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Neue Mitarbeitervertretung
Fachkräftemangel in den katholischen Kitas

„Wenn der Teller leer gegessen wird, gibt es schönes Wetter!“: Die Krippen-Kinder einer Hamburger Kita essen Kartoffelsuppe zu Mittag. Dort sind die Kita-Gebühren noch höher als im Saarland, wo etwa 350 Euro pro Monat für einen Platz verlangt werden. Die Kitas haben zunehmend Probleme, Fachkräfte zu finden.
„Wenn der Teller leer gegessen wird, gibt es schönes Wetter!“: Die Krippen-Kinder einer Hamburger Kita essen Kartoffelsuppe zu Mittag. Dort sind die Kita-Gebühren noch höher als im Saarland, wo etwa 350 Euro pro Monat für einen Platz verlangt werden. Die Kitas haben zunehmend Probleme, Fachkräfte zu finden. FOTO: dpa / Georg Wendt
Dillingen. Die 3000 Beschäftigten in den katholischen Saar-Kitas haben eine neue Mitarbeitervertretung. Hauptthema dabei bleibt: der Fachkräftemangel. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Das gibt es wohl nur in der katholischen Kirche. Zum Gespräch mit Stefanie Korb, der Vorsitzenden der Mitarbeitervertretung (MAV) der Katholischen KiTa gGmbH Saarland, Bereich Kindertageseinrichtungen, erscheint auch die Vertreterin der Arbeitgeberseite, Petra Oberhauser, Assistentin der Geschäftsführung. Wobei die Arbeitgeberseite bei der Kita gGmbH, bei der 3000 Mitarbeiter beschäftigt sind, nicht Arbeit-, sondern Dienstgeber heißt. „Wir haben unsere Mitarbeitervertretung neu aufgestellt“, sagt Korb. Soll heißen: Die Mehrzahl der 3000 Mitarbeiter, die in 158 Kindertagesstätten beschäftigt sind, ist seit dem Frühjahr 2018 unter dem Dach der neuen MAV. Während etwa 50 bis 60 Mitarbeiter, die in den sieben Verbundbüros und der Geschäftsstelle in Dillingen arbeiten, eine eigene MAV haben.


„Für die knapp 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gab es fünf Teilversammlungen jeweils samstags in Merzig, St. Wendel-Bliesen, Wiebelskirchen, Saarlouis-Fraulautern und Riegelsberg. Die Beteiligung war gut, etwa 1000 Kolleginnen und Kollegen, ein gutes Dittel, nahmen teil“, berichtet MAV-Chefin Korb. Das wichtigste Thema, das die MAV an den katholischen Kindergärten beschäftige, sei der Fachkräftemangel. Das führe im Alltag der Kitas zu Stress bei den Eltern und den Mitarbeitern, sagt Korb.

Dienstnehmerin Stefanie Korb (l.) und Dienstgeberin Petra Oberhauser von der Katholischen Kita gGmbH Saarland.
Dienstnehmerin Stefanie Korb (l.) und Dienstgeberin Petra Oberhauser von der Katholischen Kita gGmbH Saarland. FOTO: Dietmar Klostermann


Der „Dienstgeberin“ Oberhauser fällt es schwer, konkrete Zahlen zu nennen, wie viele Fachkräfte in den 158 Kitas fehlen. „Es interessieren sich weniger für den Beruf“, erklärt Oberhauser stirnrunzelnd. Die Ausbildung dauere mit Anerkennungsjahr vier Jahre. Vor allem das erste Ausbildungsjahr mit Vorpraktikum ist für die angehenden Erzieherinnen nicht einfach finanziell zu stemmen. „Es gibt ein Taschengeld von 110 Euro im Monat“, sagt Oberhauser. Im vierten, dem Anerkennungsjahr in den Kitas, gebe es etwa 1300 bis 1400 Euro brutto im Monat, die Vollzeitstelle bringe als Einstiegsgehalt einer Erzieherin 2578,24 Euro, das Endgehalt liege bei 3592,24 Euro, sagt Korb. „Man kann während der Ausbildung Meister-Bafög beantragen. Aber die meisten der Auszubildenden liegen Mama und Papa auf der Tasche“, räumt Oberhauser ein. Viele, die mit dem Mittleren Bildungsabschluss beginnen, hätten die Hoffnung, das Fach Mathematik hinter sich zu lassen. „Aber Mathe kommt zurück“, erklärt Oberhauser zu den Inhalten der Ausbildung an den Fachschulen im zweiten und dritten Ausbildungsjahr. Wenn die Erzieherinnen ihre Ausbildung geschafft haben, starten sie mit etwa 21 Jahren in ein langes Berufsleben.

Die MAV-Vorsitzende Korb betont, dass die Kinderpflegerinnen bei der Katholischen Kita gGmbH besser bezahlt würden als im öffentlichen Dienst. Zudem würden die Tarifabschlüsse, die Verdi im öffentlichen Dienst erstreite, von der katholischen Dienstgeberseite in der Regel übernommen, erklärt Oberhauser. Wie Andrea Hoffmann-Göritz, Sprecherin der Kommission zur Ordnung des Diözesanen Arbeitsvertragsrechts im Bistum Trier auf der Internetseite der Kommission mitteilt, könne der Verdi-Tarifabschluss vom 17. April jedoch erst im Herbst für die katholischen Dienstnehmer umgesetzt werden. „Bislang haben wir aber auch immer rückwirkend beschlossen, so dass keine Nachteile entstanden sind“, erklärt Hoffmann-Göritz. Und bittet insoweit „um Geduld“.

Oberhauser betont, dass es inzwischen viele Studiengänge gebe, um sich für Leitungsaufgaben im Kita-Bereich zu qualifizieren. Zudem gebe es einen hohen Weiterbildungsbedarf für die Erzieherinnen, da die Ansprüche der Eltern und Kinder stiegen. Vor allem bei den Krippenplätzen sei entsprechendes Knowhow gefragt.

Korb erklärt, dass die MAV kein politisches Mandat habe. „Wir können keine Statements abgeben, nur in Abstimmung mit der Geschäftsführung“, sagt Korb. Und liefert damit die Erklärung für die Begleitung durch die Dienstgeberin. Dagegen sagt Oberhauser, dass sich die Geschäftsführung der Katholischen Kita gGmbh sehr wohl politisch positionieren könne. „350 Euro für einen Krippenplatz im Monat tut vielen Eltern weh“, so Oberhauser.

Die Katholische Kita gGmbH ist mit Abstand der größte Kindergartenbetreiber im Saarland und bietet ein gutes Drittel aller Kitas an. Alle 158 katholischen Kitas im Saarland sind seit 2017 unter dem Dach der gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Im Jahr 2000 war man mit 30 Kitas gestartet.

„Das Kreuz an der Wand ist für die Kinder kein Problem,“ sagt Korb. Dabei gebe es in manchen Kitas nur noch zwei deutschstämmige Kinder pro Gruppe. „Die Feste des Islams werden bei uns auch gefeiert, wie etwa das Zuckerfest. Beim gemeinsamen Frühstück ist auch Halal-Fleisch mit auf dem Tisch“, erklärt Korb. Gleichzeitig nähmen die muslimischen Kinder etwa am Martinsumzug teil. „Die Nächstenliebe steht im Vordergrund“, betont Oberhauser.

Bei den Mitarbeiterinnen sei eine christliche Religionszugehörigkeit Einstellungsvoraussetzung, auf der Leitungsebene müsse man katholisch sein. „Es gibt jetzt eine Kita-Leiterin, die geschieden und wieder verheiratet ist“, erklärt Korb. Muslimische Mitarbeiterinnen gebe es im Bereich der Hauswirtschaft. Dieses Arbeitsfeld mit Reinigungskräften und Hausmeistern umfasse etwa 400 Mitarbeiter.