Fastenzeit und kein Ende?

Fastenzeit und kein Ende?

Tag 25 der Fastenzeit - und ich faste nicht. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis werden schon die ersten Erfolge der Verzichtsvorhaben ausgetauscht. Sie sind sich einig, dass es ihnen ohne Fleisch, Süßes, Alkohol, Autofahren oder Fetthaltiges sehr viel besser geht. Und Menschen, denen es gut geht, sind stets gut gelaunt, oder? - Und ich faste nicht

Tag 25 der Fastenzeit - und ich faste nicht. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis werden schon die ersten Erfolge der Verzichtsvorhaben ausgetauscht. Sie sind sich einig, dass es ihnen ohne Fleisch, Süßes, Alkohol, Autofahren oder Fetthaltiges sehr viel besser geht. Und Menschen, denen es gut geht, sind stets gut gelaunt, oder? - Und ich faste nicht. Dabei wird einem doch das Fasten von allen Seiten erleichtert. Da kann man sich bei Kursen, Vorträgen und Gruppen zum wahren Fastenprofi ausbilden lassen. Ein wenig schlechtes Gewissen oder Neid sollte sich da schon einschleichen. Muss ich mir doch eingestehen, dass ich in der Vergangenheit bei eigenen Vorhaben dieser Art kläglich versagt habe. Nichtsdestotrotz stehe ich jetzt zu der Entscheidung, gar nicht zu fasten. Denn ich habe für mich ausgemacht, dass es nicht so sehr auf den zeitlich begrenzten Verzicht bestimmter Dinge ankommt, als vielmehr auf grundsätzliches Umdenken.Die Katastrophen dieser Erde führen uns vor Augen, dass wir von allem zu viel wollen. Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass Genuss und Luxus jederzeit verfügbar und erstrebenswert sind. Ein paar Wochen Verzicht darauf erfüllen uns mit Stolz und wecken das Gefühl, dass Körper und Geist entschlackt und entgiftet sind. Die Fastenzeit sollte das ganze Jahr dauern. Vielleicht mit Ausnahme der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern.