1. Saarland

Feueralarm in Cattenom

Feueralarm in Cattenom

Im AKW Cattenom ist gestern ein Transformator in Brand geraten. Dunkle Rauchschwaden alarmierten die Bevölkerung. Der Betreiber EDF versichert: Es bestand keine Gefahr, das Feuer war schnell unter Kontrolle.

Schwarze Rauchschwaden über Cattenom haben gestern am frühen Nachmittag die Region kurzfristig in Schrecken versetzt. Schnell kursierten erste Fotos auf Twitter im Internet, die nur einen Schluss zuließen: Im Atomkraftwerk brennt es. Ein vorbeifahrender Autofahrer hatte die Aufnahmen online gestellt. Um 14.40 Uhr bestätigte der Betreiber des AKW, das Unternehmen Electricité de France (EDF), über Twitter: "Ein Transformator ist in Brand geraten - außerhalb des nuklearen Bereichs." Kurz danach hieß es: "Die Feuerwehr ist mit Einsatzkräften des Atomkraftwerks vor Ort."

Das saarländische Umweltministerium wurde sofort über den Zwischenfall informiert. Den Ministeriumsangaben zufolge hatte sich Block 1 des AKW nach einem Brand an einem Generator im Maschinenhaus automatisch abgeschaltet. Offenbar war Öl in Brand geraten. Die Internetseite TF1News zitierte eine Anwohnerin: "Es gab eine Explosion, danach breitete sich eine dicke schwarze Rauchwolke aus."

Alle Mitarbeiter im Nebengebäude des Maschinenhauses seien daraufhin vorsorglich in Sicherheit gebracht worden, teilte die Pressestelle von Cattenom mit. Es habe zu keinem Zeitpunkt die Gefahr eines Strahlenunfalls gegeben. Verletzt wurde den Angaben zufolge niemand, zwei Mitarbeiter erlitten jedoch einen Schock.

Der Sprecher der Feuerwehr im Département Moselle, Bertrand Zimmer, bestätigte gegenüber dem Internetportal Lor'Actu.fr den Zwischenfall. Zehn Einsatzfahrzeuge seien zwei Minuten nach der Explosion vor Ort gewesen. Den etwa 50 Feuerwehrleuten gelang es, den Strom in dem betroffenen Gebäude abzuschalten, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Kurz vor 15 Uhr war der Brand nach Angaben der Feuerwehr unter Kontrolle. Französischen Medien zufolge waren noch gestern zwei Mitarbeiter der Atomaufsicht auf dem Weg nach Cattenom, um den Zwischenfall zu untersuchen.

Bereits im Jahr 2004 hatte sich ein ähnlicher Zwischenfall in Cattenom ereignet. Damals kam es ebenfalls im nicht-nuklearen Bereich zu einem Kabelbrand, worauf sich Block 2 automatisch abschaltete.

Die politischen Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. "Cattenom ist ein für uns nicht akzeptables Risiko in der Großregion", sagte die saarländische Umweltministerin Anke Rehlinger (SPD). SPD-Generalsekretär Reinhold Jost forderte, den Reaktor dauerhaft stillzulegen. "Allein die Pannenserie in diesem Jahr ist eigentlich Grund genug, den Meiler abzuschalten." Jost verlangte von der Bundesregierung, "in dieser Sache endlich tätig zu werden".

Ähnlich äußerten sich die Grünen. Die umweltpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen und frühere Umweltministerin Simone Peter sagte: Der Zwischenfall zeige erneut, dass "Cattenom eine tickende Zeitbombe ist". In der kommenden Woche werde man sich im zuständigen Ausschuss des Landtages die Einzelheiten des Störfalls berichten lassen. Zustimmung kam aus Rheinland-Pfalz. Das Kernkraftwerk müsse sofort abgeschaltet werden, sagte Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) dem "Trierischen Volksfreund". "Der Vorfall muss lückenlos aufgeklärt werden", sagte Lewentz.

Seit Inbetriebnahme der vier Reaktoren Mitte der 80er Jahre kam es nach Angaben des saarländischen Umweltministeriums zu "über 750" Ereignissen und Zwischenfällen. 100 Ereignisse wurden nach der Bewertungsskala Ines der Internationalen Atomenergiebehörde erfasst. Die Skala reicht von null bis sieben. Ab Stufe 2 spricht man von einem "Störfall". Das kam den Angaben zufolge seit dem Jahr 2005 zwei Mal vor.