Gegenseitige Hilfe steht hoch im Kurs

Gegenseitige Hilfe steht hoch im Kurs

Obersalbach, einst "schönstes Dorf" Deutschlands, hat sich seinen ländlichen Charakter bewahrt. Hier ist einer dem anderen nicht fremd, und die Nachbarschaftshilfe hat einen hohen Stellenwert. Der Berufssoldat Rainer Blass wählte den 700-Seelen-Ort zur Heimat.

Obersalbach. 1975 - Obersalbach gewinnt beim Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" die Goldmedaille und schreibt damit bundesweit Schlagzeilen. Das Jahr 75 ist zwar lange vorbei, doch der Gemeinschaftsgeist jener Tage hat sich erhalten. In Obersalbach, so sagt man gern scherzhaft, leben mehr Rinder als Menschen. Diese Aussage ist, obwohl nie statistisch nachgewiesen, nicht von der Hand zu weisen. In dem westlichsten Ortsteil von Heusweiler gibt es nämlich noch neun landwirtschaftliche Betriebe im Haupterwerb. "Zur Erntezeit ist es mit der Geruhsamkeit vorbei. Von morgens bis abends fahren Traktoren mit voll beladenen Anhängern an unserem Haus vorbei", berichtet Rainer Blass, der im Jahr 2000 von Heusweiler nach Obersalbach "ausgewandert" ist.Der Grund für den Umzug: Seine Ehefrau Lisette zog es in ihre Heimat zurück. Nach dem sie deren Elternhaus, im Dorf "Wirbelshaus" genannt, abgetragen hatten, erbauten die "Blasse", so steht's an der Tür, ein schmuckes Anwesen für die Familie und die Großmutter Anna. Die Familie, das sind die Eheleute sowie die Kinder Michael (25), Alexander (22) und Katharina (16). Die Söhne haben Obersalbach mittlerweile in Richtung Elternhaus des Vaters verlassen und damit den Kreis nach Heusweiler, zu Großvater Oswald Blass, wieder geschlossen.

Der "Neubürger" und heutige Oberstabsfeldwebel im Sanitätsdienst der Bundeswehr hat Obersalbach schnell schätzen und lieben gelernt. "Hier lebt meine Familie, hier steht unser Haus, hier wohnen meine Freunde, hier bin ich für den Naturpark Kallenborn engagiert, kurzum, hier fühle ich mich wohl", so das Bekenntnis des Mannes, der beruflich viel in der Welt herumgekommen ist und der als Sanitäter in Uniform mehr als andere Menschen Not und Elend in der Welt hautnah erlebte. Rainer Blass hatte sich schnell im Dorf eingelebt und Kontakte zu Nachbarn geknüpft. Werner Neu, Heinz Beck, Hermann Bastong und Blass fanden sich als nachbarliche Gemeinschaft zusammen, die sich gegenseitig und anderen Leuten im Dorf hilft, wenn Not am Mann ist.

"Kürzlich haben wir für eine Nachbarin zwei Bäume zu Feuerholz zerlegt", schildert Blass ein aktuelles Beispiel nachbarschaftlicher Hilfe.

Der 52-Jährige Soldat war als gelernter Schwimmmeister dem Heusweiler Schwimmbad über die DLRG und die Behindertensportgruppe eng verbunden. Heute kümmert er sich als zweiter Vorsitzender des Fördervereins Kallenborn um die Weiheranlage im Naturpark.

In dieser Funktion versucht er, den jungen Leuten im Ort ein gutes Verhältnis zur Natur und besonders zum Wasser und seinen Geschöpfen zu vermitteln. Darüber hinaus sammelt er Motorräder und befasst sich mit der Geschichte seiner Heimat. Der Begriff "Heimat", so sagt er, habe für ihn seine ursprüngliche Bedeutung noch lange nicht verloren.