Frischer Wind in neuen Leitungen

Freisen. "Ich habe mich immer drüber lustig gemacht, wenn die Kollegen bei einer Einweihung einen roten Knopf drücken mussten. Deshalb haben sich meine Mitarbeiter etwas Besonderes ausgedacht", sagte Tim Hartmann, Vorstandsmitglied des saarländischen Energie- und Infrastrukturunternehmens VSE bei der Inbetriebnahme der neuen Umspannanlage in Freisen

Freisen. "Ich habe mich immer drüber lustig gemacht, wenn die Kollegen bei einer Einweihung einen roten Knopf drücken mussten. Deshalb haben sich meine Mitarbeiter etwas Besonderes ausgedacht", sagte Tim Hartmann, Vorstandsmitglied des saarländischen Energie- und Infrastrukturunternehmens VSE bei der Inbetriebnahme der neuen Umspannanlage in Freisen. Und passend zum Windkraftstandort Freisen hatten die VSE-Mitarbeiter einen Ventilator an den ominösen roten Knopf gekoppelt, den Hartmann gemeinsam mit Wirtschafts- und Energieminister Heiko Maas (SPD), Umwelt-Staatssekretär Roland Krämer (SPD), Landrat Udo Recktenwald (CDU) und dem scheidenden Bürgermeister Wolfgang Alles (CDU) betätigte.Der Wind blies dann nicht nur dank Ventilator durch das kleine Festzelt, auch draußen sorgten ein paar kräftige Böen dafür, dass sich die Räder im Windpark Freisen gemächlich drehten. Der dadurch gewonnene Strom findet seinen Weg in die Haushalte nun über die neue Umspannanlage. "Die neue Umspannanlage ist ein zentraler Knotenpunkt zur Einspeisung regenerativer Energien", sagte VSE-Vorstand Hartmann. Ihr Bau war notwendig geworden, nachdem in den vergangenen Jahren immer mehr Windparks in der Region entstanden waren. Die Einspeisung ins Mittelspannungsnetz wäre laut VSE langfristig nicht ausreichend gewesen, nun wird die Windenergie ins Hochleistungsnetz eingespeist. Die Energie aus sechs Windparks kommt nun dort an - derzeit mit einer Gesamtleistung von 56,3 Megawatt. Laut VSE liegen jedoch Anfragen für weitere Parks vor mit einer zusätzlichen Leistung von 30 Megawatt. Gleichzeitig mit dem Bau der Anlage wurde die 1986 errichtete, rund acht Kilometer lange Leitung zum Umspannwerk Walhausen von einer Spannung von 20 Kilovolt auf 110 Kilovolt umgestellt.

4,7 Millionen Euro investierte die VSE in die Umspannanlage. Ein Jahr dauerten die Arbeiten, die Planungen begannen jedoch schon viele Jahre davor. Dabei wurde der Standort Freisen nicht zufällig gewählt. "Die Anlage steht hier, weil Freisen im Saarland der Vorreiter in Sachen Windenergie ist", sagte Energieminister Heiko Maas und lobte den konstruktiven Umgang mit dem Thema in der Vergangenheit. Zudem hob er die Bedeutung des neuen Umspannwerks in Bezug auf die Energiewende hervor. "Derzeit stammen 13 Prozent der im Saarland erzeugten Energie aus regenerativen Energien. Diesen Anteil wollen wir auf 20 Prozent erhöhen. Mit dem Umspannwerk sind wir diesem Ziel einen wesentlichen Schritt näher gekommen", sagte Maas. Neben dem Vorantreiben der Energiewende nannte VSE-Vorstand Tim Hartmann zwei weitere Gründe für den Neubau: "Die Umspannanlage leistet einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit in der Stromversorgung und für die Modernisierung der Energie-Infrastruktur."

"Die Gemeinde Freisen war die erste im Land, die ein Windrad genehmigte, die einen Bauplan für einen Windpark genehmigte, und sie ist jetzt auch die erste, in der eine 15 Jahre alte Anlage abgebaut und durch eine neue, leistungsfähigere ersetzt wird", sagte Bürgermeister Wolfgang Alles, den das Thema Windenergie während seiner 18-jährigen Amtszeit begleitete. "Freisen kann sich nun getrost in die Kategorie der Kraftwerksstandorte einreihen", scherzte er. Und noch eine Verbesserung für die Gemeinde bringt das Umspannwerk mit sich. Denn mit den Leitungen von den Windparks wurden auch Glasfaserkabel für schnelles Internet und Fernsehempfang verlegt.

Auf einen Blick

Die Umspannanlage Freisen erhält derzeit Strom aus sechs Windparks: Freisen (19,8 Megawatt), Haupersweiler (15 Megawatt), Fohren-Linden/Rheinland-Pfalz (11,5 Megawatt), Schwarzerden (fünf Megawatt), Eitzweiler (drei Megawatt) und Herchweiler/Rheinland-Pfalz (zwei Megawatt). Weitere sind in Planung.

 Landrat Udo Recktenwald, Staatssekretär Roland Krämer, Minister Heiko Maas, VSE-Vorstand Tim Hartmann und Bürgermeister Wolfgang Alles bei der Inbetriebnahme der Anlage. Fotos: B&K

Landrat Udo Recktenwald, Staatssekretär Roland Krämer, Minister Heiko Maas, VSE-Vorstand Tim Hartmann und Bürgermeister Wolfgang Alles bei der Inbetriebnahme der Anlage. Fotos: B&K

Die Gemeinde Freisen will mit einem geänderten Flächennutzungsplan einem "Wildwuchs" von Windrädern vorbeugen, gleichzeitig die bestehenden Standorte ausbauen. Ein entsprechender Plan wurde bereits im Gemeinderat verabschiedet, soll aber noch mit den Bürgern diskutiert werden (wir berichteten). Im Windpark Freisen standen bisher 13 Räder. Sie wurden durch sechs neue ersetzt, die drei Mal so leistungsstark sind. Vier neue Räder könnten hinzukommen. Im Park Haupersweiler stehen fünf Räder, ein weiteres könnte hinzukommen. In Schwarzerden und Eitzweiler stehen je zwei, hier könnte eins hinzukommen. red

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