1. Saarland

Gastbeitrag zum Projekt Bewegte Schule im Saarland

Gastbeitrag Georg Wydra : Es ist gut, die alte Idee „Bewegte Schule“ neu zu beleben

Der Sportwissenschaftler Professor Dr. Georg Wydra ist Präsident des Deutschen Sportlehrerverbandes Saar. Er äußerst sich zum neuen Projekt „Bewegte Schule“ des saarländischen Bildungsministeriums.

Die Saarbrücker Zeitung hat am 11. September im Saarlandteil über das neue  Projekt „Bewegte Schule“ des saarländischen Gesundheitsministeriums in Kooperation mit der Krankenkasse IKK Südwest und der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltung und Bewegung berichtet. Ziel ist es, mehr Bewegung in die Grundschulen zu bringen und dadurch die Fitness und die Konzentrationsfähigkeit der Schüler zu verbessern.

Natürlich muss man froh sein über jede Aktion und Initiative zur Förderung der Bewegung in der Schule. Aber man sollte sich im Klaren sein, dass es sich hierbei um alten Wein in neuen Schläuchen handelt. Vor 25 Jahren bereits hat der damalige Kultusminister Professor Dieter Breitenbach die Bewegte Schule mit dem Slogan „Es bewegt sich was“ auf den Weg gebracht. Das Landesinstitut für Pädagogik und Medien hat dazu Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt.

Das Sportwissenschaftliche Institut an der Universität des Saarlandes hat schon 2001 die Broschüre „Es bewegt sich was“ mit Übungsbeispielen erarbeitet, es folgten der Kongress „Mehr bewegen in der Schule“ der Landes-Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung im Jahr 2009 und die Fachtagung „Kinder bewegen – Schule verändern“ im Jahr 2010.

Zehn Jahre nach Einführung des bewegten Unterrichts im Saarland haben Mitarbeiter des Sportwissenschaftlichen Instituts 2005 festgehalten: „Die Idee der täglichen Bewegungszeit ist den meisten Lehrerinnen und Lehrern bekannt. Die Datenanalyse zeigt aber, dass die Realität dem Konzept der täglichen Bewegungszeit hinterher hinkt. Nur 15 Prozent der Kinder kommen in den Genuss von mehr als 15 Minuten zusätzlicher Bewegung. "

Die Bedeutung der Bewegung in jedem Lebensalter wird unter anderem durch die „Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung“ untermauert. Kinder ab dem Grundschulalter sollen eine tägliche Bewegungszeit von 90 Minuten und mehr mit moderater bis hoher Intensität erreichen. 60 Minuten davon können durch Alltagsaktivitäten, wie zum Beispiel mindestens 12 000 Schritte am Tag absolviert werden. Nach Untersuchungen der DAK ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die sich genügend viel bewegen, noch immer als bescheiden anzusehen.

Die „Nationalen Empfehlungen“ stellen heraus, dass die Schule ein optimales Umfeld bietet, Kinder und Jugendliche zu regelmäßiger körperlicher Aktivität zu motivieren. Eine Forderung lautet, mehr  Bewegungszeit einzubauen. Neben mehr Sportunterricht bedeutet das auch mehr Bewegungspausen während der Unterrichtsstunden. Zudem muss die Qualität der Bewegungsangebote verbessert werden. Hierzu können verbesserte Lehrmethoden beitragen. Nicht zuletzt sind gut ausgebildete Sportlehrerinnen und Sportlehrer erforderlich.

An der Universität des Saarlandes werden mittlerweile alle Lehramtsstudenten  mit dem Thema vertraut gemacht. In den verschiedenen Studienordnungen für das Lehramt an Grundschulen ist das Modul „Bewegte Schule“ eine Pflichtveranstaltung. Auch im Studienseminar für die Primarstufe gibt es seit 2002 ein Seminar für alle angehenden Grundschullehrer, in dem für das Thema sensibilisiert wird.

Die Autoren der „Nationalen Empfehlungen“ fordern, die Bewegungsförderung im Lehrplan der Schulen zu verankern. Zum Beispiel sollte der Schulhof so gestaltet sein, dass die Kinder dazu angeregt werden, sich mehr zu bewegen. Dazu zählen auch entsprechende Geräte. Zudem ist es wichtig, die Eltern in die Bewegungsförderung ihrer Kinder miteinzubeziehen. Ein erster Schritt wäre, den Schulweg gemeinsam mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückzulegen, wo immer das möglich ist.

Das jetzt vorgestellte Projekt „Bewegte Schule“ ist also nichts vollkommen Neues.  Es ist jedoch gut, dass jetzt wieder ein Versuch unternommen wird, die Idee wiederzubeleben.