1. Saarland

FDP trauert Linsler nicht nach

FDP trauert Linsler nicht nach

Saarbrücken. Die Nachricht schlug Wellen bis in die Hauptstadt

Saarbrücken. Die Nachricht schlug Wellen bis in die Hauptstadt. Und so setzte sich Andrea Nahles gestern um die Mittagszeit an den Computer und ließ ihre Anhänger via Facebook wissen, als Generalsekretärin der SPD freue sie sich über jedes neue Mitglied: "Heute allerdings war die Freude noch ein bisschen größer als sonst: Dass der Generalsekretär der Saar-FDP zu uns wechseln will, ist eine gute Nachricht."Eine gute Nachricht - das sehen auch maßgebliche Liberale so. Denn in der Spitze der Saar-FDP hält sich die Trauer über den Parteiaustritt von Generalsekretär Rüdiger Linsler in Grenzen. Der Landesvorsitzende Oliver Luksic kommentierte die Nachricht gestern trocken mit den Worten: "Reisende soll man nicht aufhalten!" Für die innerparteiliche Lage der FDP Saar sei der Austritt sogar "mittelfristig eher hilfreich". Das heißt wohl: Gut, dass er weg ist. Der Landesvorsitzende der Jungen Liberalen, Tobias Raab, legte nach und bezeichnete unter anderem den Zeitpunkt des Austritts als "Frechheit". Die Saar-FDP trifft sich am 9. Juni in Völklingen zum ersten Parteitag nach dem 1,2-Prozent-Fiasko bei der Landtagswahl. Das Treffen soll ein Neuanfang sein.

Linsler hatte am Mittwoch seinen Austritt erklärt und noch am selben Tag die Aufnahme in die SPD beantragt. Er erklärte den Schritt vor allem mit dem fehlenden sozialen Profil der FDP. Die Haltung zum Mindestlohn etwa sei "unerträglich" (die SZ berichtete). Sein Mandat im Saarbrücker Stadtrat will Linsler allerdings behalten.

Linsler stand schon seit Monaten auf dem politischen Abstellgleis. Er gehörte zur stärker sozialliberalen Gruppe um die früheren FDP-Vorsitzenden in Saarbrücken und im Saarpfalz-Kreis, Hartmut Ostermann und Peter Müller. Müller hatte die Partei schon im Februar verlassen. Als Ostermann vor Monaten den Kreisvorsitz abgab und sein Verbündeter Friedhelm Fiedler bei der Wahl des Nachfolgers scheiterte, tauchte auch Linsler - bis dahin Kreisgeschäftsführer - ab. Ostermann, so berichtet sein Umfeld, will der Partei aber treu bleiben.

Auch als FDP-Generalsekretär schienen Linslers Tage gezählt. Luksic hatte ihm schon vor Monaten klar gemacht, dass er - im Falle seiner Wiederwahl zum Vorsitzenden - Linsler nicht mehr vorschlagen werde. Beide konnten nie gut miteinander. Schon unter Luksics Vorgänger Christoph Hartmann galt Linsler als illoyal. Erst forderte er unabgestimmt den Rücktritt von Guido Westerwelle als Parteivorsitzenden, dann sprach er sich - entgegen der Parteilinie - für einen flächendeckenden Mindestlohn aus.

Linslers Nachfolgerin soll nun die Spitzenkandidatin des Landtagswahlkampfes, Nathalie Zimmer, werden. Die Saarbrücker Kommunalpolitikerin war für diesen Posten schon einmal vorgesehen: Im April 2010 hatte sie der damalige Landeschef Hartmann im Alleingang für den Posten auserkoren. Nach heftigem Streit in der Parteispitze zog Zimmer ihre Bewerbung schließlich zurück.