1. Saarland

Geschichten aus Frauensicht

Geschichten aus Frauensicht

Saarbrücken. Sie haben 600 Besucher in Berlin und 1000 in Nantes angezogen. Da war es für die "Herbst-Zeitlosen" ein leichtes Spiel, am Samstag auch den Saarbrücker Schlosskeller bis auf den letzten Platz zu füllen

Saarbrücken. Sie haben 600 Besucher in Berlin und 1000 in Nantes angezogen. Da war es für die "Herbst-Zeitlosen" ein leichtes Spiel, am Samstag auch den Saarbrücker Schlosskeller bis auf den letzten Platz zu füllen. 130 Zuschauer verfolgten den zweistündigen Querschnitt durch 15 Jahre Ensemble-Historie an dem Ort, an dem die Frauentheatergruppe Anfang 1993 zum ersten Mal ins Bühnenlicht trat. Damals waren die 50- bis 80-jährigen Damen "nur" ein Geheimtipp der saarländischen Theaterszene. Entstanden aus einem Schauspielkurs an der Saarbrücker Volkshochschule, den die Schauspielerin Inge Veit betreute. Schnell wurde daraus mehr. Ein Verein mit doppeldeutigem Namen. "Die Damen sind im Herbst ihres Lebens, ihr Spiel ist zeitlos. Außerdem ist die ,Herbstzeitlose' eine giftige Pflanze. Und Gift versprühen die Frauen auf der Bühne auch ein wenig", beschreibt Veit Senioren-Theater als Jungbrunnen. Das gilt für das momentan zehn Akteurinnen umfassende Ensemble heute noch. Kulissen gab es keine, nur Pianist Serge Antochewicz begleitete die Frauen bei ihren Spielszenen und Gesängen. Natürlich zu Beginn: "Schultze-Kathrin und ihre Schwestern" - eine Revue über 120 Saar-Geschichte aus Frauensicht. Jedes Wort, jede Geste saß, über 70 Mal hat die Gruppe das Stück schon gespielt. Nicht minder überzeugend: "Berthold Brecht, wie er singt, liebt und lacht." Auch für die Chansons aus dem Kabarett der 20er und 30er Jahre bei "Wirklich alles nur Schall und Rauch?" donnerte der Beifall. "Hurra, wir sind auch noch da!" hieß es am Ende. Ein Gegenentwurf zum Theaterstück "Sekretärinnen". "Ich hatte es im Staatstheater gesehen und mich über die Darstellung der Frauen geärgert", erzählt Veit. Mitglied Gitta Morawietz hat die Lieder dazu getextet. In ihnen bekam Kanzlerin Angela Merkel für ihre Politik der Kompromisse ebenso ihr Fett weg wie die Manager-Gilde, die ihr Vermögen in Liechtensteiner Geldhäusern deponiert. Zwar sind die nächsten beiden Vorstellungen des Ensembles schon fast ausverkauft, doch zur Freude der Fans verspricht Veit "mindestens 20 weitere Auftritte im ganzen Saarland".