Finanzskandal: Gericht soll Geldauflagen gegen Ex-Präsidium zustimmen

Kostenpflichtiger Inhalt: Finanzsskandal : Staatsanwalt bittet LSVS-Präsidium zur Kasse

Gericht soll Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 30 000 bis 60 000 Euro je früherem Präsidumsmitglied absegnen.

Im millionenschweren Finanzskandal beim Landessportverband (LSVS) will der ermittelnde Oberstaatsanwalt Eckhard Uthe die Akten im Verfahren wegen Haushaltsuntreue gegen die Mitglieder des früheren Präsidiums schließen, wenn dafür Geld in die Staatskasse fließt. Insgesamt 360 000 Euro. Beim Landgericht hat er die erforderliche Zustimmung zur Verfahrenseinstellung nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung beantragt. Diese Informationen unserer Zeitung bestätigte eine Gerichtssprecherin am Freitag auf Anfrage. Zuständig ist die zweite Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Christiane Schmitt. Wie es heißt, sei mit einer Entscheidung nicht vor Ende nächster Woche zu rechnen.

Das LSVS-Präsidium, bestehend aus Klaus Meiser, Eugen Roth und Franz Josef Schumann (von links), muss erneut in die Landeskasse zahlen. Foto: Andreas Schlichter

Diese Wirtschaftsstrafkammer hat bereits im März den früheren Landtags- und LSVS-Präsidenten Klaus Meiser (CDU) wegen Vorteilsgewährung und Untreue zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten verurteilt. Damals musste Meiser als Bewährungsauflage 60 000 Euro an die Staatskasse überweisen. Ex-Vizepräsident Franz Josef Schumann und das Präsidiumsmitglied Karin Nonnweiler wurden in dem Prozess zu Geldstrafen (90 Tagessätze) von insgesamt 22 500 Euro und 9000 Euro verurteilt. Sie hatten zuvor Strafbefehle abgelehnt.

Jetzt bittet der Oberstaatsanwalt die Präsidiumsmitglieder erneut zur Kasse. Nach Gerichtsangaben sind alle Beschuldigten mit der Einstellung gegen Zahlung von Geldauflagen einverstanden. Diese Zustimmungen lagen bei einem früheren Antrag der Staatsanwaltschaft an das Gericht noch nicht vor, weshalb die Akten im Mai von dort wieder zurückgeschickt wurden.

Demnach ist Ex-Präsident Meiser jetzt bereit, weitere 60 000 Euro an die Staatskasse zu überweisen. Von Ex-Vizepräsident Franz Josef Schumann will der LSVS-Chefermittler 50 000 Euro. Die gleiche Summe wird von Handball-Präsident und SPD-Vizefraktionschef Eugen Roth gefordert. Ebenfalls 50 000 Euro soll der Polizeibeamte und Sportjugend-Vertreter Udo Genetsch in die Landeskasse zahlen. Ihm wurde auch zum Vorwurf gemacht, dass er sich im Präsidium für eine Gehaltserhöhung seiner beim LSVS beschäftigten Lebensgefährtin stark gemacht hatte.

Von dem früheren Vizepräsidenten Franz Josef Kiefer erwartet die Staatsanwaltschaft 40 000 Euro, ebenso von Lothar Altmeyer (Leichtathletik) und Karin Nonnweiler (Judo). Andrea Pielen Günther vom Kneipp-Bund soll 30 000 Euro zahlen.Die hohen Summen werden wohl mit den Feststellungen des von der Staatsanwaltschaft eingeschalteten Sachverständigen begründet. Der hat in seiner 629 103,44 Euro teuren Expertise unter anderem festgehalten, dass das damalige Präsidium für einen Refinanzierungsschaden in Höhe von etwa 2,5 Millionen Euro in der Verantwortung stehe. Hintergrund ist hier eine Vorfälligkeitsentschädigung an eine Bank. Weil ein höheres Darlehen 2017 benötigt wurde, war ein anderer Millionen-Kredit vorzeitig abgelöst worden

Zu erwarten ist, dass auch die Ermittlungen gegen den früheren LSVS-Hauptgeschäftsführer Paul Hans eingestellt werden, möglicherweise ebenfalls gegen eine Geldauflage.

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