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GdP: Polizei droht der Kollaps

GdP: Polizei droht der Kollaps

Lebach. Der Saar-Polizei droht aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) der personelle Kollaps. Am Rande des zweitägigen Delegiertentages des GdP-Landesverbandes in Lebach wies der im Amt bestätigte Landesvorsitzende Hugo Müller (Foto: Becker & Bredel) gestern auf eine "eklatante Personallücke" hin

Lebach. Der Saar-Polizei droht aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) der personelle Kollaps. Am Rande des zweitägigen Delegiertentages des GdP-Landesverbandes in Lebach wies der im Amt bestätigte Landesvorsitzende Hugo Müller (Foto: Becker & Bredel) gestern auf eine "eklatante Personallücke" hin. Die derzeitige Polizei-Organisation, die aus dem Jahr 2000 stammt, basiere auf einem Personalstamm von 2900 Beamten. Aktuell verfüge die Polizei aber nur noch über 2700 Leute. Mit deutlich reduziertem Personalstamm müssten aber seit Jahren zusätzliche Aufgaben, etwa in den Bereichen Staatsschutz und Mediziner-Abrechnungsbetrug, erledigt werden. Müller plädierte gegenüber unserer Zeitung dafür, dass die aktuelle Organisation der Polizei "in allen Bereichen kritisch überprüft wird". In den kommenden Jahren werde die Personalnot der Polizei noch größer, da deutlich mehr Beamte in den Ruhestand gehen werden, als Nachwuchs nach absolvierter Ausbildung den Dienst aufnehme. Im laufenden Jahr werden 115 Kommissarsanwärter eingestellt. Die GdP hält 150 Neueinstellungen für erforderlich.

Mit Blick auf die Personalsituation müssten bei der Organisationsüberprüfung "überall Fragezeichen gesetzt werden", auch hinter einzelnen Dienststellen, sagte Müller. Er reagierte damit auf eine Erklärung des SPD-Politikers Stefan Pauluhn, der die Auflösung der Kriminalpolizeiinspektion (KPI) gefordert hat.

Müller wurde von 67 Delegierten der 2700 Mitglieder zählenden Gewerkschaft einstimmig als Vorsitzender bestätigt. Er ist seit zwölf Jahren im Amt. Seine Stellvertreter sind Reinhold Schmitt (Püttlingen), Ralf Porzel (Saarwellingen), Martin Speicher (Püttlingen) und Wolfgang Schäfer (Wadgassen). Der Delegiertentag wird heute unter anderem mit einer Grundsatzrede von Innenminister Stephan Toscani (CDU) zur Zukunft der Saar-Polizei fortgesetzt.

Pauluhns Forderung, die Kriminalpolizeiinspektion aufzulösen, erntete heftige Reaktionen in der Landespolitik. Er hatte erklärt, wenn dort der "Wasserkopf" wegfalle, stünde mehr Personal für die Fläche zur Verfügung. Innenstaatssekretär Georg Jungmann (CDU) und die CDU-Vize-Fraktionschefin Helma Kuhn-Theis sprachen von einer "indirekten Beleidigung" und Diffamierung erfolgreicher Ermittler. Claudia Willger-Lambert (Grüne) sagte, die derzeitige Struktur garantiere eine "effiziente und hoch spezialisierte Arbeit der Kriminalpolizei".