Fridays for Future im Saarland fordert tierproduktfreie Kita- und Schulessen

Klimaschutz : Fridays for Future im Saarland fordert veganes Schulessen

Die „Fridays for Future“-Bewegung (FFF) im Saarland  fordert jetzt tierproduktfreie Kita- und Schulkantinen. Die Landeshauptstadt Saarbrücken hatte am 18. Juni auf Antrag der Grünen den Klimanotstand ausgerufen.

Demnach sollen Umwelt-, Klima- und Artenschutz in Zukunft bei allen Entscheidungen des Stadtrats berücksichtigt werden. Kinder und Jugendliche in Kita- und Schulkantinen sollen mit saisonalen und regionalen Bio-Lebensmitteln versorgt werden. Der FFF-Bewegung  ist dies aber zu wenig. „Bio ist nicht gleich gut“, sagte die Saar-Sprecherin Susanne Speicher. Die Kriterien von Bio-Produkten seien nur minimal höher als bei normalen Lebensmitteln. Die Forderung der Umweltbewegung gehe deshalb noch einen Schritt weiter. „Wir wollen tierproduktfreies Mittagessen. Es wäre sicherlich kein Problem, das Essen in Kitas und Schulen auf pflanzliche Kost umzustellen“, erklärt Speicher. „Wir fordern nicht fleischfreies Mittagessen, sondern tierproduktfreies.“ Inzwischen gäbe es genügend Studien, die belegen, dass vegane Kost für Kinder alles biete, was diese bräuchten, so Speicher. Die 27-Jährige nennt die Fleischindustrie einen der Hauptverursacher von CO²-Emissionen und die dadurch entstehende Umweltbelastung.

Für ihren Vorstoß erntet die Schülerbewegung FFF deutliche Kritik. Professor Jörg Loth von der Krankenkasse IKK-Südwest sieht die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als eine Grundvoraussetzung für eine ausgewogene Ernährung. Mit diesem Wissen könnten auch individuelle Ess- und Geschmackspräferenzen berücksichtigt sowie eine einseitige Ernährung vermieden werden, so Loth. Die DGE empfiehlt unter anderem den täglichen Konsum von Milch und Milchprodukten. Außerdem rät sie zum Verzehr von Fisch ein- bis zweimal pro Woche und gibt bei Fleisch ein Maximum von 300 bis 600 Gramm pro Woche als empfehlenswert an.

Auch die Jungen Liberalen (Julis) im Saarland positionieren sich gegen die Forderung der Umweltbewegung FFF: „Mit diesem Vorschlag, der klar gegen die Empfehlungen der DGE geht, möchte FFF in Grünen-Manier die Bürger umerziehen“, sagte der Juli-Landesvorsitzende Julien François Simons. Außerdem befürworte er die Bemühungen der Stadt, Bioprodukte in den Kantinen anzubieten. Überdies ist er der Meinung, dass eine vegane Ernährung nicht ausgewogen ist und bezeichnet die Forderung deshalb als nicht sinnvoll.

Speicher entgegnete auf die Kritik: „Wer meint, tierische Produkte unbedingt verzehren zu müssen, kann das ja im Privaten machen.“ Ihre Forderung solle nicht als „Bekehrungsversuch“ zum Veganismus verstanden werden. Vielmehr ginge es der FFF-Bewegung um Aufmerksamkeit für Umwelt- und Klimaschutz sowie für vegane Ernährung.

„Vegan kann auch gut schmecken.“ Diese Botschaft wolle die Bewegung vermitteln. Aber auch von Seiten der Politik und der Medien wünsche sie sich entsprechende Aufklärung zum Thema vegane Ernährung. Zur Empfehlung der DGE sagte die 27-jährige Studentin, man solle das Programm aktuellen Ernährungsstudien anpassen. „Länder wie Kanada oder die Vereinigten Staaten empfehlen bereits vegane Ernährung“, behauptet Speicher. Das Land von Donald Trump also als Vorbild für Fleischverzicht  und Klimaschutz?

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