1. Saarland

Freund der Kinder, nicht der Buhmann

Freund der Kinder, nicht der Buhmann

Bildstock. Für Dieter Geßner ist es die vielleicht stressigste, aber ganz sicher auch die schönste Woche im Jahr. Denn der 64-jährige pensionierte Bahnbeamte ist seit 26 Jahren als Nikolaus tätig. "Es begann im Familienkreis der Pfarrei mit fünf Familien", erinnert sich Geßner an die Anfänge, "jeder hatte Kinder, aber einen Nikolaus hatten wir nicht

Bildstock. Für Dieter Geßner ist es die vielleicht stressigste, aber ganz sicher auch die schönste Woche im Jahr. Denn der 64-jährige pensionierte Bahnbeamte ist seit 26 Jahren als Nikolaus tätig. "Es begann im Familienkreis der Pfarrei mit fünf Familien", erinnert sich Geßner an die Anfänge, "jeder hatte Kinder, aber einen Nikolaus hatten wir nicht."

Der Bildstocker übernahm die Rolle, die dem kinderlieben Familienvater quasi auf den Leib geschrieben scheint. "Ich bin kein Buhmann oder Angstmacher. Ich verkörpere den ursprünglichen Nikolaus, den Freund der Kinder."

Nikolaus zu sein, bedeutet aber Arbeit für die ganze Familie. Die Gewänder (Geßner besitzt Nikolauskleidung zum Wechseln) wurden von Ehefrau Magret kunstvoll und mit viel Liebe zum Detail selbst geschneidert, der Bischofs-Stab wurde selbst gebaut und mit Glitzersteinen, Kordel und Goldfarbe prächtig verziert. Neben Bart und Mitra runden ein Bischofsring und Watte-Augenbrauen, die mit beidseitigem Klebeband in Position gehalten werden, das Äußere des "geßnerschen Nikolauses" ab. Zehn Minuten dauert die Verwandlung von Dieter Geßner zum heiligen Mann. Über 50 Termine hat der 64-Jährige in der Woche um den Nikolaustag. "Viele Familien rufen schon im Sommer an, um einen Termin zu bekommen", so Geßner, der Kinderkrabbelgruppen genauso besucht wie das Seniorenheim in Friedrichsthal.

Nikolaus zu sein ist auch eine logistische Meisterleistung, denn um die Termine pünktlich einhalten zu können, muss die Fahrtroute minutiös geplant sein, und auch bei schlechtem Wetter muss der Zeitplan eingehalten werden. "Das Schlimmste, was ich mal erlebt habe war, dass eine Frau kein Geschenk für ihre Tochter hatte", berichtet der Bildstocker Nikolaus, "ich habe Gott sei Dank in meinem Sack noch einen Apfel und eine Orange gefunden, die vom vorherigen Kind zurückgeblieben waren." Seither hat Geßner immer eine kleine Reserve dabei. "Es gab aber auch schon Familien, da reichte mein Sack nicht aus, alle Geschenke zu transportieren." Aber auch die in den Jahren eingesammelten Schnuller und die vielen Zeichnungen der Kinder für den Nikolaus würden den Sack zum Überlaufen bringen.

Früher opferte Dieter Geßner sogar Urlaubstage, um für die Kinder der Nikolaus zu sein, als Pensionär ist alles etwas einfacher. Darum will die Familie auch weitermachen, so lange die Gesundheit es zulässt. "Ich verlange übrigens kein Geld. Ich lasse es jeder Familie frei, was sie spendet. Die kompletten Einnahmen sind für einen guten Zweck." Und so wird Dieter "Nikolaus" Geßner auch heute wieder unterwegs sein, um Kinderaugen zum Strahlen zu bringen.

 Dieter Geßner
Dieter Geßner