1. Saarland

Fastnachtsorden sind Handarbeit

Fastnachtsorden sind Handarbeit

Rohrbach. Für manche kommt die Fastnacht plötzlich und unerwartet, wie Stefan Kayser von Kayserzinn immer wieder feststellt. Und er muss es wissen, schließlich ist er der "Macher" der meisten Fastnachtsorden und -pins der Region. In Stückzahlen zwischen 100 und 400 Stück bewegen sich die Bestellungen der Vereine

Rohrbach. Für manche kommt die Fastnacht plötzlich und unerwartet, wie Stefan Kayser von Kayserzinn immer wieder feststellt. Und er muss es wissen, schließlich ist er der "Macher" der meisten Fastnachtsorden und -pins der Region. In Stückzahlen zwischen 100 und 400 Stück bewegen sich die Bestellungen der Vereine. In einer Session kommt man so in der Rohrbacher Firma auf 7000 bis 8000 Stück. Und da jedes Stück mit der gleichen Sorgfalt hergestellt wird, versteht es sich von selbst, dass man sich bei Kayserzinn "schon seit Juli im Karneval befindet", um alle Aufträge zu bewerkstelligen.Obwohl jeder Einzelne der, je nach Auftragslage, vier bis acht Mitarbeiter Spaß an seinem Job hat, liegen kurz vor der fünften Jahreszeit schon mal die Nerven blank, denn da sind Termine einzuhalten, so dass die Vereine pünktlich zur Kappensitzung oder Ordensmatinee auch ihre Kunstwerke in Händen halten und überreichen können. Obwohl das Geschäft mit der Fastnacht nur rund 20 Prozent am Unsatz des Unternehmens ausmacht, legen Chefin Silke Kayser und ihr Team bei den Orden und Pins Wert auf hohe Qualität. Da ist Kreativität gefragt, und es wird schon mal um einzelne Farbnuancen "gefeilscht" .

Manche der Vereine bringen ihre eigenen Entwürfe mit, andere kommen mit Ideen, die es schnell umzusetzen gilt. Das aktuelle Lieblingsstück von Stefan Kayser ist der St. Ingberter Fastnachtspin, der in rund zehn Stunden Arbeit Gestalt annahm. Das Besondere ist die 3-D-Gestaltung und dass ein Thema aufgegriffen wurde, das wohl keinen St. Ingberter unberührt ließ. Bei der Ingo-Statue erkennt man jeden Faltenwurf, so dass aus dem Pin ohne Problem auch eine große Tafel mit der gleichen Qualität hergestellt werden könnte. "Bis der Orden am Hals oder der Pin am Revers hängt, haben wir jedes einzelne Stück wohl Dutzende mal in der Hand gehabt", so Silke Kayser. Vom Entwurf, die Programmierung am Computer, die Herstellung des Werkzeugs, den Guss, über das Entgraten, den Schliff, das Malen, Polieren und Lackieren, das Auflöten der Nadel oder Anbringen der Kordel bis hin zum Zählen und Verpacken ist alles Handarbeit. "Wir machen eben keine Stangenware", wirft Mitarbeiter Holger Bornschier ein.

Der eigene Anspruch an alles, was den von außen unscheinbaren Betrieb verlässt, ist groß. Man liebt die Herausforderung und ist mit dem nötigen Ernst und dem gewissen Schuss Humor bei der Sache. Und so was spricht sich rum. Bei Kaysers wird mit Zinn, Messing, Gold, Silber und auch viel mit Glas "geschafft". Gravuren für Geschenke und Pokale, Einzelanfertigungen in Zinn für Samsung, VW, Mercedes, Details für Parfümflacons aber auch kunstvolle Zinn-"Etiketten" für eine bekannte Schnapsbrennerei, Awards und Preise von Firmen und Verlagen wie der "Auto-Trophy 2012" der Auto-Zeitung oder Exponate für Esoterik-Anbieter - dem letzten ausgebildeten, "reinen" Zinngießermeister Deutschlands (heute gibt es die Berufsbezeichnung so nicht mehr) Stefan Kayser bringt man großes Vertrauen entgegen. Und das hat er nicht zuletzt seiner Familiengeschichte zu verdanken. Sein Urururgroßvater gründete am Niederrhein eine Zinngießerei, und Kunsthandwerk des Jugendstils aus diesem Hause findet man unter anderem sogar im New York Modern Art Museum.