Fasten? Ja, aber nach eigenen Regeln

Fasten? Ja, aber nach eigenen Regeln

Saarbrücken. In Saarbrücken jemanden zu finden, der während der Fastenzeit konsequent auf irgendetwas verzichtet hat, ist schwer. Die SZ erkundigte sich in fünf Pfarrbüros, im Katholischen Büro Saarland und in der Evangelischen Superintendentur - doch nirgends konnte man der SZ jemanden vermitteln, der über seine Erfahrungen mit der Fastenzeit berichten wollte

Saarbrücken. In Saarbrücken jemanden zu finden, der während der Fastenzeit konsequent auf irgendetwas verzichtet hat, ist schwer. Die SZ erkundigte sich in fünf Pfarrbüros, im Katholischen Büro Saarland und in der Evangelischen Superintendentur - doch nirgends konnte man der SZ jemanden vermitteln, der über seine Erfahrungen mit der Fastenzeit berichten wollte. Dabei ist Ostern das Ende der traditionellen Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt.Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) hatte beim Meinungsforschungsinstitut Forsa eine bundesweite Umfrage zum Fasten in Auftrag gegeben. Ergebnis: "Im Saarland ist die Zustimmung zum Fasten gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen."

Laut Forsa würden 78 Prozent der Saarländer auf Alkohol, 72 Prozent auf Süßes, 52 Prozent aufs Rauchen und 49 Prozent auf Fleisch verzichten - wenn sie denn tatsächlich fasten wollten. Die SZ hörte sich in Saarbrücken um.

Dr. Theo Schmitt, 61, der im Büro der Musikfestspiele arbeitet, meint: "Man muss sich sein Leben so einrichten, wie man es braucht." Schmitt berichtet, dass er 2003 rund 95 Kilo wog und "viel zu schwer" war. Da habe er seine Ernährung umgestellt und 30 Kilo abgenommen - mit Äpfeln und Salat. Bis heute habe er sein Gewicht unter 65 Kilo gehalten: "Wenn der Körper sich daran gewöhnt hat, geht das." Nach der Diät habe er sogar noch das Rauchen eingestellt. Verzicht üben könne er also - nur wolle er das nicht zu festgelegten Zeiten. Mit denen hat auch Joachim Nickolai, 53, Medizinprodukteberater aus Saarbrücken, seine Probleme: "Grundsätzlich bin ich schon für das Fasten, aber eben nicht für genau diese Wochen. Ich faste selbst ein- bis zweimal im Jahr zur Gewichtsreduktion, aber in von mir festgelegten Zeiträumen. Dann trinke ich weniger Alkohol und passe auf, was ich esse."

Denise Nemenich, 26, Einrichtungsberaterin aus Bischmisheim fastet "ein bisschen" und berichtet: "Ich mache das dieses Jahr zum ersten Mal. Aber locker. Seit Aschermittwoch esse ich weniger Süßes und habe mich bewusster ernährt." Überhaupt nichts vom Fasten hält Jürgen Seiler, 54, Bürokaufmann aus Saarbrücken: "Es kann ja jeder machen, was er will. Aber ich halte die ganze Fasten-Geschichte für absoluten Quatsch. Wieso sollte man sich vorschreiben lassen, was man in einer bestimmten Zeit isst und was nicht. Ich esse, was ich will und das immer."

Genau das Gegenteil denkt Christine Bertsch, 47, Geschäftsfrau aus Saarbrücken: "Ich halte sehr viel vom Fasten und faste selbst regelmäßig. Ich verzichte zwar nicht auf alles, aber ich esse weniger süß, ersetze Fleisch durch Fisch und schränke privat meinen Alkoholkonsum ein. Zu geschäftlichen Anlässen, wie einem Empfang, geht das leider nicht immer."

Schüler Robin Weilhammer, 17, aus Saarbrücken ist zwar katholisch, zur Fastenzeit hat er aber keinen Bezug: "Ich faste nicht. Ich lebe auch nach dem Aschermittwoch ganz normal weiter. Meine Eltern haben sich auch noch nie zur Fastenzeit geäußert. Das spielt in unserer Familie einfach keine Rolle. Lediglich der Großvater verzichtet in der Fastenzeit auf Fleisch."

Fotos: Becker&Bredel

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