher Festes 1832, ein Vorkämpfer für Freiheit (vor allem Pressefreiheit), Demokratie, Frauenemanzipation und einen deutschen Nationalstaat in einem vereinigten und friedlichen Europa. Mit dem konsequenten Eintreten für seine Ideale und den unermüdlichen Einsatz zur Beseitigung von Missständen hatte er jedoch zu Lebzeiten wenig Erfolg und wurde seines Amtes als Landrat enthoben. Ein Ehrenplatz für das Gemälde im Bundestag wäre nach Ansicht unserer Klasse eine späte Anerkennung der Lebensleistung dieses engagierten Demokraten, der von 1818 bis 1830 in Homburg seine Heimat hatte.

Nach der Übergabe des Siebenpfeiffer-Porträts in unserem Klassensaal war noch Zeit für persönliche Fragen an Alexander Funk. Wir konnten so einiges über den Bundestagsabgeordneten unseres Wahlkreises 299, aber auch über den Privatmann, seine Schulzeit (Lieblingsfächer Mathe und Physik) erfahren. Sein Engagement in der Politik begann nach eigenem Bekunden schon sehr früh. So wollte er mit elf Jahren der CDU beitreten, dies war aber erst mit 16 Jahren möglich. Später gründete er dann den Ortsverband der Jungen Union in seinem damaligen Heimatort Bexbach. Er gewährte uns auch einen Einblick in die verschiedenen Stationen seiner politischen Karriere bis zur jetzigen Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter mit dem Arbeitsbereich Haushaltsausschuss. Auf die Frage, was ihm am meisten und am wenigsten an seinem Beruf gefalle, antwortete er, dass er Freude daran habe, sich für andere Menschen einzusetzen und dazu beizutragen, dass es ihnen besser gehe. Er kritisierte aber, dass "jede Idee einen sehr langen Atem braucht, um durchgesetzt zu werden."

Am Ende lud er die Klasse 9c ein, in den nächsten Monaten eine Berlinfahrt zu unternehmen und sich zu vergewissern, dass das Bild auch wirklich im Bundestag hängt. Matthias Berres und Christian Sorg (9c des Saarpfalz-Gymnasiums)

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