1. Saarland

Frau Klein weiß genau, was Väter wollen

Frau Klein weiß genau, was Väter wollen

Bunt und reichhaltig, interessant und beispielgebend ist, was Menschen im Landkreis St. Wendel tun. In der Serie "Menschen unserer Heimat" stellt die SZ Marliese Klein vor, die in dritter Generation das Gasthaus Zum Schützenhof in Neunkirchen/Nahe führt.

Neunkirchen/Nahe. Wirtin Marliese Klein zapft eifrig ein Glas nach dem anderen. Vor der Theke stehen über 20 Herren, einheitlich gekleidet mit dunkelblauen Sakkos. Sie warten geduldig aufs Frischgezapfte. Doch das ist nicht der einzige Grund, dass die Herrschaften hier verweilen. Sie sind von der Gambrinus-Bruderschaft Saar, in offizieller Mission.

Am Tresen zuprosten

Marliese Klein erhält als erste Wirtin im St. Wendeler Land die Biergedenk-Medaille. "Es ist eine ganz seltene Ehrung. Wir verleihen die Medaille einmal im Jahr an besondere Gastronomen. Frau Klein hat alle zehn Kriterien im Sinne der Bierpflege erfüllt", würdigt der Bosener Kommissionsleiter Gerold Weingärtner. Dazu zählten unter anderem die angenehme Atmosphäre am Tresen sowie das ansprechende Krönchen auf dem Pils.

Seit 1968 ist Marliese, wie sie von ihren Gästen liebevoll genannt wird, Wirtin des Schützenhofs und führt damit eine Familientradition fort. Ihre Großeltern, August und Elisabeth Klein, eröffneten 1905 das Gasthaus. 1958 bauten die Eltern Josef und Hildegard die Gaststätte um. Klein arbeitete damals noch im Coburger Eck in St. Wendel, ehe sie den elterlichen Betrieb übernahm.

"Ich bin mit 28 Jahren so richtig reingeschlittert", erzählt die heute 62-Jährige. "Heute würde sich das jeder noch einmal genau überlegen." Denn Klein weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung, wie sich die Zeiten in der Gastronomie wandelten. "Mit den Vereinen ist es im Laufe der Jahre etwas weniger geworden", sagt sie. Bei ihr im Nebenzimmer treffen sich die Ortsvereine noch zu Sitzungen, oder sie bewirtet dort Gesellschaften.

"In der Woche mache ich erst abends auf", stellte Klein die Öffnungszeiten längst um, passte sie so veränderten Ausgehgewohnheiten an. "Die Pensionäre haben ja nicht mehr die Zeit, um tagsüber in die Wirtschaft zu gehen." So werden erst abends Neuigkeiten im Lokal ausgetauscht.

Immer wiederkommen

"Bei der Marliese fühlen sich die Leute einfach wohl. Sie hat ein offenes Ohr für alle Belange ihrer Gäste", weiß Weingärtner. Dies spüre er besonders, wenn er nach längerem vorbeischaut. "Du fühlst dich sofort wieder wie ein Gast, der nie weg war."

Bei der Dorfbevölkerung steht nach wie vor der zünftige Frühschoppen am Sonntagmorgen hoch im Kurs. "Der lebhafteste Tag ist der Kirmesmontag im Juli", berichtet Klein.

Dann erhebt die Delegation der Gambrinus-Bruderschaft erneut das Glas. "Jedes gezapfte Bier hat ein tolles Krönchen", schwärmt Weingärtner. Den Trinkspruch widmen die Herren der geehrten Wirtin - kurz und bündig: Prost!