Bildung: Förderschul-Leiter verärgert über Aussagen Commerçons

Bildung : Förderschul-Leiter verärgert über Aussagen Commerçons

Die Schulleiter der vier saarländischen Förderschulen für soziale Entwicklung sind verärgert über Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD).

Dieser hatte im „Aktuellen Bericht“ des SR-Fernsehens vom 23. Januar wörtlich gesagt: „Ich hatte letztes Jahr ein Gespräch mit den Schulleitern der E-Schulen, also der Förderschulen, die sich um diese Kinder kümmern. Die sagen, sie sind überfordert und wissen teilweise nicht, was sie mit diesen Kindern anstellen sollen.“

In einem Brief an den Minister, der der SZ vorliegt, widersprechen die vier Schulleiter, die sich in der Arbeitsgemeinschaft der Förderschulen zusammengeschlossen haben, dieser Darstellung vehement: „Keiner von uns kann sich erinnern, dass dieses Gespräch stattgefunden hat“, schreiben Thomas Fey (Wingertschule St. Wendel), Agens Schaadt-Lentes (Pallotti-Schule, Neunkirchen), Michael Schneider (Förderschule Von-der-Heydt) und Markus Schöpp (Johann-Hinrich-Wichern-Schule, Saarlouis). Weiter heißt es: „Verärgert sind wir über die Worte der vermeintlichen Überforderung, die Sie uns in den Mund gelegt haben.“ Die Lehrer an ihren Schulen leisteten täglich, mit großem persönlichen Einsatz und hoher Sachkompetenz hervorragende Arbeit. Hierbei erzielten sie gute Fortschritte in der Erziehung und Bildung schwierigster, häufig psychisch kranker oder traumatisierter Kinder, „die trotz aller Fördermaßnahmen im Regelschulbereich nicht tragbar sind und häufig nach vielen Schulwechseln aus dem Regelschulsystem ausgeschlossen wurden“. „Bisher war Überforderung kein Thema für uns, über das wir uns Sorgen machen müssten“, schreiben die Schulleiter. Sie laden den Minister ein, ihre Schulen zu besuchen, um sich ein Bild von der hervorragenden Stimmung in den Kollegien und der Freude an der Arbeit mit sozial emotional bedürftigen Kindern und Jugendlichen ein Bild zu machen.

Darüber hinaus stören sich die Pädagogen an einer weiteren Formulierung Commerçons, der im Interview davon sprach, dass man sozial-emotional beeinträchtigte Schüler „nicht gleich an die Förderschule ausschulen“ solle. „In dieser Formulierung sehen wir eine unerträgliche Abwertung der Förderschule soziale Entwicklung“, schreiben die Lehrer und betonen, dass die Schüler von Regelschulen an Förderschulen umgeschult würden.

Die Mehrzahl ihrer Schüler entwickle sich an den Förderschulen positiv. Für einen kleinen Teil müsse jedoch immer wieder nach individuellen Lösungen gesucht werden, um sie adäquat zu fördern. „Dies führt leider nicht bei jedem Schüler zum gewünschten Erfolg, sodass auch in Einzelfällen weitere intensive Maßnahmen dringend notwendig sind.“ Aber dafür sei weder die personelle noch sachliche Ausstattung der Förderschulen ausreichend. „Bitte legen Sie uns in Zukunft keine Aussagen mehr in den Mund, die wir nicht geäußert haben. Die von ihnen im Aktuellen Bericht getroffenen entsprechen nicht der Wahrheit“, heißt es, verbunden mit dem Appell, der Minister möge die „inhaltlich und faktisch falschen Äußerungen“ öffentlich richtig stellen.

„Dieser Brief war nicht dafür bestimmt, den internen Kreis zu verlassen“, betonen die Schulleiter Michael Schneider und Agnes Schaadt-Lentes auf SZ-Anfrage. Es sei den Verfassern in erster Linie darum gegangen, ihre Kollegien zu schützen. „Der Bericht ist von vielen Menschen gesehen worden und der Minister wird ernst genommen. Wir bekommen viele Fragen von Regelschulen, an denen wir die Lehrer beraten und von Trägern der Jugendhilfe“, sagt Schneider. Daher hoffe man auf eine Klarstellung. Den Brief habe man am 26. Januar versandt, am 29. Januar habe Commercon die Lehrer beim Schulleiterempfang daraufhin angesprochen. Es sei ein persönliches Gespräch für den 22. Februar vereinbart worden. „Danach wollen wir entscheiden, wie wir mit dieser Sache weiter umgehen“, sagt Schneider. Der Minister habe ihnen zugesagt, sich das Interview noch einmal anzusehen. „Er hat klargestellt, wenn er das Wort ‚ausschulen’ so gesagt hat, sei dies nicht seine Wortwahl“, sagt Schneider.

Das Ministerium bestätigt auf SZ-Anfrage den Eingang des Briefes sowie das erste Gespräch beim Schulleiterempfang, dem ein weiteres folgen soll. Inhaltlich möchte sich das Ministerium nicht äußern, da es sich um eine interne Angelegenheit handele. Schüler mit sozial-emotionaler Beeinträchtigung waren in der Debatte um Hilferufe mehrerer Gemeinschaftsschulen in den Fokus geraten.

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