1. Saarland

Feuersbrünste und Umbauten

Feuersbrünste und Umbauten

St. Wendel. Es wurde still im historischen Weinkeller als der Historiker Roland Geiger mit seinem Vortrag begann. "Genau dort wo wir uns befinden war einmal die Krypta der Kapelle", erläuterte Geiger eingangs. Ein paar Meter weiter entfernt, im heutigen Innenhof, befand sich der ehemalige Friedhof der Maria-Magdalena-Kapelle

St. Wendel. Es wurde still im historischen Weinkeller als der Historiker Roland Geiger mit seinem Vortrag begann. "Genau dort wo wir uns befinden war einmal die Krypta der Kapelle", erläuterte Geiger eingangs. Ein paar Meter weiter entfernt, im heutigen Innenhof, befand sich der ehemalige Friedhof der Maria-Magdalena-Kapelle. "Bei Grabungen um 1960 ist man dort auf menschliche Gebeine gestoßen", erzählte Geiger.Am 23. September im Jahre 1318 wurde die Kapelle erstmals urkundlich erwähnt. "Ich persönlich halte es für unwahrscheinlich, dass der Heilige Wendelinus hier in der Kapelle ursprünglich sein Grab hatte, sonst wäre sie wohl Wendelinus-Kapelle genannt worden", meinte Geiger. Im Laufe der Jahre hat das Bauwerk des Öfteren sein Aussehen verändert. 1515 geschah eine Zäsur, als im Pfarrhof ein Feuer ausbrach und auch die Kirche heimsuchte und verwüstete. Ein weiterer Brand ereignete sich im Jahre 1589. "Dann kommen die Franzosen, und alles wird anders", schlug der Referent ein neues Kapitel auf. Im Jahre 1795 wurde die Glocke entfernt, und die Kapelle in ein Hafermagazin umgewandelt. Mit dem Beginn der Jahrhundertwende wurde das Gebäude als Schule genutzt. Bis zur Abtrennung des Saargebiets nach dem Versailler Vertrag ist das Finanzamt einer höheren Behörde, mit Sitz in Ottweiler unterstellt. Dann wurde es auf Kreisebene herunter gebrochen und in St. Wendel eingerichtet. Dessen neuer Sitz wurde 1921 die Magdalenenkapelle.

Im Januar 1935 kamen infolge der ersten Saarabstimmung die Nationalsozialisten ganz offiziell ins Saargebiet, und auch nach St. Wendel. Unter dem Gewerbelehrer Peter Zewen richteten sie in der ehemaligen Kapelle ihre Kreiszentrale ein, der die Hitlerjugend folgte. "Deshalb wird das Gebäude im Volksmund oft "das Braune Haus" genannt", merkte Geiger an. Im März 1945 kehrte dann das Finanzamt wieder zurück, ehe zehn Jahre später die Stadt-und Kreisbücherei einzog. In den 1970 er Jahren war das Gebäude vom Abriss bedroht. "Stadt hat kein Geld zum Ankauf des Hauses", stand als Überschrift in dem Artikel der SZ. Die Veröffentlichung wies deutlich auf die bedrohliche Situation des Gebäudes hin. Das Architektenehepaar Hanns und Liesel Schönecker aus Bliesen erwarb schließlich das Gebäude von der Kirchengemeinde und sanierte es von Grund auf. Heute wird es als Gast- und Wohnhaus genutzt. Johannes Naumann beleuchtete in seinem Vortrag die Kunstgeschichte der Maria-Magdalena-Kapelle "Der Baustil passt mitten in die Gotik und ist sehr qualitätsvoll", meinte Naumann. Es sei zu vermuten, dass in der Zeit zwischen 1280 bis 1320 an der Kirche gebaut wurde. "Das belegt ja auch die Urkunde", so Naumann. Insgesamt 40 Besucher tauchten mit den beiden Referenten am Tag des offenen Denkmals in die Geschichte ein.

Auf einen Blick

Referent Roland Geiger ist regelmäßig in St. Wendel als Nachtwächter unterwegs und erzählt Geschichten der Stadt.
Die Kapelle wird heute als Gast- und Wohnhaus genutzt. Fotos: Ver

Neben der Maria-Magdalena-Kapelle war die Burganlage und das Museum für Mode und Tracht in Nohfelden am landesweiten Tag des offenen Denkmals im Landkreis St. Wendel beteiligt. In Nohfelden, so teilte die Gemeindeverwaltung auf SZ-Anfrage mit, wurden 25 Besucher gezählt. Die geplanten Vorführungen des alten Handwerks auf der Burg konnten wegen heftiger Regenfälle nicht stattfinden. frf