1. Saarland

Fall Alphapool: Anklage wegen Millionen-Betrug

Anklageschrift über 1300 Seiten : Finanz-Manager als Bande angeklagt

Seit über einem Jahr sitzen drei Ex-Alphapool-Manager in Untersuchungshaft. Jetzt präsentiert die Staatsanwaltschaft ihre Anklageschrift.

. Richter, Verteidiger und Angeklagte im millionenschweren Finanzskandal um die insolvente Firma Alphapool, deren Geschäftssitz zuletzt von Saarbrücken nach Leipzig verlegt wurde, haben jede Menge Lesestoff von der Staatsanwaltschaft erhalten. Staatsanwältin Viktoria Hänel hat nach Informationen unserer Zeitung in dem Fall um Kapitalanlagebetrug im großen Stil und ein geplatztes Schneeballsystem eine erste Anklageschrift vorgelegt. Der Umfang des Werkes ist rekordverdächtig; 1359 Seiten ist die Anklage stark und füllt drei dicke Aktenordner. Dazu kommen, wie mehrere Verteidiger bestätigten, Ermittlungsakten in rund 270 Ordnern. Der Prozess soll vor der Wirtschaftsstrafkammer am Saarbrücker Landgericht stattfinden.

Drei der vier Angeklagten sitzen seit Mitte Mai vergangenen Jahres in der Saarbrücker Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Das Oberlandesgericht (OLG) hat – wie bereits berichtet – wiederholt wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet. Im Gefängnis muss dem Trio jetzt die Möglichkeit eingeräumt werden, sämtliche Ermittlungsakten, die auf einen Datenträger gespeichert wurden, an einem von der Außenwelt abgeschirmten Computer zu studieren. Der 62 Jahre alte Geschäftsmann F. aus Wallerfangen, fungierte offiziell als Geschäftsführer der Gesellschaft, bezeichnete sich aber angeblich in Vernehmungen selbst als Strohmann. Den Ton in dem komplizierten Firmengeflecht sollen seine Kollegen T. (64) aus Saarbrücken sowie der Riegelsberger K. (55) angegeben haben. Die Staatsanwaltschaft geht bei beiden offenbar auch davon aus, dass sie „faktische Geschäftsführer“ waren und als solche nach innen und außen auftraten. Bei dem vierten Angeklagten handelt es sich um einen heute 53 Jahre alten Rechtsanwalt aus dem Regionalverband. Er soll maßgeblich dabei geholfen haben, dass Geld aus gekündigten Renten- und Lebensversicherungen, die von geprellten Kunden abgetreten waren, in die Firmenkasse floss.

Eine Residenz der früheren Alphapool AG, die später angeblich als GmbH beerdigt werden sollte, lag übrigens in einem grenznahen Gewerbegebiet nur unweit der Saarbrücker Justizvollzugsanstalt. Dort soll von 2009 bis 2015 mit Hilfe von Firmen und Vermittlern folgendes Geschäftsmodell praktiziert worden sein. Fast 1000 Kunden mit etwa 1400 Lebensversicherungsverträgen, Depots und Bausparanlagen wurden mittels einer besonderen Masche überzeugt, diese Verträge aufzulösen. Dabei soll mindestens ein Anwalt behilflich gewesen sein. Das ausgezahlte Kapital wurde dann angeblich Alphapool für Investitionen überlassen. Dessen Manager und Macher sollen etwa versprochen haben, das investierte Geld nach mehrjähriger Anlagezeit zu verdoppeln. Unter dem Strich sollen rund zwölf Millionen Euro in die Kassen geflossen sein, wovon sich die Finanzmanager, die wohl auf großem Fuß lebten, wiederum selbst auch großzügige Provisionen gönnten. Investiert wurde das Kundengeld offenbar nur zum Schein, etwa in aufgekaufte Forderungspakete von Banken. Auch von unzulässigen Kickback-Zahlungen ist die Rede.

Die jetzt inhaftierten Finanz-Jongleure fielen auch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wegen unerlaubter Bankgeschäfte auf. Die Anklageschrift der Saarbrücker Staatsanwaltschaft wirft ihnen, so heißt es, konkret Verstöße gegen das Kreditwesengesetz sowie banden-und gewerbsmäßigen Betrug vor. Insider gehen davon aus, dass in den nächsten Monaten weitere Anklagen, etwa zum Komplex Bonofa oder wegen möglicher Insolvenzdelikte gegen die selbst ernannten Finanzmanager folgen werden.