Geld für junge Menschen in armen Verhältnisen

Geld für junge Menschen in armen Verhältnisen

Finanznot in Familien soll nicht dazu führen, dass Kinder und Jugendliche nicht mehr in Vereinen aktiv sein, kein Mittagessen in der Schule bekommen oder nicht an Klassenfahrten teilnehmen können. Das will der Gesetzgeber seit 2011 mit dem Bildungspaket verhindern. Das im St. Wendeler Land so gut angenommen wird, dass der Landkreis Geld vom Saarland nachfordert.

Seit Anfang 2011 gibt es das Bildungspaket für Kinder aus bedürftigen Familien. Vorausgegangen war die Neuausgestaltung von Hartz IV. Neben der Erhöhung der Regelsätze hatte der Bundestag dabei Leistungen für Bildung und Teilhabe beschlossen, die Kindern und Jugendlichen zugutekommen sollen. So gibt es Zuschüsse zu ein- und mehrtägigen Klassenfahrten, für den persönlichen Schulbedarf, die Schülerbeförderung, die Lernförderung, das Mittagessen in Kindertagesstätte und Schule sowie die Teilnahme an Kultur, Sport und Spiel, also in der Regel das Mitmachen in Vereinen. Von dieser Unterstützung profitieren können Kinder aus Hartz-IV-Familien, aber zum Teil auch Kinder und Jugendliche, deren Familien vom Sozialamt unterstützt werden, zum Beispiel mit Wohngeld. Rund 1400 potenziell berechtigte junge Menschen leben im Landkreis St. Wendel.

475 000 Euro gab das Landratsamt 2012 für das Bildungspaket aus, dieses Jahr werden sich die Ausgaben auf knapp 500 000 Euro summieren, sagte Landrat Udo Recktenwald (CDU) im SZ-Gespräch. Damit habe die Region die höchste Ausgabenquote aller Kreise im Saarland, nirgendwo sonst käme das Geld so gut an.

Das meiste fließe in die Schülerbeförderung mit 157 000 Euro und in das Mittagessen mit 140 000 Euro. Mit 120 000 Euro schlage der Schulbedarf zu Buche. Diese Zahlen stammen noch von 2012.

Dass das Bildungspaket im St. Wendeler Land so gut angenommen wird, habe auch etwas mit der Kinderbetreuung zu tun. Darauf weisen Kreissozialamt und Kommunale Arbeitsförderung hin: Im St. Wendeler Land sei das Angebot an Ganztagsplätzen für Krippen- und Kindergartenkinder besonders gut, ebenso das Nachmittagsangebot an den Schulen. Damit steige dann auch die Möglichkeit der Kinderbetreuung und somit die Kosten der Mittagsverpflegung für Kinder aus benachteiligten Familien. "Gerade Alleinerziehende profitieren ganz besonders von dem Angebot", sagt Recktenwald.

Die hohen Ausgaben brächten aber gleichzeitig ein Problem für den Landkreis: Zwar soll der Bund den Kreisen die Ausgaben für das Bildungspaket zu 100 Prozent erstatten. Das Geld komme jedoch nicht direkt aus der Bundeskasse, sondern werde zuerst an die Länder gegeben und dann weiterverteilt. Und hier hat laut Recktenwald eine Anfrage im Saar-Landtag schon im Mai vergangenen Jahres große Unterschiede aufgezeigt.

Während im Regionalverband Saarbrücken 2012 nur 53 Prozent des Geldes ausgegeben wurden, die das Land überwiesen hat, gebe es zwei Landkreise, die im Moment draufzahlen: St. Wendel und der Saarpfalz-Kreis. 2012 sei der Kreis St. Wendel auf rund 70 000 Euro sitzen geblieben, in Homburg waren es 92 000 Euro. Dem gegenüber habe der Regionalverband 2,1 Millionen Euro nicht ausgegeben.

Udo Recktenwald fordert deshalb von der Landesregierung einen "gerechten Verteilungsmaßstab, der rückwirkend die Fehlentwicklung korrigiert". Der Landrat: "Es kann nicht sein, dass eine Leistung des Bundes von den Kommunen bezahlt wird. Die derzeitige Verteilung ist nicht gerecht."

Eine Forderung hat Recktenwald aber auch an die Bundesregierung: Die Umsetzung des Bildungspaketes sei noch immer sehr bürokratisch. Für die Eltern wie auch für die Kreisverwaltung. Recktenwald: "Im Jahr müssen unsere Mitarbeiter über 3000 Bescheide nur für das Bildungspaket machen und die Gelder abrechnen." Die Erstattung des Bundes für die Verwaltungskosten reiche da bei keinem Landkreis. Dieses System könne man vereinfachen, wenn der Bund den Kommunen mehr Flexibilität zugestehen würde.Trotz der Finanzdiskussion will der Landkreis St. Wendel das Bildungspaket weiter verbessern. So habe man mit Unterstützung des Sozialministeriums in Saarbrücken das Aktionsprogramm Frühe Bildung entwickelt. Damit werde man die Lernförderung aus dem Bildungspaket stärker bewerben. Ziel sei, Versetzungsgefährdete frühzeitig mit Nachhilfe zu unterstützen. Dazu werde man die Vernetzung mit den Schulen ausbauen, um möglichst alle betroffenen Kinder zu erreichen. Landrat Udo Recktenwald (CDU): "Ein solcher flächendeckend aufgespannter Schirm ist einzigartig. Wir wollen nicht warten, bis das Kind sprichwörtlich in den Brunnen gefallen ist, sondern schon im Vorfeld die notwendigen Hilfen anbieten."

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