Fluglinie Flybmi stellt die Verbindungen ein

Keine Flüge mehr nach München : Fluglinie Flybmi stellt die Verbindungen ein

Die englische Gesellschaft British Midlands Regional meldet wegen Brexit-Unsicherheit Insolvenz an. Betroffen ist auch die Flugverbindung zwischen Saarbrücken und München.

Hohe Kerosinpreise, die Belastung durch CO2-Emissionszertifikate, aber vor allem die Unsicherheiten durch den bevorstehenden Brexit, es seien gleich mehrere Gründe gewesen, warum sie habe Insolvenz anmelden müssen, teilte die britische Regional-Fluggesellschaft British Midland Regional Ltd (bmi) am Wochenende mit. Sie betreibt die Fluglinie ­Flybmi­, die unter anderem seit Ende 2017 die Strecke Saarbrücken-München vom Flughafen Ensheim aus bedient hat. Infolge der Insolvenz würden alle Flüge mit sofortiger Wirkung gestrichen, teilte bmi am Samstagabend mit. Die Gesellschaft hat mit 17 Maschinen Flüge zu mehr als 20 europäischen Zielen angeboten.

Den saarländischen Flughafen Ensheim hat die Insolvenz kalt erwischt: „Wir haben davon nichts geahnt“, sagte gestern Flughafensprecher Ludwin Vogel. Er habe aber den Eindruck, dass das Management der Fluggesellschaft von der Nachricht selber überrascht war. Das sei wohl eine sehr kurzfristige Entwicklung gewesen.

Reisende, die bmi-Flüge gebucht haben, seien alle benachrichtigt worden. Der Flughafen selbst sei am Wochenende allerdings nicht in der Lage gewesen, einen Hinweis auf der Internet-Seite zu platzieren, sagte Vogel. Allerdings sei auch nicht der Flughafen Ansprechpartner, sondern bmi selbst. „Die Transportpflicht liegt bei der Airline, nicht beim Flughafen“, sagte Vogel. Man verweise Reisende deshalb an das Unternehmen.

Für Ensheim sei der Wegfall der München-Verbindung allerdings sehr bitter. Diese habe sich zuletzt sehr gut entwickelt. Nun gelte es, einen neuen Regionalfluganbieter zu finden, der bereit ist, die Strecke zu fliegen. „Das wird aber nicht einfach“, sagte Vogel angesichts der sinkenden Zahl an Regionalfluglinien.

In Deutschland sind neben Saarbrücken auch Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf, München, Nürnberg und Rostock-Laage betroffen. Vor allem für den Airport in Mecklenburg-Vorpommern sind die Folgen hart: Nach der Insolvenz von Germania waren Flybmi-Flüge nach München dort die letzten Verbindungen. Die Airline absolvierte im vergangenen Jahr 29 000 Flüge mit 522 000 Passagieren. Insgesamt beschäftigt sie 376 Mitarbeiter in Großbritannien, Deutschland, Schweden und Belgien.

Vor allem der für Ende März geplante Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sei am Ende ein kritischer Faktor gewesen, teilte die Gesellschaft mit. Die andauernde Unsicherheit habe dazu geführt, dass der Airline wertvolle Verträge entgangen seien. Auch sei nicht geklärt, ob bmi auch nach Ende März noch Ziele in Europa werde anfliegen können. „Angesichts dieser Hintergründe ist es den Anteilseignern der Airline unmöglich geworden, die Finanzierung der Fluglinie aufrecht zu erhalten“, hieß es in der Mitteilung. Bereits in den vergangenen Jahren hätten sie über 40 Millionen Pfund in das Unternehmen investiert.

Viele Passagiere wurden von der Einstellung der Flüge überrascht. Durch die plötzliche Entscheidung sind Hunderte Passagiere gestrandet. Das Unternehmen riet ihnen, sich ihre Ticketkosten von Kreditkartenunternehmen, Reisebüros und Reisekostenversicherungen zurückzuholen.

Saar-Politiker fordern nun schnelle Lösungen für die Verbindung von Saarbrücken nach München. Grünen-Landeschef Markus Tressel favorisiert nach dem wiederholten Aus der Flug-Verbindung eine ICE-Direktverbindung zwischen München und Saarbrücken. Die Bahn biete sich als Ersatzlösung nahezu an, sagte er gestern. Auch FDP-Politiker Oliver Luksic fordert eine bessere Bahnverbindung nach München. Gleichzeitig mahnt Luksic Gespräche der Landesregierung mit weiteren Airlines an. „Der kleine Flughafen Saarbrücken braucht, um attraktiv zu bleiben, verschiedene Airlines und Flugverbindungen.“ Linken-Politiker Thomas Lutze fordert ebenfalls, schnell eine Nachfolge für die weggebrochene Verbindung zu finden.

(dpa)