1. Saarland

Fragen und Antworten zur Spielsucht

SZ-Serie Telefonaktion : Ab wann wird Spiel zur Sucht?

Zahlreiche Fragen erreichten die Expertinnen bei der SZ-Telefonaktion zur Glücksspielsucht. Wir zeigen einen Überblick.

Glücksspielsucht kann ganze Familien in den finanziellen Ruin treiben. Unsere Telefonaktion beschäftigte sich genau mit diesem Thema. Kompetente Gesprächspartnerinnen waren die Beraterinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Dorothee Köpsell und Beate Kübler-Blümel. Hier eine Übersicht über einige der drängenden Fragen und die Antworten:

Ich zocke ab und zu, will aber vermeiden, dass es zu oft wird. Bei welchen Spielen kann sich am schnellsten eine Sucht entwickeln?

KÜBLER-BLÜMEL Bei Glücksspielen, die eine rasche Spielfolge und kurze Auszahlungsintervalle haben. Hier geht die Übersicht über Gewinne und Verluste schnell verloren. Man wird dazu verleitet, mehr und mit größerem Einsatz zu spielen. Auch häufige Fast-Gewinne sowie starke Ton- und Lichteffekte erhöhen das Suchtpotenzial.

Unser Sohn hat sich jetzt endlich durchgerungen, mit dem Zocken aufzuhören. Da wir auf dem Dorf wohnen, kommt eine Beratungsstelle nicht infrage. Gibt es Beratung im Internet?

KÖPSELL Ja, die Online-Beratung von BZgA-Experten und das qualitätsgesicherte Online-Beratungs-Programm „Check out“ zum Ausstieg aus der Sucht.

Der Sohn meiner Freundin verspielt extrem viel Geld. Das macht ihr sehr zu schaffen. Wie kann ich ihr helfen?

KÖPSELL Sie helfen Ihrer Freundin bestimmt schon, wenn Sie verständnisvoll zuhören. Darüber hinaus können Sie ihr raten, sich professionelle Hilfe bei einer Suchtberatungsstelle zu holen.

Mein Bruder zockt im Netz und hat schon viel verloren. Sind diese Online-Spiele nicht verboten?

KÜBLER-BLÜMEL Die Teilnahme an Glücksspielen im Internet ist laut dem aktuellen Glücksspielstaatsvertrag in allen Bundesländern, außer in Schleswig-Holstein, verboten. Durch einen neuen Glücksspielstaatsvertrag sollen in Deutschland ab Juli 2021 viele Online-Glücksspiele freigegeben werden. Diese Spiele besitzen ein besonders hohes Suchtpotential, weil sie jederzeit verfügbar sind, in kurzer Zeit häufig gespielt werden können und weil man das Spielen vor den Mitmenschen gut verheimlichen kann. Vielleicht können Sie mit Ihrem Bruder darüber ins Gespräch kommen?

Ich habe schon versucht, mit meinem Bruder über seine Spielsucht zu reden. Aber er ließ mich stehen.

KÖPSELL Versuchen Sie es noch einmal. Sprechen Sie über Ihre Sorgen um ihn. Reden Sie ruhig, aber bestimmt und ohne Vorwürfe. Vielleicht gelingt es Ihnen, Ihren Bruder zu motivieren, sich helfen zu lassen.

Seit ich auf Kurzarbeit bin, treffe ich mich fast jeden Tag mit Kumpels in der Spielhalle. Ab wann beginnt die Glücksspielsucht?

KÜBLER-BLÜMEL In schwierigen Zeiten kann sich, oft schleichend, ein Suchtverhalten entwickeln. Ob das auf Sie zutrifft, lässt sich nur in einem persönlichen Gespräch mit professionellen Suchtberatern klären. Ein erster Anhaltspunkt kann sich durch den Online-Selbsttest ergeben.

Muss ich eine Therapie gegen Spielsucht bezahlen?

KÖPSELL Nein. Sie wird von den Rentenversicherungsträgern bzw. den Krankenkassen finanziert. Erwerbstätige Personen beziehen außerdem für die Zeit ihrer stationären Therapie in der Regel Übergangsgeld. Auch berufliche Wiedereingliederungsmaßnahmen und Umschulungen können finanziert werden.

Ich verdiene nicht schlecht. Doch ich schaffe es kaum, meine Miete zu bezahlen. Alles Geld steckt in den Automaten. Was kann ich tun?

KÜBLER-BLÜMEL Suchen Sie sich schnellstmöglich professionelle Hilfe bei einer Suchtberatungsstelle. Was das Geld betrifft: Lassen Sie Miete, Telefongebühren und dergleichen sofort nach Gehaltseingang per Dauerauftrag von Ihrem Konto abbuchen. Sie können auch das Haushaltsgeld und Ihre EC- und Kreditkarte von einer Person Ihres Vertrauens verwalten lassen oder sie kündigen. Nehmen Sie nie mehr Bargeld als nötig mit. Suchen Sie sich ein interessantes Hobby. Schreiben Sie sich einen Wochenplan, der Ihnen möglichst wenig „Leerräume“ lässt.

Telefonberatung zur Glücksspielsucht: (08 00) 1 37 27 00 (Mo.-Do. 10-22 Uhr, Fr.-So. 10-18 Uhr).

www.check-dein-spiel.de

www.spielen-mit-verantwortung.de

www.bzga.de/infomaterialien