Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine des Saarlandes

Festakt in Fraulautern : „Das Saarland ist ein Kind der Kohle“

Der Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine des Saarlandes hat am Samstag in Fraulautern sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Ministerpräsident Hans (CDU) unterstrich die Bedeutung der bergmännischen Werte.

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat am Samstag beim Fest zum 50-jährigen Bestehen des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine des Saarlandes auf die bewegte Bergbaugeschichte verwiesen. „Das Saarland ist ein Kind der Kohle“, sagte Hans beim Festakt in Fraulautern, „die Berg- und Hüttenarbeiter Kinder der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert mit ihren dramatischen sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen.“ Und noch nie waren nach seinen Worten die traditionellen bergmännischen Werte wie Mut, Zuverlässigkeit, Beständigkeit und Solidarität in einer Zeit des neuerlichen industriellen Umbruchs so wichtig wie heute. Mit 23 Vereinen im Jahr 1969 gestartet, zählt der Landesverband heute mehr als 25 000 Mitglieder in 83 Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereinen – und ist damit bundesweit Spitze.

„Der Bergbau hat unser Land geprägt“, sagte der frühere Saar-Ministerpräsident und Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD). Die Spuren des Bergbaus sind nach seinen Worten im Saarland allgegenwärtig, wie nicht nur das Saarpolygon und die Halden, sondern auch viele kleine und große Relikte aus der Vergangenheit, aber auch die Dorfstrukturen und ihre Häuser zeigten. Nicht zuletzt habe der Bergbau auch die Menschen und ihren Charakter geprägt, betonte Klimmt. Gegenseitige Hilfe und Solidarität habe in der Grenzregion durchaus europäische Dimensionen entwickelt. Abschließend appellierte Klimmt an die Politik, sich auch weiterhin bei der Pflege der Bergbautradition und dem Erhalt der vielen kleinen und großen Industriedenkmäler zu engagieren, denn gerade in Zeiten der Digitalisierung und Virtualisierung müsse das konkret Anfassbare und Sichtbare gepflegt werden.

Der Saarlouiser Oberbürgermeister Peter Demmer (SPD) wertete es als gutes Zeichen und wichtiges Symbol, dass sich der Verband die europäische Identität auf seine Fahnen geschrieben habe. Nicht umsonst sei die europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl die Wurzel der heutigen EU gewesen.

Bärbel Bergerhoff-Wodopia lenkte in ihrer Funktion als Mitglied des Vorstandes der RAG-Stiftung den Blick in die Zukunft. Die Stiftung engagiere sich nicht nur bei der Finanzierung der Ewigkeitsaufgaben, sondern verstehe sich als aktiver Gestalter von Bildung, Wissenschaft und Kultur in den Bergbaugebieten. Neben ihrem Engagement bei der Pflege und Förderung des Bergbauerbes engagiere man sich in Ausbildungs-, Stipendien-, Begabtenförderung sowie in Unterstützungsprogrammen für jugendliche Flüchtlinge. Auch im Bereich der Grubenwasserhaltung stelle sich die RAG und die Stiftung ihrer Verantwortung.

Der Chef der Saar-Stahlkonzerne, Tim Hartmann, unterstrich die enge Verbindung zwischen Kohle und Stahl. „Ohne Kohle kein Stahl, ohne Stahl keine Windräder und damit auch kein Ökostrom“, sagte er und forderte faire Rahmenbedingungen für die saarländische, die deutsche und die europäische Stahlindustrie. Auch für den Bau von Wasserkraftwerken und Solarzellen benötige man Stahl und somit Kohle.

Die Glückwünsche des Bundesverbandes überbrachte Kurt Wardenga, für den die Traditionspflege kein Selbstzweck, sondern Verpflichtung ist. Vielmehr gelte es die bergmännischen Tugenden zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

IGBCE-Bezirksleiter Dietmar Geuskens verwies auf die wichtige Rolle von Kohle und Stahl für ein gemeinsames Europa und forderte dazu auf, bei der Europawahl europafeindlichen Kräften eine Absage zu erteilen.

Übereinstimmend würdigten alle Redner die besonderen Verdienste von Klaus Hiery, der dem Landesverband seit 32 Jahren als Präsident vorsteht. Für ihn ist Industriekultur kein Relikt der Vergangenheit. „Tradition ist nicht ein Traum von der guten alten Zeit, sondern ein belebender Ansporn zu neuem Schaffen und zur Fortentwicklung der Werte“, sagte Hiery. Gerade in einer Zeit revolutionärer Umbrüche ist nach seiner Meinung eine differenzierende Traditionspflege mehr gefragt denn je.

Musikalisch gestaltet wurde die Feierstunde von der Bergmannskapelle Fell unter der Leitung von Christina Marburg. Beim abschließenden Steigermarsch durfte auch der obligatorische Schnaps für jeden der zahlreichen Besucher nicht fehlen.

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