1. Saarland

Freund von Feind unterscheiden

Freund von Feind unterscheiden

St. Wendel. Wenn Ritter hoch zu Ross und im schützenden Panzer gehüllt, mit geschlossenem Visier in die Schlacht ritten, war es schwer, im Getümmel Freund von Feind zu trennen. Unterscheidungsmerkmale mussten her. Die Fläche auf den Schildern bot sich an. So entstand das Wappenwesen im mittelalterlichen Europa

St. Wendel. Wenn Ritter hoch zu Ross und im schützenden Panzer gehüllt, mit geschlossenem Visier in die Schlacht ritten, war es schwer, im Getümmel Freund von Feind zu trennen. Unterscheidungsmerkmale mussten her. Die Fläche auf den Schildern bot sich an. So entstand das Wappenwesen im mittelalterlichen Europa. Über Entwicklung, Verfall und Wiederbelebung der Heraldik - so der Fachbegriff - referierte Gerd Schmitt in der St. Wendeler Stadt- und Kreisbibliothek. Sein Vortrag sollte auf das große Ritterturnier in der Stadt einstimmen, das vom 31. August bis 2. September steigt."Die Welt der Heraldik wird von vielen unverstanden und argwöhnisch betrachtet", eröffnete der pensionierte Lehrer seinen 13 Zuhörern. Dabei liege der Ursprung der Wappen darin, dass verschiedene Kampfeinheiten oder Adelige ihre Schilder bemalten. Der Sinn: Man sollte wissen, mit wem man es zu tun hatte.

Das Wappen entwickelte sich im 13. Jahrhundert zum Kennzeichen der Familie des Trägers. In dieser Zeit wurde es auch als Siegel aufgenommen. Da im Rechtswesen nicht nur Adelige Siegel nötig hatten, nahmen weitere politische und gesellschaftliche Gruppen wie Bistümer, Städte, Zünfte oder Bürger Wappen an. "Im 17. Jahrhundert trat die Unterschrift anstelle des Siegels. Das Wappen kam aus der Mode", erklärte Schmitt.

Der Verfall des Wappens habe jedoch ein Jahrhundert früher begonnen. Die Abzeichen wurden immer verschnörkelter, Regeln der Heraldik wurden kaum beachtet. Bei Ritterturnieren spielten die Symbole dennoch eine entscheidende Rolle. Denn so unterschied man die teilnehmenden Ritter. Ebenso von Bedeutung war der Herold, der die einzelnen Wappen zu deuten wusste. Dabei bestanden die farbigen Wappen aus Zeichen oder Symbolen, geometrischen Formen oder Figuren und dem Ritterhelm, der mit einer Helmzier geschmückt war.

Wichtig sei es gewesen, dass Schild und Helm zueinanderpassen. "Ungeschriebenes Gesetz war es auch, dass Adelige einen Bügel-, Bürger einen Stechhelm im Wappen tragen", sagte Schmitt. Wobei es in der Forschung umstritten sei, ob der adelige Bügelhelm je in einem Turnier angezogen worden sei.

"Die Französische Revolution war der Tiefpunkt der Heraldik, da das Wappen als Symbol des verhassten Adels galt", erläuterte Schmitt. Erst im 19. Jahrhundert habe man die Heraldik wiederentdeckt. Schmitt: "Es wurde zum Thema geforscht und wichtige Bücher wurden geschrieben. Jedoch war es auch die Zeit der Schwindler." Diese versuchten, Familien oder Bürgern Wappen anzudrehen, die diesen nicht zustanden. Als Beispiel nannte er das Wappen der thüringischen Familie Schwarz, das, aufgrund der Namensgleichheit, der Familie Schwarte verkauft wurde. Zu Unrecht, denn dies sei verboten.

Freund von Feind unterscheiden
Freund von Feind unterscheiden
 Gerd Schmitt im Stadtmuseum. Foto: Lukas Kowol
Gerd Schmitt im Stadtmuseum. Foto: Lukas Kowol

Heutzutage haben Familien, Körperschaften, Städte und Staaten Wappen. Jeder könne sich ein Wappen erstellen lassen, falls seine Vorfahren keins hatten. Dafür gab Schmitt einige Tipps: "Ein gutes Wappen ist einmalig, einfach, einprägsam und stilgemäß."