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Fazit der Kommunalwahl: CDU und SPD bleiben im Saarland Volksparteien

Kommunalwahl : CDU und SPD bleiben im Saarland Volksparteien

Die beiden Groko-Partner dominieren weiter alle 52 Städte- und Gemeinderäte im Land. Allerdings haben die Grünen dieses Mal mächtig aufgeholt.

Jede Stimme zählt. Das ist eigentlich eine ziemlich abgedroschene Phrase. Doch gerade bei Kommunalwahlen ist sie manchmal wörtlich zu nehmen. So etwa am Sonntag im Mandelbachtal: Hier lag die SPD laut vorläufigem Endergebnis der Gemeinderatswahl genau drei Stimmen hinter der CDU, die damit stärkste Partei bleibt. Ein Trost für die Sozialdemokraten: Sie können den Urnengang im Mandelbachtal dennoch als Erfolg verbuchen. 2014 trennten die beiden Volksparteien noch 11,8 Prozentpunkte.

Ob die CDU und vor allem die SPD überhaupt noch als „Volksparteien“ bezeichnet werden dürfen, darüber gehen die Meinungen angesichts bundesweit rapide sinkender Wahlergebnisse allerdings auseinander. Für das Saarland ist die Bezeichnung dagegen auf jeden Fall noch zutreffend, wie ein genauer Blick auf die Kommunalwahl-Ergebnisse am Wochenende zeigt. In allen 52 saarländischen Städten und Gemeinden wird auch künftig entweder die CDU oder die SPD die stärkste Fraktion im Rat stellen.

Das war es aber auch schon mit den guten Nachrichten für die beiden Volksparteien, die sowohl in Berlin als auch in Saarbrücken miteinander koalieren: CDU und SPD mussten sowohl bei den Europawahlen im Saarland als auch bei den Kommunalwahlen Verluste hinnehmen. Die CDU verschlechterte sich im Vergleich zu 2014 bei den Stadt- und Gemeinderatswahlen von 38,8 Prozent auf 35,4 Prozent. Die SPD rutschte von 36,1 Prozent auf 30,9 Prozent ab.

Foto: SZ/Müller, Astrid

Im Einzelnen verlor die CDU bei 39 von 52 Ratswahlen. Besonders heftig erwischte es die Union in Blieskastel (minus 12 Prozent), Gersheim (minus 12,9 Prozent) und Beckingen (minus 13 Prozent). Die SPD verlor sogar in 44 von 52 Städten und Gemeinden. Besonders herbe Klatschen gab es in Friedrichsthal (minus 11,1 Prozent), Homburg (minus 14,5) und Mettlach (minus 15,3 Prozent). Immerhin eroberten die Sozialdemokraten den Status der stärksten Partei in Blieskastel und Marpingen von der CDU, während die Union der SPD die Führungsrolle in Saarbrücken, Quierschied, Merchweiler, Saarlouis, Bexbach und Homburg abjagte.

Unumstrittene Wahlsieger waren am Sonntag jedoch auch im Saarland die Grünen – in einem Bundesland, das traditionell nicht gerade zu den Hochburgen der Ökopartei gehört. Und so lagen die saarländischen Wahlergebnisse der Grünen naturgemäß auch ein ganzes Stück unter den bundesweiten Zahlen: Während die Partei in ganz Deutschland auf historische 20,5 Prozent kam, waren es bei der Europawahl im Saarland „nur“ 13,2 Prozent. Damit konnten sich die Grünen allerdings in einem Bundesland mehr als verdoppeln, in dem sie derzeit nicht einmal im Landtag vertreten sind. Dazu kamen durchgehend starke Ergebnisse bei den Kommunalwahlen: In allen 44 Städten und Gemeinden, in denen die Grünen eine eigene Liste stellten, konnte die Partei zulegen: In Saarbrücken (plus 9,1 Prozent) kratzte sie sogar an der 20-Prozent-Marke. Noch größer waren die Zugewinne in Homburg (plus 11,3 Prozent). Insgesamt verbesserten sich die Grünen im Saarland von 5,6 Prozent auf 11,0 Prozent. Auch die beiden Grün-Alternativen Listen in Losheim und Weiskirchen legten zu. Dazu kamen Zugewinne für die Grünen in allen fünf Kreistagen sowie in der Saarbrücker Regionalversammlung.

Foto: SZ/Müller, Astrid

Als ein Gewinner der Kommunalwahl im Saarland darf sich – wenn auch in deutlich bescheidenerem Umfang – auch die AfD fühlen. Die Rechtspopulisten legten von 2,0 Prozent 2014 auf immerhin 5,0 Prozent zu. Allerdings stellten sie dieses Mal auch deutlich mehr Listen: Waren sie 2014 noch in zehn Städten und Gemeinden angetreten, waren es dieses Mal 24. Und außer in Püttlingen (minus 1,7 Prozent) und Eppelborn (minus 1,9 Prozent) gab es überall Zugewinne.

Die Linken verschlechterten sich bei den Stadt- und Gemeinderatswahlen von 7,3 Prozent auf 6,5 Prozent. Am besten schnitten sie in Spiesen-Elversberg (14,3 Prozent), ab. Der FDP, die insgesamt von 2,7 Prozent auf 4,0 Prozent zulegte, gelang in Lebach ein zweistelliges Ergebnis (12,2 Prozent).

Auch kommunale Wählergruppen konnten vereinzelt Erfolge erzielen: Besonders hervorzuheben ist dabei die Liste „Wir Bürger Völklingen“, die aus dem Stand 20,1 Prozent holte und damit nur knapp hinter der CDU (22,3 Prozent) lag.

Insgesamt strömten die Saarländer besonders eifrig zu den Wahlurnen: An den Stadt- und Gemeinderatswahlen nahmen 63,8 Prozent der Wahlberechtigten teil. Die Zahl lag damit um mehr als zehn Prozentpunkte höher als 2014. Die höchste Beteiligung gab es in Lebach (81,7 Prozent), Freisen (78,8 Prozent) und Gersheim (78,4 Prozent), die niedrigste in Saarbrücken (54,4 Prozent), Neunkirchen (51,5 Prozent) und Völklingen (51,1 Prozent).

Die Beteiligung an der Europawahl (66,4 Prozent) war in keinem Bundesland höher (Bundesschnitt: 61,4 Prozent). Für einen saarländischen Sitz im Europaparlament reichte es dennoch nicht.