„Fridays for Future“: Freitags in die Schule oder auf die Straße?

„Fridays for Future“ : Freitags in die Schule oder auf die Straße?

Der Bildungsminister zeigt großes Verständnis für die demonstrierenden Schüler. Die CDU pocht hingegen auf einen Beschluss von 1973.

Bildungsminister Ulrich Commerçon will die jungen Leute, die im Saarland seit Januar tausende Schüler auf die Straße bringen, persönlich kennenlernen. Deshalb hat er mit den Organisatoren der Bewegung „Fridays for Future“ einen Termin abgemacht. „Was jetzt hilft, ist der Dialog, nicht die Bestrafung“, sagte der SPD-Politiker. Sanktionen seien „nicht das Mittel der Wahl in der gegenwärtigen Situation“.

Der Saarländische Philologenverband (SPhV) hält das Gerede von möglichen Strafen ohnehin für höchst unangebracht. „Lehrer und Schulen bestrafen nicht“, sagte der SPhV-Vorsitzende Marcus Hahn. Das könnten nur Gerichte. Wenn ein Schüler während der Unterrichtszeit demonstriere, sei das ein „glasklarer Verstoß gegen die Schulpflicht“, der als unentschuldigtes Fehlen aktenkundig gemacht werde. 

Mit Ausnahme der AfD bringen alle Parteien und Interessenvertretungen, die sich bislang zu Wort gemeldet haben, grundsätzlich erst einmal Verständnis für die demonstrierenden Schulen auf. Minister Commerçon sagte, die Schüler wollten mit ihren Aktionen besondere Aufmerksamkeit erzielen, schließlich gehe es bei ihrem Engagement für Klimaschutz im Wesentlichen um ihre eigene Zukunft. „Die Schülerinnen und Schüler haben erlebt, dass die ,Erwachsenen‘ die prominenteste Aktivistin und Begründerin der Bewegung ‚Fridays for future‘ zu einer Rede auf einem offiziellen Gipfel eingeladen haben, dann aber nicht einmal ihre eigenen Zielvorgaben konsequent einhalten. Und dann sollen jetzt andere Schülerinnen und Schüler, die sich das aneignen, bestraft werden?“, sagte Commerçon.

Zwar unterstützt auch der Koalitionspartner CDU das Anliegen der Schülerbewegung; ihr bildungspolitischer Sprecher Frank Wagner nannte den Einsatz der jungen Menschen gar „vorbildhaft“. Er fürchtet aber, dass die Demonstrationen während der Unterrichtszeit zur Dauer-Einrichtung werden könnten. „Fridays for Future“ plant als nächstes Demos in Wadern (8. März), Saarbrücken (15. März) und Merzig (22. März). „Wir müssen aufpassen, dass die unterstützenswerten Ziele der Initiative nicht auf Kosten eines geordneten Unterrichts gehen“, sagte Wagner.

Seine Argumentation stützt er auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 25. Mai 1973. Dieser Beschluss besagt, dass Ausnahmen von der Schulpflicht nur in Fällen gelten, „die sich aus der Erkrankung von Schülern oder aus anderen von ihnen nicht zu vertretenden Gründen ergeben“. Wagner drängt das Bildungsministerium zu einem neuen Rundschreiben an die Schulen. Darin solle es klarmachen, dass die Lehrer ihre Schüler darüber aufzuklären haben, dass sie unentschuldigt fehlen, wenn sie während des Unterrichts demonstrieren gehen. Dies hatten schon bisher einige Schulen so gehandhabt; allerdings gab es auch Schüler, die unentschuldigte Fehlzeiten in Kauf nahmen, wie Organisatorin Susanne Speicher sagte.

Wenn heute die Fastnachtsferien enden, werden die Proteste in den Lehrerzimmern Thema sein. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will am Montag eine Position zu dem Thema abstimmen, die Sympathie für die Schüler dürfte aber groß sein. SPhV-Chef Hahn plädierte dafür, „die Kirche im Dorf zu lassen und das Ganze mit Augenmaß zu behandeln“. Es sei begrüßenswert, dass sich Schüler engagierten. Die Schüler, die für die Klima-Proteste den Unterricht sausen lassen wollen, will er aber überzeugen, dass es bessere Möglichkeiten gibt: Das, was dem Klima am meisten helfe, seien gut ausgebildete junge Leute, die zum Beispiel neue Technologien für den Klimaschutz entwickeln, sagte Hahn. „Der Kampf gegen den Klimawandel findet deshalb auch freitags mittags im Unterricht statt.“

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