Der Mensch und sein(e) Tier(e) – eine besondere Beziehung „Jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter“ – Stefanie Keller aus Freisen und ihre Therapiepferde helfen Menschen

Serie | Freisen · Die Vierbeiner von Stefanie Keller aus Freisen helfen Menschen mit Einschränkungen dabei, sich zu öffnen und Selbstbewusstsein zu erlangen.

Stefanie Keller hält Geronimo am Zügel. Das Pferd und seine Artgenossen werden unter anderem in der Reittherapie eingesetzt.

Stefanie Keller hält Geronimo am Zügel. Das Pferd und seine Artgenossen werden unter anderem in der Reittherapie eingesetzt.

Foto: Thomas Annen

Stefanie Keller liebt Pferde. „Es sind tolle Tiere“, schwärmt sie. „Jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter“. Die Stärken und Schwächen ihrer vierbeinigen Schützlinge kennt die 31-Jährige genau. Die hübsche Fuchsstute Cassantra ist manchmal etwas zickig. Während Pony-Dame Sally gern gemütlich unterwegs ist, geht Lucky Luke beim Springen ab wie eine Rakete. Knupp ist ein kleiner Dickkopf, und Little Foot hält immer Ausschau nach den saftigsten Grashalmen.

Die dunkle Schönheit Geronimo hat eine Engelsgeduld. Fürs Foto mit seiner Halterin unterbricht der 16-jährige Wallach ohne Murren das Fressen. Nur noch schnell ein Maul voll Heu – schon posiert er vor der Kamera. „Er ist total relaxt“, sagt Stefanie Keller. Seit knapp fünf Jahren kennen sich die beiden. Dass er damals als unreitbar galt, erfuhr die neue Besitzerin erst nach dem Kauf. Doch es gab keine größeren Probleme. Die Schwierigkeiten, die das Pferd anfangs mit männlichen Reitern hatte, legten sich schnell. „Bei uns hat er noch nie was Dummes gemacht“, versichert Keller.

Geronimo arbeitet für sie, er gehört zu den sechs Pferden, die in der Reittherapie eingesetzt werden. Die Tiere helfen Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen. „Pferde sind vorurteilsfrei“, betont die Expertin. Sie akzeptieren jeden so, wie er ist – auch Kranke und Behinderte. Deshalb fällt es Menschen mit Handicap leicht, sich zu öffnen und auf das Pferd einzulassen, ihm zu vertrauen. Sie pflegen das Tier, reiten auf ihm oder führen es vom Boden aus. Zapplige Kinder sind ausgeglichener nach einer Therapieeinheit. Wer normalerweise im Rollstuhl sitzt, genießt es, auf dem Pferderücken Platz zu nehmen und getragen zu werden.

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Foto: AP/Michael Probst

Stefanie Keller erinnert sich an eine Frau mit psychischen Problemen: „Sie war total in sich gekehrt.“ Bei ihrem ersten Besuch hatte sie sich fast nicht getraut, aus dem Auto zu steigen. Aus Angst, anderen Menschen zu begegnen und von ihnen angesprochen zu werden. Nach eineinhalb Jahren Therapie war ihr Selbstbewusstsein so gestärkt, dass sie sich auch mit Fremden unterhalten konnte. Dabei arbeitete sie nur vom Boden aus. „Sie hat nie auf einem Pferd gesessen“, erklärt Keller.

Tiere, die beim Therapiereiten eingesetzt werden, müssen geduldig, nervenstark und lernwillig sein. Insgesamt leben auf dem Schwarzenbacher Hof im Freisener Ortsteil Grügelborn 30 Pferde. 14 davon gehören Keller, die anderen sind Gäste in ihrer Pferdepension. Sie werden vom Team im Auftrag der Besitzer versorgt. Auch klassischer Reitunterricht und Reitferien für Kinder gehören zum Angebot.

Stefanie Kellers Pferde-Leidenschaft wurde schon früh geweckt. „Mit sechs Jahren gab es kein Halten mehr“, erinnert sie sich. Sie nahm Reitunterricht, mit elf Jahren bekam sie ihr erstes eigenes Pferd.

Nach der Schule machte die Tierfreundin eine Ausbildung zur Pferdewirtin; anschließend bildete sie sich zur Reittherapeutin weiter. Vor neun Jahren sprang Stefanie Keller dann ins kalte Wasser und gründete das Unternehmen „Therapiereiten-Saar“.

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