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Flink bleiben für die Verbrecherjagd

Flink bleiben für die Verbrecherjagd

Saarbrücken. 1100 junge Leute haben kürzlich für die 115 Ausbildungsstellen vorgesprochen, die im Vollzugsdienst der saarländischen Polizei zu besetzen sind. Etwa 350 von ihnen können sich die Laufbahn als Kommissar schon deshalb aus dem Kopf schlagen, weil sie beim Sporttest durchfielen, und zwar überwiegend nicht knapp, sondern mit Karacho

Saarbrücken. 1100 junge Leute haben kürzlich für die 115 Ausbildungsstellen vorgesprochen, die im Vollzugsdienst der saarländischen Polizei zu besetzen sind. Etwa 350 von ihnen können sich die Laufbahn als Kommissar schon deshalb aus dem Kopf schlagen, weil sie beim Sporttest durchfielen, und zwar überwiegend nicht knapp, sondern mit Karacho. Prüfer Roland Kröger, Sportlehrer an der Fachhochschule (FH) für Verwaltung in Dudweiler, hält dieses Ergebnis für "erschreckend", zumal die Kandidaten bei der Bewerbung wussten, was auf sie zukommt und sehenden Auges in ihre Sportprüfungs-Katastrophe rasselten.

Dass darunter manch kluger Kopf sein mag, dessen strategisches Denken der Polizei gut angestanden hätte, lässt Hans-Peter Schäfer, Leiter des Bereiches Ausbildung an der FH ziemlich kalt: Die Prüfung sei sozusagen ein Charaktertest, wie stark der Wunsch eines Bewerbers sei, in die Polizei einzutreten. Wer dies wirklich wolle, der trainiere hart für die Prüfung und bestehe auch. Wie Kröger verrät, gilt der Test der saarländischen (und der Bremer) Polizei unter den Anwärtern, die sich darüber in Internetforen austauschen, als anspruchsvollster in Deutschland.

Die saarländische Polizeiführung spricht gern über ihre Anstrengungen, die Bedeutung des Dienstsportes zu festigen und auszubauen, wiewohl sie keine allgemeine Aussage darüber treffen mag, wie fit die Polizei alles in allem ist. Insider mutmaßen, sie sei fitter als früher und fitter als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Der Beruf des Polizisten im Vollzugsdienst stelle besondere Anforderungen, so dass beim Beamten ein überdurchschnittliches körperliches Leistungsvermögen vorauszusetzen sei, heißt es beim Innenministerium unter Hinweis auf das Beamtenrecht ("Hingabepflicht"). Sport ist verpflichtendes Studienfach, und ehe die Absolventen nach drei Jahren auf die Dienststellen verteilt werden, müssen sie eine weitere Sportprüfung bestehen. Neulich wurde ein junger Mann aus der Organisation verwiesen, weil er den 5-Kilometer-Lauf nicht in 23 Minuten schaffte. Aber das war ein Einzelfall.

Die ausgebildeten Polizisten müssen sich während des gesamten späteren Berufslebens keiner sportlichen Leistungsüberprüfung unterziehen. In einem bis heute gültigen Erlass von 1998 ist geregelt, dass jeder Polizist im Monat vier Stunden Sport während der Dienstzeit treiben kann. Zu diesem Zweck stehen eigene Sporträume zu Verfügung und werden im ganzen Land Hallen- und Bäderstunden gemietet. Die Bedingungen sind nicht paradiesisch, aber wer Sport machen will, der erhält die Gelegenheit. Die ohnehin Sportlichen nehmen die Angebote wie selbstverständlich wahr, die Unsportlichen nicht. Die saarländische Polizeisportbeauftragte Carmen Diehl befasst sich derzeit intensiv mit der Frage, ob und wie man den Dienstsport wirkungsvoller gestalten könnte. "Hardliner" schlagen vor, ihn verpflichtend einzuführen, als vielversprechender gilt ein Bonus-System, das etwa das Ablegen des Sportabzeichens mit Freizeit belohnt. steht allerdings erst am Anfang der Überlegungen. Sie will sehen, was sich in anderen Ländern bewährt.

Angesichts der Besorgnis erregenden Altersstruktur der saarländischen Vollzugspolizei wird in der Organisation für systematischen Gesundheits- und Präventionssport geworben. Fast überall vermitteln Übungsleiter Nordic Walking, Rückenschule und Aquajogging. Hier werden langsam aber sicher auch die Kollegen begeistert, die schon Jahre keinen Sport mehr trieben.

Derzeit ist bei der saarländischen Polizei allerdings nicht erkennbar, dass bei der Besetzung von Führungspositionen Sportler gegenüber Unsportlichen bevorzugt werden. Schließlich zählen neben der körperlichen Leistungsfähigkeit vor allem Fachkenntnisse, Organisationsverständnis und soziale Kompetenz zu den gefragten Eigenschaften. Im Übrigen steht die Fitness des Einzelnen immer unter dem Vorbehalt der Funktionsfähigkeit jeder Einheit. Wenn der Einsatz auf der Straße ansteht, muss das Training ausfallen.

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