1. Saarland

Familie und Beruf: Wie geht das?

Familie und Beruf: Wie geht das?

Ulrike Zöller ist Professorin an der Hochschule Esslingen an der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege. Beim Runden Tisch des Regionalen Bündnis für Chancengleichheit sprach sie kürzlich über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (die SZ berichtete). Die Mutter von vier Söhnen lebt mit ihrer Familie in Saarlouis.

"Den Weg ,Familie und Beruf' einzuschlagen, bedeutet ständig in entgegengesetzte Richtungen zu gehen", sagt Professor Ulrike Zöller. Sie muss es wissen, denn mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist die vierfache Mutter seit vielen Jahren täglich konfrontiert. "Eine Entscheidung beides zu wollen, Familie und Beruf, das bedeutet ein ständiges Aushandeln mit dem Partner und den Kindern über die Alltagsgestaltung, den Umgang mit Konflikten und das Loslassen von privaten Dingen, die ich gerne mit meinen Kindern und Partner teilen würde, aber zeitlich nicht schaffe."

Zwei Gegensätze

Es ist schwierig, aber nicht unmöglich, Familie und Beruf zu vereinbaren - für Männer wie für Frauen. Doch wie kann das besser gelingen? Und was können Unternehmen dafür tun? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Zöller kürzlich in ihrem Vortrag beim Runden Tisch des Regionalen Bündnis für Chancengleichheit in Saarlouis.

Zunächst müssen zwei gegensätzliche Bereiche zusammengebracht werden: Während der Beruf nach strengen Vorgaben und leistungsgesteuert funktioniert, braucht die Familie Zeit und ist manchmal nicht planbar, zum Beispiel bei Krankheit eines Kindes. Fürsorgepflichten, für Kinder oder alte Menschen, können nicht ausschließlich an Betreuungseinrichtungen übergeben werden, sagt Zöller: "Beziehungsarbeit muss geleistet werden. Und es ist eine gesellschaftliche Gesamtaufgabe, diese Fürsorgetätigkeiten zu unterstützen."

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, kann durchaus ein Erfolgsfaktor für Unternehmen sein. Viele Betriebe bieten bereits Rahmenbedingungen wie flexible Arbeitszeiten, Elternförderung oder eine betriebliche Kinderbetreuung an.

Neue Unternehmenskultur?

Aber, meint Zöller: Neben flexiblen Arbeitszeitmodellen ist eine Veränderung der Unternehmenskultur notwendig, zum Beispiel eine breite Akzeptanz dafür, wenn sich Männer um die Familie kümmern oder Frauen als Führungskräfte in Teilzeit arbeiten.

"Betriebe sollten wirklich darauf achten, dass auch Männer gefördert werden", betont die Professorin. "Beim Elterngeld hat man gesehen: Es werden immer mehr Väter, die sich gerne um die Familie kümmern. Allerdings muss man auch sagen: Bisher bleiben Väter nur kurz zu Hause."

Gerade Männer sollten Arbeitgeber deshalb mehr dabei unterstützen, den Kontakt zum Arbeitsplatz zu halten, um ihnen einen besseren Wiedereinstieg zu ermöglichen.

Ein ganz wichtiges Instrument der Familienförderung sind Mentoren, meint Zöller. "Man sollte in Betrieben viel mit Vorbildern arbeiten: Wie macht Herr/Frau xy das?" Doch politische und betriebliche Maßnahmen sind eine Sache, die Akzeptanz einer veränderten Rollenverteilung eine andere. "Das kann meiner Meinung nach nicht staatlich reglementiert werden, sondern da muss ein Wandel in den Köpfen passieren."

Betriebe müssen handeln

Dass sich in dem Bereich in den kommenden Jahren noch einiges wandeln wird, da ist Zöller zuversichtlich: "Firmen können es sich schlichtweg nicht leisten, wegen des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels, hochqualifizierte Arbeitskräfte zu verlieren. Frauen waren noch nie so gut ausgebildet wie heute." Die Betriebe müssen sich Maßnahmen überlegen, wie sie Frauen halten können. "Aber sie bekommen auch etwas zurück: Wer vom Arbeitgeber unterstützt wird, arbeitet sehr viel motivierter und engagierter."