"Gefährliche Rüttelpisten"

"Gefährliche Rüttelpisten"

Saarbrücken. Die Straßen in der Landeshauptstadt werden immer schlechter - und die Stadtverwaltung kann mangels Geld dabei nur zusehen. Das hat Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer gestern eingeräumt. Jährlich stehen zwar rund sechs Millionen Euro zur Erhaltung des 660 Kilometer langen Straßennetzes zur Verfügung, teilte Wandel-Hoefer auf Anfrage mit

Saarbrücken. Die Straßen in der Landeshauptstadt werden immer schlechter - und die Stadtverwaltung kann mangels Geld dabei nur zusehen. Das hat Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer gestern eingeräumt. Jährlich stehen zwar rund sechs Millionen Euro zur Erhaltung des 660 Kilometer langen Straßennetzes zur Verfügung, teilte Wandel-Hoefer auf Anfrage mit. Der Betrag sei in den vergangenen Jahren sogar "leicht erhöht worden, dennoch aber zu gering, um eine weitere Verschlechterung des Zustandes der Straßen dauerhaft aufzuhalten", sagt die Dezernentin.

FDP will richtige Reparatur

So hat es die Stadtverwaltung offenbar nicht geschafft, die Straßenschäden, die der vergangene Winter verursacht hat, zu reparieren, bevor Eis und Schnee den Straßen nun erneut zusetzen. "Von den reklamierten Straßenschäden infolge des harten Winters 2009/2010 sind bislang noch nicht einmal 20 Prozent behoben. Viele Straßen in der Landeshauptstadt gleichen gefährlichen Rüttelpisten mit tiefen Schlaglöchern und Rissen", bemängelt der Vorsitzende der FDP-Stadtratsfraktion, Friedhelm Fiedler.

Über Jahre seien "viele Löcher aber aus Geldmangel immer wieder nur mit bituminösem Kaltmaterial, einem aus Erdöl gewonnenem Gemisch aus verschiedenen organischen Stoffen, zugekleistert worden", beklagt Fiedler. "Eine fachgerechte Reparatur mit Abfräsen der schadhaften Stellen und neuem Asphaltbeton wäre die einzig richtige und dauerhafte Lösung gewesen", sagt Fiedler.

Die FDP-Ratsfraktion fordert die Verwaltung auf, "endlich einen Masterplan vorzulegen, wann und wie sie gedenkt, die vielen, zum Teil gravierenden, Schäden an den Straßen in der Landeshauptstadt fachgerecht und damit nachhaltig zu beheben". Anlass für diese Forderung ist die halbseitige Sperrung der Luisenbrücke wegen dringend notwendiger Reparaturarbeiten.

90 Tonnen Kaltasphalt

Die Sperrung sei nötig, weil sich die Asphaltdecke großflächig löst und damit die Fahrbahn nicht mehr verkehrssicher ist, teilt die Stadt mit. Aus diesem Grund habe man reagieren müssen. Generell gelte wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens in der Vorweihnachtszeit aber, dass die Stadt ab dem 15. November keine Baustellen mehr genehmigt, sagte Stadtpressesprecher Thomas Blug gestern.

Eine "konventionelle Reparatur mit Kaltasphalt" sei im Fall der Luisenbrücke "bei diesen Temperaturen nicht möglich". Wobei es sich bei Kaltasphalt keinesfalls um ein billiges Material handle, betont Wandel-Hoefer. Etwa 90 Tonnen dieses Materials werden von den städtischen Bauhöfen pro Jahr "zur raschen Beseitigung der Schäden" verfüllt, sagt die Baudezernentin. Kosten: rund 120 000 Euro fürs Material, ebenso viel fürs dazu notwendige Personal.

"Im Laufe des Jahres werden dann bei geeigneter Witterung die Schäden großflächig durch Einbau einer neuen Asphaltdecke oder durch kleinflächige Unterhaltungsmaßnahmen (mit unterschiedlichen Reparaturtechniken, zum Beispiel so genanntes Fräsflicken oder Dünnschichtbeläge) mit heißem Asphalt in Stand gesetzt", teilt Wandel-Hoefer mit.

Für den aktuellen Winter gebe es noch keine Zahlen zu akuten Frostschäden. "Noch nicht abgeschlossene Baumaßnahmen zur Straßenerhaltung ruhen derzeit und werden nach der Frostperiode im nächsten Jahr abgeschlossen", kündigt die Baudezernentin an.