1. Saarland

Flotte Sprüche um die Sparschäler

Flotte Sprüche um die Sparschäler

Mit einem Jahrmarkt im Pfarrgarten endete die Völklinger Herbstkirmes bei strahlend blauem Himmel. So kunstvoll geschnitztes Gemüse, exotische Gewürze und einmalige Berschmonnsguddsja erhält man nur an dieser Stelle.

Völklingen. "So schnell, wie ich hier die Zwiebel in Ringe schneide, kannst du gar nicht weinen." Karl-Günther Düsterwald findet immer den rechten Ton, wenn er seinen Sparschäler anpreist. 73 Jahre jung ist der Mann und seit vier Jahrzehnten auf Märkten unterwegs. Er trägt schwarzen Hut, rizzerote Schürze, schneeweißes Barthaar und zerlegt eine knollige Belana-Kartoffel im Hastenichtgesehen in eine perfekte Girlande: "Die kannste dem Erbonkel zum Schnitzel frittieren. Das zahlt sich aus." Düsterwald hobelt Käse hauchdünn, dass man die Zeitung durch lesen kann: "Für die verfressene Verwandtschaft. Für dich selbst legste zwei Scheiben übereinander, dann haste was zum Knabbern."Jahrmarkt ist. Sparschäler verkaufen sich prima, wie man sieht. Auch bei Robert Kutscher: Kutscher kommt aus dem Bayrischen, ist zum erstem Mal in Völklingen, und schlägt für seinen Multihobel eine andere Verkaufsstrategie als Düsterwald an, leiser, eindringlicher, funktioniert aber: "Das Geschäft läuft prima an."

Händler wie Winfried Seiler (Fachgebiet Tücher, Schwämme und Staubsauger-Zubehör), Susanne Zeitz-Hoffmann vom Gewürzparadies besuchen rund 250 Jahrmärkte pro Jahr, bei jedem Wetter. Bei Herrgottswetter, wie gestern, läufts runder - das geben die Beiden gerne zu. Ob schwarz-durchsichtige Unterwäsche der Marke "Paris bei Nacht", Fleckentferner, Pferdesalbe für beinahe jedes Zipperlein, Grußkarten im Zehnerpack, Schneid- oder Bürstenwaren, Schwarzwälder Schinken, italienischer Hartkäse - fast alles wird hier zum Selbstläufer. Zeljko Tomac verkauft praktische Nadeleinfädler, seit nunmehr 50 Jahren: "Hab das Geschäft von einem Blinden übernommen. Mit diesem Gerät brauchen Sie in der Tat keine Brille mehr."

Hüte gibt's, in allen Formen und Farben. Gummibärchen freuen sich auf Kunden. Socken gibt's, so viele, dass sie, zusammengeknotet, schätzungsweise von Völklingen bis Dänemark reichen würden. Adolf Herth, normalerweise Herold bei den Doll Doll-Faasebooze in Großrosseln, stöbert mit seiner Frau Gertrud wie viele über den gestrigen Jahrmarkt und resümiert: "Hier im Pfarrgarten ist die Sache viel schöner als vorher auf der Straße. Man ist aus dem Autoverkehr raus, und selbst das Gedränge hat Charme." "Unn hinnaher gehnma äänen schnappe", ergänzt Jupp Mailänder, ein weiterer Jahrmarktgast auf der (erfolgreichen) Suche nach dem ganz besonderen Flair dieser seltenen, aber lieb gewordenen Veranstaltung.