Funde in spektakulärem Zustand

Funde in spektakulärem Zustand

Eine spektakuläre Entdeckung haben Wissenschaftler auf einer Wiese auf der Gemarkung Sitzerath/Bierfeld gemacht. Sie haben zwei keltische Adelsgräber aus der Zeit um 50 vor Christus entdeckt. Beide enthielten zahlreiche wertvolle Grabbeigaben. Die Gräber sind nach Ansicht der Forscher Teil eines mehrere Jahrhunderte genutzten Friedhofes.

Alle Funde wurden genauesten katalogisiert.
Ein reich verzierter Krug.

"Wir haben unseren Augen nicht getraut, als wir die Gräber freigelegt haben." Der Archäologe Thomas Fritsch ist begeistert. Er hat mit seinem Team auf der Gemarkung Sitzerath/Bierfeld vor einigen Tagen zwei Gräber aus der Keltenzeit um 50 vor Christus mit zahlreichen Grabbeigaben entdeckt. Fritsch: "Das erste der beiden Gräber war mit über 40 Keramikgefäßen, bronzenem und eisernem Schmuck randvoll ausgefüllt." Der Erhaltungszustand der Gräber sei einzigartig, so der Experte: "Einfach spektakulär".

Einer der Funde in diesem Grab war eine mehr als 1,20 Meter hohe Weinamphore. Laut Fritsch belegen antike Schriften, dass eine solche Amphore mit über 20 Liter Fassungsvermögen den Tauschwert von ein bis zwei Sklaven besaß. Dass hier ein hochrangiger Mann bestattet wurde, dafür spricht auch eine Kampfaxt, die im Grab gefunden wurde.

Im zweiten Grab lag der verbrannte Leichnam einer keltischen Adeligen. Schon im Grabschacht fanden die Archäologen ein Gefäß mit wertvollen bronzenen, gläsernen und eisernen Schmuckbeigaben. "Das Gefäß war randvoll gefüllt", so der Wissenschaftler. Das Grab beherbergte weitere bedeutende Funde: einzigartige verzierte und prächtige Gefäße, Gewandspangen und bunte Glasarmringe ebenso wie eine überaus seltene eiserne Pyxis (Dose) und nicht zuletzt eine mit Bronzeblech verzierte eiserne Radnabe. "Diese Radnabe bezeugt uns die hohe Stellung der hier bestatteten Frau. Als Pars-pro-Toto-Beigabe (Teil eines Ganzen) belegt die Radnabe de facto die Mitgabe eines Wagens, mit welchem sich die Tote standesgemäß auch im Jenseits fortbewegen konnte", erklärt Professor Ralf Gleser, Leiter des Münsteraner Ur- und Frühgeschichte.

Der Erfolg bei der Spurensuche ist der guten Zusammenarbeit der Universität Münster mit der kreiseigenen Grabungsgesellschaft Terrex zu verdanken. Im vergangenen Jahr untersuchten Geophysiker der Uni das Areal mit Hilfe geomagnetischer Messungen. Diese ermöglichen einen Blick in den Untergrund. Fritsch: "Auffällige Punkte wurden im Gelände markiert. Dort haben wir gezielt gegraben und sind fündig geworden."

Thomas Fritsch, Terrex-Projektleiter des Forschungsprojektes Hunnenring bei Otzenhausen, geht davon aus, dass die nun gefundenen Gräber zu einem Friedhof aus der späten Kelten- und frühen Römerzeit gehören, der über mehrere Jahrhunderte genutzt wurde. In der Nähe finden sich zudem Grabhügel aus noch früheren Jahrhunderten. Fritsch: "Hier war mit Sicherheit die spät-keltische und früh-römische Nekropole der Sitzerather." Wo allerdings damals die Keltensiedlung stand, wisse man (noch) nicht.

Auf der Wiese ist nicht zu erkennen, was unter dem Boden verborgen liegt. Warum also haben dort die Wissenschaftler überhaupt geforscht? 1906 habe ein Bauer beim Ackern auf diesem Feld zufällig drei keltische Gräber aus der Zeit des 1. Jahrhunderts vor Christus angeschnitten. Die darauf folgende Korrespondenz mit dem damaligen Provinzialmuseum in Trier hatte Fritsch studiert und konnte so den Fundort eingrenzen.

Die Funde werden zurzeit von Experten des Landesdenkmalamtes in Reden gereinigt und restauriert. Die Terrex-Forscher wollen im kommenden Jahr das Gräberfeld weiter erforschen. Dazu brauche man aber Forschungsgelder, unterstreicht Fritsch. Klar ist für ihn aber schon jetzt: "Die in den jetzt gefundenen Gräbern bestatteten Kelten gehörten eindeutig zur Oberschicht." Für Fritsch machen die außergewöhnlichen Funde bei Sitzerath und Bierfeld deutlich, dass die Hochwaldregion vor allem zum Ende der keltischen Zeit eine überregionale Bedeutung gespielt hat.