Ganz cool zur Einschulung

Ganz cool zur Einschulung

Saarbrücken-Scheidt. "Hallo, schön dass du da bist", singen leise 19 Fünfjährige im Turnraum des städtischen Kindergarten in Scheidt. Sie sitzen auf hölzernen Bänken zusammen, manche sind an diesem Donnerstagmorgen noch nicht so konzentriert, manche scheinen auch den Text noch nicht so ganz verinnerlicht zu haben

Saarbrücken-Scheidt. "Hallo, schön dass du da bist", singen leise 19 Fünfjährige im Turnraum des städtischen Kindergarten in Scheidt. Sie sitzen auf hölzernen Bänken zusammen, manche sind an diesem Donnerstagmorgen noch nicht so konzentriert, manche scheinen auch den Text noch nicht so ganz verinnerlicht zu haben. Die Kinder gehören zu den 34 künftigen Grundschülern des Einzugsgebiets, die im kommenden Sommer auf der neben dem Kindergarten gelegenen Grundschule eingeschult werden sollen. "22 der Kinder kommen aus dem Kindergarten, zwölf weitere haben wir zu den Kooperations-Treffen an den Donnerstagen eingeladen", berichtet Grundschulleiterin Helene Schneider.

Für den Kindergarten und die Grundschule ist das Kooperationsprojekt der Jamaika-Regierung, mit der die Vorschulkinder im Jahr vor dem Schulbeginn auf die Schule vorbereitet werden sollen, nichts Neues. "Wir haben diese Kooperation bereits seit sechs Jahren", sagt Kindergartenleiterin Susanne Kunz. Und ihre Kollegin Schneider berichtet, dass die Scheidter ihr Modell auf einer Kultusministerkonferenz vorgestellt haben.

"Ich bin Charlize und in der blauen Gruppe": Die Kinder sind inzwischen bei der Vorstellungsrunde. Danach erklären die Grundschullehrerin Kerstin Deckert und die Erzieherin Sabine Markgraf den Kindern, die angesichts der sportlichen Umgebung mit Bällen und Turngeräten einen großen Bewegungsdrang verspüren, die Aufgabe an diesem Morgen: Sie sollen, in Kleingruppen von fünf Kindern aufteilt, ein Bild von sich malen. "Die Bilder werden dann auf ein großes Plakat in der Schuki-Ecke geklebt", sagt Markgraf. Und die "Schukis" (Schulkinder), wie sie sich in diesem letzten Jahr vor dem Schulstart stolz nennen, schwärmen aus.

"Wir haben als Ergebnis der Kooperation fröhliche Kinder am ersten Schultag. Die sind dann ganz cool, nur die Eltern und Großeltern zittern", sagt Helen Schneider. Die Kinder würden sagen "Heute gehe ich in meine Schule!" und wüssten bereits, wo alles seinen Platz habe. "Die Ängste vor dem Übergang sind weg", bestätigt Kindergartenleiterin Kunz.

In der Grundschule kommen die Schukis auch in diesen Wochen an, wenn die Kooperation fortschreitet. Vier Stunden mit den Kindern und eine Stunde zur Besprechung stehen Lehrerin Deckert und Erzieherin Markgraf zur Verfügung. Die Kinder sollen soziale Kompetenz in der neuen Gruppe erlernen, sie werden spielerisch lernen, ihren eigenen Namen zu schreiben. In der Mathe-Werkstatt legen sie Zahlen in die richtige Reihenfolge. "Buchstaben und Zahlen sind nicht für die Schule reserviert. Davon haben wir uns verabschiedet", so Kindergartenleiterin Kunz.

Bei regelmäßigen Treffen aller Kooperationsprojekte werden Erfahrungen ausgetauscht, die Hochschule für Technik und Wirtschaft bearbeitet das Modell wissenschaftlich, fragt beteiligte Pädagogen und Eltern nach ihren Erfahrungen.

Die Kinder haben inzwischen ihre Bilder fertig und treffen sich in der Gruppe, um die Bilder anzuschauen und darüber zu sprechen. Lehrerin Deckert sagt, dass die Kinder dabei lernen, sich nicht über die Werke der anderen lustig zu machen. Emily erklärt: "Das sieht ja jeder, dass ich das bin. Die Farben passen zu meiner goldgelben Haarfarbe." Die meisten geben keinen Kommentar ab zu ihren Werken. Doch bis zum Sommer ist noch genug Zeit, die Ich-Kompetenz weiter zu stärken.

Meinung

Hemmschwellen werden abgebaut

Von SZ-Redakteur

Dietmar Klostermann

Das Kooperationsjahr Kindergarten-Grundschule war längst überfällig, weshalb manche Einrichtungen auch ohne staatlichen Anstoß bereits seit Jahren die Schwellen abgebaut haben. Denn wenn die Kinder ohne Angst in eine bereits vertraute Grundschule eingeschult werden, ist das schon die halbe Miete für ein erfolgreiches Schülerleben. Vor allem kommt die Kooperation jedoch jenen Kindern zugute, die vorher keinen Kindergarten besuchen. Sie werden jetzt eingeladen und erlernen vor allem die sozialen Kompetenzen, die ihre Altersgenossen bereits verinnerlicht haben. Daher muss aus dem Modell- der Normalfall werden.

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