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Familiendrama von Fechingen
Angeklagter gesteht Doppelmord

Im Fechinger Mordprozess hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt.
Im Fechinger Mordprozess hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Zwei Tote und zwei Verletzte bei einer Familienfeier. Der Angeklagte äußert sich vor Gericht zur Tat. Von Katja Sponholz, dpa

Ein Mann hat vor dem Landgericht Saarbrücken gestanden, Mitte Mai seinen Sohn und seinen Schwiegersohn erschossen sowie seine Ex-Frau und schwangere Tochter durch Schüsse verletzt zu haben. Zuvor hatte der 59-Jährige sich in seiner mehr als zweistündigen Aussage am Dienstag vor allem als aufopferungsvoller Familienvater dargestellt. Er habe immer nur gearbeitet, um seiner Familie ein großes Haus, Urlaube und Autos zu ermöglichen. Zudem stellte der Berufskraftfahrer, der in einem Schrotthandel arbeitete, immer wieder seine eigene Erkrankung in den Mittelpunkt. Reue war nicht zu spüren. Die beiden Getöteten waren 35 und 37 Jahre alt.


Der 59-Jährige muss sich in jeweils zwei Fällen wegen Mordes und versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlichem unerlaubten Besitz einer Schusswaffe verantworten. Die Anklage geht davon aus, dass sich der deutsch-russische Staatsangehörige durch die Tat in Saarbrücken an seiner Familie rächen wollte. Er sei der Ansicht gewesen, ein Leben lang von diesen drangsaliert worden zu sein. „Sie sollten sterben, da er es als ungerecht empfand, weil er selber mit einer schweren, dialysepflichtigen Nierenerkrankung leben musste“, heißt es in der Anklageschrift.

Ursprünglich, so der Angeklagte, habe er vorgehabt, sich im Haus seiner Ex-Frau, wo diese gerade ihren 60. Geburtstag feierte, selbst zu erschießen. Als er durch die geöffnete Terrassentür gegangen sei, habe ihn seine Tochter (30) gesehen und darauf hingewiesen, dass er nicht hier sein dürfe. Dann sei er „explodiert“.



Der Staatsanwalt wies diese Schilderung als nicht glaubwürdig zurück. „Es ist nicht plausibel, wenn man sagt, man wolle Selbstmord begehen und hat dann zwei Magazine dabei“, so Staatsanwalt Wolfgang Lauer. Der Angeklagte bestätigte auf Nachfrage, dass er nach seiner Festnahme gegenüber der Polizei gesagt haben soll, er habe nicht gewusst, dass seine Tochter schwanger gewesen sei - sonst habe er sie später umbringen wollen.

Auf die Frage, warum er nicht von dem Haus der geschiedenen Frau wieder umgekehrt sei, antwortete der Angeklagte: „Wenn ich nichts gemacht hätte, hätte ich mich für einen Schwächling gehalten. Dann hätte ich gewusst, dass diese Erniedrigungen mir gegenüber nicht aufgehört hätten.“

Nach Ansicht der Vertreterin der Nebenklage konnte der Angeklagte durch seine Aussage am Dienstag nicht plausibel machen, was ihn dazu befähigt habe, zwei Menschen zu töten. „Für mich hat sich kein Mensch gezeigt, der verzweifelt war und den Freitod wählen wollte, sondern der gezielt hingegangen ist, um diejenigen umzubringen, die ihn besonders gekränkt haben.“ Dabei habe es sich um Banalitäten gehandelt und um nichts, was ihn so hätte erschüttern müssen, um ihn zu solch einer Tat zu bewegen. Kinder und Ehefrau hätten den Mann als Tyrannen geschildert. „Er war sehr dominant, selbstherrlich, gewalttätig gegenüber den Kindern, gnadenlos, rechthaberisch und keinen Widerspruch duldend.“

Nach Ansicht von Verteidiger Volker Ochs ist der Angeklagte verzweifelt gewesen und wollte diesen Zustand beenden. „Sein Lebenskonzept ist gescheitert, er hat sich als Versager empfunden“, sagte er.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann sollen Zeugen und Gutachter gehört werden.