Für Kim wird diese Woche ein Traum wahr

Für Kim wird diese Woche ein Traum wahr

Ensdorf/Köln. "Wenn mir einer vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich bald für Deutschland bei einer EM laufen werde, hätte ich wohl nur ungläubig geguckt", lacht Kim Carina Schmidt und schüttelt den Kopf

Ensdorf/Köln. "Wenn mir einer vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich bald für Deutschland bei einer EM laufen werde, hätte ich wohl nur ungläubig geguckt", lacht Kim Carina Schmidt und schüttelt den Kopf. Man merkt es der 20 Jahre alten Ensdorferin deutlich an: Ihre fast märchenhafte Leistungsexplosion binnen einer Saison kann die junge 400-Meter-Hürden-Läuferin selbst noch gar nicht fassen.

Premiere im National-Trikot

Trotzdem wird ein Traum vieler Leichtathleten für Kim schon in der dieser Woche wahr werden, wenn sie bei den Europameisterschaften der Junioren (U20) in Tallinn (Estland) für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) über 400-Meter-Hürden startet und später mit der 4x400-Meter-Staffel antritt. Als einzige Saarländerin in der U20-Nationalmannschaft. "Ich starte zum ersten Mal für Deutschland und dann gleich bei einer EM. Ich bin nervös, aber auch stolz, dass ich in diesem Trikot laufen darf", strahlt Kim vor Vorfreude.

Die EM-Qualifikationszeit von 59,75 Sekunden unterbot sie Anfang Juni bei einem Meeting in Gladbeck deutlich. Ihre neue persönliche Bestzeit von 59,31 Sekunden bestätigte Kim danach beim Pfingstsportfest in Rehlingen (59,41 Sekunden) eindrucksvoll. Doch damit beließ es die Führende der deutschen Jahresbestenliste nicht. Bei der DLV-Junioren-Gala in Mannheim lief die viertbeste Europäerin in ihrer Altersklasse über 400-Meter-Hürden auch über 400 Meter persönliche Bestzeit. "Danach ist Bundestrainer Andreas Knauer gekommen und hat mir einen Platz in der 4x400-Meter-Staffel angeboten", erzählt Kim, die natürlich zusagte und in Tallinn nun zwei Eisen im Feuer hat.

Zweigleisig fuhr die sympathische Saarländerin, die heute an der Sporthochschule Köln Sport studiert, auch lange Jahre in ihrer noch jungen Sportkarriere. Neben der Leichtathletik spielte sie in ihrem Heimatverein TuS Ensdorf von klein auf Basketball. Später trat sie in der Spielgemeinschaft mit dem TV Saarlouis sogar in der Oberliga an, bis sie im Alter von 16 Jahren eine schmerzhafte Wahl treffen musste. Die Wahl fiel pro Leichtathletik aus. "Ich musste mich einfach auf eine Sache konzentrieren. Aber mein Herz hängt auch weiter am Basketball. Im Hauptstudium werde ich es als Hauptfach wählen", verrät Kim.

"Früher war ich die langsamste"

Ihre Antwort auf die Frage nach einem sportlichen Idol verwundert deshalb wenig. "Dirk Nowitzki", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Doch während der Lebenstraum des weltbesten Basketballers mit dem Gewinn der NBA-Meisterschaft jüngst in Erfüllung gegangen ist, steht Kims internationale Karriere noch ganz am Anfang. Mit elf Jahren wechselte die Ensdorferin zum LC Rehlingen, wo ihr Talent gefördert wurde. Ihre heutige Paradedisziplin, die Hürden, mochte sie damals übrigens überhaupt nicht. Schmidt lief zunächst die langen Strecken, wurde dann umgeschult und war auch als Siebenkämpferin erfolgreich. Unter Trainer Robert Meurer gewann sie 2009 die südwestdeutsche Meisterschaft über 400 Meter Hürden, in 63,95 Sekunden - ihr bis dato größter Erfolg. 2010 wurde Kim Sechste bei den deutschen Meisterschaften, bevor sie sich studienbedingt dem Leichtathletik-Team der deutschen Sporthochschule Köln anschloss. "Da war ich in der Trainingsgruppe anfangs die Langsamste, heute laufe ich die schnellste Zeit", erzählt Kim, die mit viel Ehrgeiz in nur einer Saison leistungsmäßig einen Quantensprung hinlegte. So, wie es sich für eine Hürden-Läuferin gehört.

Ein weiterer Karriere-Hopser steht mit dem EM-Start nun kurz bevor. In Estland trifft Kim auf die besten Hürdenlauf-Talente Europas. Angst hat die DLV-B-Kader-Athletin davor nicht. "Ich versuche, mit neuer Bestzeit ins Finale zu kommen. Wenn ich aufgeregt bin, schaue ich mir vorher Kristin und Katrin an, dann klappt das schon", lacht Kim. Dann packt sie die Fotos der jüngeren Schwestern in ihren Reise-Koffer ein. Die EM kann kommen. "Mein Herz hängt auch weiter am Basketball. Dirk Nowitzki ist mein großes Vorbild. "

In Rehlingen beeindruckte Kim Schmidt beim Pfingstsportfest mit 59,41 Sekunden über ihre Paradedisziplin 400 Meter Hürden.

Kim Schmidt war früher auch eine gute Basketballerin

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