Gemeinde Wallerfangen wird wegen Straßenname verklagt

Kostenpflichtiger Inhalt: Streit um Straßennamen : Klage gegen Wallerfangen wegen von Papen

Das Verwaltungsgericht in Saarlouis verhandelt heute eine Klage gegen die Gemeinde Wallerfangen. Es geht um einen mutmaßlichen Ehrenbürger, den früheren Reichskanzler Franz von Papen (Zentrumspartei, 1879–1969), der als „Steigbügelhalter“ Adolf Hitlers gilt.

Von Papen hatte im Saarland in die Industriellenfamilie Boch-Galhau eingeheiratet, den Nazis diente er von 1933 bis 1935 als Beauftragter für das Reich abgetrennte Saargebiet. Bei den Nürnberger Prozessen wurde Franz von Papen nicht als Kriegsverbrecher verurteilt. Ein Entnazifizierungsgericht verhängte jedoch 1947 eine lange Haftstrafe gegen ihn. 1949 kam er frei. In Wallerfangen ist von Papen beerdigt – eine Straße trägt seinen Namen.

„Mein Klageziel ist: Wenn man Straßen benennt, dann nach Widerstandskämpfern gegen das Naziregime und nicht nach deren aktiven Helfershelfern“, sagt Gilbert Kallenborn, der Klage gegen die Gemeinde Wallerfangen eingereicht hat. Nach Angaben des Gerichts geht es ihm um eine Umbenennung der Straße und eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft.

Ob von Papen Ehrenbürger von Wallerfangen war, ist ungeklärt. 1955 behauptete das der „Spiegel“, auch in Wikipedia ist es nachzulesen. „Es gibt keinen Anhaltspunkt, dass er eine Ehrenbürgerschaft hatte“, erklärt Stefan Schirra (SPD), Beigeordneter der Kommune. „Mir sind keine Belege bekannt“, sagt Peter Winter vom Historischen Museum Wallerfangen. Auch der Biograf des Reichskanzlers, Reiner Möckelmann, sagte der SZ: „Bei Wallerfangen ist nach wie vor unklar, ob dort überhaupt eine Ehrenbürgerschaft ausgesprochen worden ist.“

Und was ist mit der Franz-von-Papen-Straße? Der Sohn Franz von Papens, der den gleichen Namen trug, hat sich nach Ansicht der Gemeinde um den Ort verdient gemacht. Die Straße habe man „explizit“ nach ihm benannt, so Kommunalpolitiker Schirra – und daher die Lebensdaten hinzugefügt, um eine Verwechslung mit dem Vater auszuschließen. Dagegen kritisiert Kläger Kallenborn ein „zweideutiges Schild“. Denn auf dem Straßenschild fehlt der erste Vorname des 1983 verstorbenen Juniors, Friedrich.

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