Geschenke gibt es erst nach dem Kuchen

Geschenke gibt es erst nach dem Kuchen

Sulzbach. "In Deutschland fängt man früher an zu schmücken, in Italien geht's erst nach dem 13. Dezember los", fällt Salerno gleich ein. Die 39-Jährige ist in Sulzbach geboren. "Mit zwei Jahren bin ich mit meinen Eltern wieder nach Sammatino in Sizilien und nach 14 Jahren sind wir wieder hierher", erzählt sie. "Der 13. Dezember ist der Santa Lucia-Tag

Sulzbach. "In Deutschland fängt man früher an zu schmücken, in Italien geht's erst nach dem 13. Dezember los", fällt Salerno gleich ein. Die 39-Jährige ist in Sulzbach geboren. "Mit zwei Jahren bin ich mit meinen Eltern wieder nach Sammatino in Sizilien und nach 14 Jahren sind wir wieder hierher", erzählt sie. "Der 13. Dezember ist der Santa Lucia-Tag. Der Brauch sagt, wenn man für einen kranken Verwandten bei Santa Lucia betet, soll man auch ein Essen für 13 Kinder machen. Dann wird dem Kranken geholfen", sagt sie.Die zweifache Mutter ist seit vier Jahren Hauswirtschafterin im katholischen Kindergarten St. Elisabeth in Sulzbach und auf den Sulzbacher Festen ein bekanntes Gesicht. Schon oft haben die Sulzbacher in ihre knusprige Pizza gebissen, die sie mit den italienischen Frauen an einem eigenen Stand gebacken hat. Und das Essen wird auch bei den Salernos am Heiligabend groß geschrieben. "Es kommen 28 Leute zu uns. Wir machen grobe Bratwurst, die "Salciccia", mit Rotwein gebraten und Fenchelsalat", erläutert sie.

"Das ist ein Festtagsessen", fügt Christina Pöhland wissend an, die einen italienischen Vater hat. Doch die Wurst sei nur der Anfang: "Erst kommt Vorspeise, Pasta und Schwertfisch, der Baccalà, dann Antipasti. Aber der Tisch muss immer voll bleiben, die Vorspeise bleibt bis zum Schluss", sagt Salerno. In Italien habe man bis zur Mitternachtsmesse genug Zeit zum Essen. "Wir fangen aber um vier an zu essen, um zehn ist ja schon Kirche, denn wir essen ohne Ende", sagt sie und lacht herzlich. Nachtisch passt dann auch noch rein: "Getrocknete Feigen im Teigmantel", übersetzt Pöhland gleich, die auch den Kuchen kennt, der serviert wird. "Panettone ist mit Rosinen, praktisch italienischer Stollen, und nach dem Kuchen kommen die Geschenke", fügt die italienische Sulzbacherin an. Der italienische Heiligabend kommt also recht ähnlich daher wie der saarländische. Aber Nikolaus gibt es in Italien nicht. "Wir feiern am 6. Januar "Epifania". Da kommt eine Hexe, die den braven Kindern Süßigkeiten bringt", so Salerno, die mit dem Volksglauben aufgewachsen ist. Gemeint ist der Mythos, dass eine Hexe von den Hirten die frohe Botschaft zwar gehört, den Bethlehemstern aber verpasst hat. Bis heute glaubt man sie auf der Suche nach dem Jesuskind. So feiere man am 6. Januar, dem Dreikönigstag, auch den Hexenbrauch.

"Aber bei uns kommt auch der Nikolaus, sonst kriege ich Ärger mit Luana und Rossella, meinen Töchtern", sagt Salerno. Die Töchter (10 und 15 Jahre) freuten sich auch schon auf das Fest. "Letztlich bleibt zwar die ganze Arbeit an mir hängen, aber mein Schwager lobt mich immer für das Essen", sagt Salerno. Die Sache mit dem großen Sippentreffen kennt auch Pöhland. "Man trifft sich immer bei einem, auch die entfernten Verwandten. Was im kleinen Rahmen machen, gibt's nicht", sagt die Soziologin, seit 2010 Integrationsbeauftragte der Stadt Sulzbach. "Familie ist immer ein Thema", fügt die 33-Jährige an. ane

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