1. Saarland

Farbenfrohes Klanggemälde

Farbenfrohes Klanggemälde

Saarlouis. "Nur wer ihn gehört und erlebt hat, kann seine Ausnahmestellung als Pianist verstehen." Professor Wolfram Schmitt-Leonardy, dem künstlerischen Leiter der TonArt Saarlouis, selbst international anerkannter Pianist und Kollege von Professor Georg Friedrich Schenck an der Hochschule für Musik und Theater in München, hatte damit nicht zu viel versprochen

Saarlouis. "Nur wer ihn gehört und erlebt hat, kann seine Ausnahmestellung als Pianist verstehen." Professor Wolfram Schmitt-Leonardy, dem künstlerischen Leiter der TonArt Saarlouis, selbst international anerkannter Pianist und Kollege von Professor Georg Friedrich Schenck an der Hochschule für Musik und Theater in München, hatte damit nicht zu viel versprochen.

Grandioses Konzert

Das Publikum bekam mit zwei Brahms-Werken ein grandioses Konzert zu hören. Zunächst das 1. Klavierkonzert op. 15 in d-Moll - von Schenck gespielt ein farbenfrohes Klanggemälde. Eine sensible und zugleich spannende Interpretation. Es sind solche Klangbilder, die Schenck seinen Studenten vordringlich vermittelt, wie er nach dem Ansatz seiner Didaktik befragt in einem Gespräch verriet. Deshalb wollen Studenten aus aller Welt mit ihm arbeiten. Deshalb stellt er seine eigene Karriere als Pianist hinten an.

Umso sensationeller ist es, dass Leonardy ihn für Saarlouis verpflichten konnte. Die Konzertbesucher bedankten sich mit Bravorufen und frenetischem Beifall. Dabei ist der dreiviertelstündige Brocken kein Spaziergang - weder für das Publikum, erst recht aber nicht für den Pianisten. Die Gegensätze von schroffem Aufbegehren, trotz und resignierender, melancholischer Zurückhaltung bis hin zu den inbrünstigen Passagen, besonders im Adagio religioso, erstaunen stets aufs Neue.

Schenck wusste sie den staunenden Zuhörern mit kultivierter Anschlagskultur und einzigartigen Phrasierungen eindrucksvoll nahe zu bringen. Mühelos und zugleich ausdrucksstark meisterte er die schwierigen Nachschläge am Ende der Oktavtriller. Er beherrscht das ganze Repertoire, was einen virtuosen und dazu einfühlsamen Pianisten aus der Menge der besten hervorhebt.

Mit der Nordböhmischen Philharmonie Teplice an seiner Seite konnte er sich auf ein technisch brillantes und stimmiges Orchester verlassen, das unauffällig jedoch kraftvoll von Alfonso Scarano dirigiert wurde. Seit 2000 ist er Chefdirigent der "Virtuosi di Praga", eines der berühmtesten historischen tschechischen Orchester. Auch zeichnet ihn die Arbeit mit den größten Tänzern der Welt aus.

Starke Chöre

Die Nordböhmische Philharmonie, die seit 1838 besteht, imponierte durch jeweils gleich starke Chöre von Streichern, Holz und Blech, eine rhythmisch höchst wendige Präzision und Homogenität, die nichts zu wünschen übrig ließ.

Sehr gelungen war auch der Vortrag der 1. Brahms-Sinfonie op. 68 in c-Moll. Eine spannungsreiche Aufführung, ein neuer Brahms, aber auch ein bisschen alter. Mit einem Slawischen Tanz von Dvorák wurde das ohnehin begeisterte Publikum zusätzlich verwöhnt.