1. Saarland

Gedenken an das KZ-Opfer Alois Kunz

Gedenken an das KZ-Opfer Alois Kunz

Marpingen. Mut, Gerechtigkeitssinn und Zivilcourage - das sind Werte, die in unserer Gesellschaft hoch im Kurs stehen. Zu Zeiten der nationalsozialistischen Diktatur waren sie besonders wertvoll. Einer, der für diese Attribute stand, als es nicht viele taten, war der Marpinger Alois Kunz

Marpingen. Mut, Gerechtigkeitssinn und Zivilcourage - das sind Werte, die in unserer Gesellschaft hoch im Kurs stehen. Zu Zeiten der nationalsozialistischen Diktatur waren sie besonders wertvoll. Einer, der für diese Attribute stand, als es nicht viele taten, war der Marpinger Alois Kunz. Der Sozialdemokrat hatte während des Abstimmungskampfes 1933/34 offen vor Hitler gewarnt und sich gegen einen Anschluss des Saargebiets an Nazi-Deutschland eingesetzt. 1939 wurde er von der NS-Geheimpolizei Gestapo verhaftet und schließlich im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Kunz bezahlte für seine Überzeugungen mit dem Leben. Der Marpinger Verein wider das Vergessen und gegen Rassismus bemüht sich darum, die Erinnerung an ihn weiterleben zu lassen.Am Wochenende waren mehr als 40 Menschen der Einladung des Vereins gefolgt, um an Alois Kunz und die Millionen weiteren Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Wie wichtig es sei, gerade an Einzelne zu gedenken, erklärte der Vorsitzende Hans-Georg Wagner: "Kann man sich unter den Millionenzahlen der Opfer überhaupt etwas vorstellen? Man kennt keine und so verschwinden die Einzelnen in der riesigen Masse der Anonymität." Rund sechs Millionen Juden waren in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern ermordet worden.

Im Bezug auf die Erinnerungskultur kritisierte Wagner auch die Gemeinde Marpingen. "Zur gleichen Zeit, als der Alois Kunz in Auschwitz war, tat auch ein anderer Marpinger dort in der SS Dienst als KZ-Wächter. Dieser Mann wird heute noch im Marpinger Ehrenbuch als Held geehrt, ebenso wie der Ortsgruppenleiter der NSDAP, der Kunz denunzierte." Wagner sei enttäuscht darüber, dass die Gemeinde Marpingen bis heute keine Veranlassung sehe, das Buch zu korrigieren.

Unter den Gästen war neben Landrat Udo Recktenwald (CDU), Marpingens Bürgermeister Werner Laub (SPD), dem Landtagsabgeordneten Hermann Scharf (CDU) und dem SPD-Kreisvorsitzenden Magnus Jung auch der Enkel des Ermordeten. "Ich finde es extrem wichtig, dass diese Dinge in Erinnerung bleiben", sagte Hans-Joachim Kunz (44). "Gerade die unter 30-Jährigen wissen über die Nazi-Zeit nicht mehr viel."