1. Saarland

Franz Rudolf Klos vom Fotoclub Tele Freisen: Der Saarländer, der mit der Kamera Bilder malt

Porträt der Woche : Der Saarländer, der mit der Kamera Bilder malt

Franz Rudolf Klos gründete mit zwei Freunden vor knapp 48 Jahren den erfolgreichen Fotoclub Tele Freisen, der heute mehr als 220 Mitglieder hat.

Ein Foto ist ein Foto ist ein Foto. Ein Gemälde ist ein Gemälde ist ein Gemälde. Nein, nicht immer ist das mit aller Eindeutigkeit zu sagen. Gelegentlich unterliegt der Betrachter auch einer optischen Täuschung. Und staunt nicht schlecht. Fotorealistische Kunst, von Malern wie beispielsweise Robert Cottingham, Robert Gniewek, Pedro Campos oder Robert Bechtle zeigen auf atemberaubende Weise, wie die Grenzen von Malerei und Fotografie verschwimmen, sich gleichsam aufheben: Das Trugbild eines Fotos, das ein Gemälde ist. Umgekehrt reizt das künstlerische Verwirrspiel auch Fotografen: Jener Blick durch die Kamera, der am Ende Fotos entstehen lässt, wie mit Pinsel oder Stift gemalt.

Franz Rudolf Klos, der bis zum Oktober vergangenen Jahres 47 Jahre lang Vorsitzender des Fotoclubs Tele Freisen war, ist so ein Grenzüberschreiter. Einer, der häufig übers bodenständig Fotografische hinauszugehen versucht: drei Fahrzeuge mit markanter Farbgebung – rot, gelb, grün. Ihre Konturen wie mit einem Pinsel verwischt. Auch die Scheinwerfer, die sich wie Gestirne im regennassen grauen Asphalt spiegeln. Ein Foto, das Klos durch die Windschutzscheibe eines Reisebusses fotografierte. Eine andere Aufnahme zeigt den Kopf einer Frau im Spiegel – ähnlich einer Kaltnadelradierung.

Zu Klos’ Repertoire gehören überdies Fotos, die die Dynamik der Bewegung – etwa im Sport – abbilden, oder scharf konturierte  Architektur, geometrische Perspektiven, die ins Unendliche zu schnellen scheinen: Klos spricht oft von der besonderen Bedeutung der Tiefe. In Schwarz-Weiß wird sie besonders augenfällig, ein Grund vielleicht, warum ihn diese Art des Fotografierens nach so vielen Jahren Bild-Arbeit noch immer besonders reizt. Und noch immer kommt er nach Möglichkeit ohne Fotoshop-Bearbeitung aus. Auch wenn er eingesteht, dass er die digitalen Welten, die der Fotografie heute zur Verfügung stehen, durchaus zu schätzen weiß.

Bei den Motiven sind die Vorlieben des 64-Jährigen nicht leicht auszumachen. Er selbst denkt auch nicht lange über eine Antwort nach: „Ich bin ein Allrounder“ sagt er, „ich gehe aber mit offenen Augen durch die Welt.“ Ein eher unspezifisches Bekenntnis – zunächst. Tiefe, Farben, Licht und auf gar keinen Fall das „große Ganze“ wären zuvorderst Kriterien, die es nach Klos zu beachten gilt, soll ein Foto gelingen. Und vor allem Geduld, um im richtigen Augenblick auf den Auslöser zu drücken: „Ich vergleiche den Fotografen immer mit einem Angler, der oft lange darauf warten muss, bis ein Fisch anbeißt.“ Den Allrounder, so stellt sich indes heraus, treibt dann doch ein spezielles Thema um, und das immerhin schon seit einigen Jahren – durch jüngste Diskussionen und Nachrichten jedoch einmal mehr ins Bewusstsein gerückt: Es ist die Umwelt-Fotografie, die er allerdings nicht politisch, schon gar nicht belehrend versteht. „Mein Anliegen ist es aber, Denkanstöße zu geben.“ Mit dem Foto einer blauen Limousine in voller Fahrt etwa, aus deren Fenster sich ein Beifahrer gerade seiner Plastik-Abfälle entledigt –  dort, wo jenseits der Grasnabe schon Verpackungsmüll einer einschlägigen Burgerkette liegt. Ein plakatives Foto fürwahr, doch ist es nicht gelegentlich auch geboten, den Betrachter mit der Nase auf solche Umwelt-Schweinereien zu stoßen?

Andererseits geht Klos auch die Komplexität dieses Themas nicht aus dem Kopf: Eine Reise nach Indonesien vor fünf Jahren machte ihm das bewusst. Dort, wo „Leute wirklich von heute auf morgen leben.“, wie er sagt. „Herzliche Menschen“ in einem Land, wo die Bevölkerungzahl zu explodieren scheint und wo die Sorge der Menschen eher der Beschaffung des Nötigsten für den Tag gilt als der Frage nach dem Überleben der Erde. Dies vor Augen lässt den 64-Jährigen angesichts deutsch-europäischer Klima-Aktionen und Gesetzesinitiativen zu dem Schluss kommen: „Es gibt nur eine Chance für das Überleben dieses  Planeten, und das ist wirklich weltweites Handeln.“

Es fällt schwer, auch angesichts des immensen Zeitaufwandes, Klos lediglich als Hobbyfotografen zu bezeichnen, auch wenn er dies im strengen Sinne ist. Als Mitarbeiter der St. Wendeler Agentur Bonenberger fotografierte er unter anderem auch immer wieder für die Saarbrücker Zeitung.

Die Faszination Fotografie jedenfalls ließ den gebürtigen Freisener, der mit seiner Frau Elisabeth heute in Namborn-Furschweiler lebt, seit seiner Ausbildungszeit als Mechaniker bei der BASF in Ludwigshafen nicht mehr los. Dort hatte er als damals 16-Jähriger erstmals Gelegenheit, sich in einem Fotolabor umzusehen. Das ermutigte ihn, mit zwei Freunden 1972 den Fotoclub Tele Freisen zu gründen, einen von heute rund 15 zumeist erfolgreichen Fotoclubs im Saarland.

Später wurde Klos Beamter bei der Post, ging allerdings frühzeitig, im Jahr 2000, in den Ruhestand. Fortan konnte sich der Vater zweier heute erwachsener Kinder noch intensiver Fotografie und Verein widmen. „Vor allem aber bin ich ein Vereinsmensch“, gesteht der großgewachsene Mann. Was ihn antreibt, ist die Ausbildung von Menschen im Umgang mit der Kamera. Unbedingt gehöre dazu auch die Bildkritik: Man selbst ist ja manchmal von einem Motiv emotional so beindruckt, dass man die Störfaktoren gar nicht wahrnimmt und Fehler macht.“ Klos selbst lernte das fotografische Handwerk unter anderem „in Kursen von Robert Häusser in Heidelberg, einem Altmeister der Fotografie“.

Der Fotoclub Tele Freisen ist, wie Klos sagt, mit 225 bis 250 Mitgliedern einer der größten und erfolgreichsten Amateur-Fotoclubs in Deutschland: Dreimal hat Freisen in den vergangenen zehn Jahren die deutsche Fotomeisterschaft errungen, sieben Mal die süddeutsche Fotomeisterschaft. Club-Partnerschaften unterhalten die Freisener unter anderem mit Fotofreunden im irischen Fingal County bei Dublin und dem elsässischen Ort Mutzig.

Klos selbst hat im sich im Laufe der Jahre quasi bis zum Olymp der Amateur-Fotografie hinauffotografiert und wurde dafür mit zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen bedacht. Unter anderem errang er den Titel Exzellenter Künstler (EFIAP), die zweithöchste Auszeichnung, die ein Amateurfotograf international bekommen kann. Seit acht Jahren ist er im Bundesvorstand des Deutschen Verbands für Fotografie bundesweit als Wettbewerbsbeauftragter tätig. Dafür muss er Zehntausende von Fotos begutachten.

Immer mit der Kamera unterwegs: Franz Rudolf Klos aus Namborn-Fruschweiler, Mitbegründer des Fotoclubs Tele Freisen. Foto: Iris Maria Maurer
„Im Spiegel“ heißt dieses Foto von Franz Rudolf Klos, das an eine Kaltnadelradierung erinnert. Foto: Klos

Wann aber ist ein Bild wirklich von hoher Qualität? Und wann sticht es für Klos aus der gigantischen Masse heraus? „Wenn man länger als drei, vier Sekunden daran hängenbleibt –und wenn es einem im Kopf bleibt.“