Georgiens spielerisches Theater

Georgiens spielerisches Theater

Saarbrücken. Was machen drei georgische Schauspielerinnen in Saarbrücken, die nicht zur hier ansässigen georgischen Truppe Mimodram gehören? Sie wirken in der deutsch-georgischen Kooperation "Kokoro" mit

Saarbrücken. Was machen drei georgische Schauspielerinnen in Saarbrücken, die nicht zur hier ansässigen georgischen Truppe Mimodram gehören? Sie wirken in der deutsch-georgischen Kooperation "Kokoro" mit. Die Verständigung mit den Kollegen vom Saarländischen Staatstheater (SST) klappe bestens, meint Nino Burduli, 54, die fast so perfekt Deutsch spricht wie die Autorin und Regisseurin Nino Haratischwili: Haratischwili hat "Kokoro" im Auftrag des SST zur Wiederbelebung der Theaterpartnerschaft zwischen Tbilissi und Saarbrücken entwickelt.Wie ihre Kolleginnen Ekaterine Kalatozishvili und Tamar Mamulashvili hat auch Nino Burduli ihre Ausbildung an der Shota Rustaveli Universität für Theater und Film in Tbilissi absolviert. Zuvor studierte sie Klavier, und ist die einzige des Trios, die in einem Fest-Engagement arbeitet - zu UdSSR-Zeiten sei freies Arbeiten auch nicht möglich gewesen, erklärt Burduli. Seit 1982 ist sie Mitglied des weltweit tourenden Mikhail Tumanishvili's Film Actors Theatre in Tbilissi, inszeniert seit kurzem selbst und ist Uni-Dozentin für Schauspiel. In "Kokoro" spielt sie eine ehemalige Seiltänzerin und Schauspielerin, die es nach Jahren schafft, ihrem mittlerweile verstorbenen Mann zu vergeben, dass er sie verlassen hat. Tamar Mamulashvili, 53, studierte außerdem Regie und war von 1981 bis 1992 Ensemblemitglied des Kinder- und Jugendtheaters Tbilissi. Heute arbeitet sie frei in unterschiedlichen Projekten. Davon zu leben sei schwer, erzählt sie, weswegen sie Sprecherziehung und Etikette unterrichtet. Mamulashvili gastiert zum ersten Mal in Deutschland und spielt eine georgische Philologie-Professorin, die sich in Deutschland als Putzfrau durchschlägt und sich in die Literatur flüchtet. Ebenfalls erstmals in Saarbrücken ist auch Ekaterine Kalatozishvili, mit 23 die experimentierfreudige Jüngste im Bunde. Auch bei ihr reichen die Erträge aus freier Arbeit kaum zum Leben, doch da sie 24 Stunden im Theater verbringe, bleibe keine Zeit für Nebenjobs.

Kalatozishvili spielt ein Flüchtlingsmädchen aus Südossetien, das nach einer Vergewaltigung schwanger wird und das Angebot bekommt, sein Kind zu verkaufen. Ästhetische Unterschiede? Das georgische Theater sei spielerischer als das europäische oder russische, meint Burduli: exzentrischer, emotionaler; weniger analytisch und realistisch. Dass in Deutschland weniger diskutiert und zügiger gearbeitet werde, begrüßt sie.

Uraufführung: an diesem Samstag, 19.30 Uhr, Alte Feuerwache. Es gibt noch Karten: Tel. (06 81) 30 92-486; weitere Termine u.a.: Fr., 25.05., Fr., 01.06., Di./Mi., 05./06.06.