Fachkräfte ersetzen Integrationshelfer

Fachkräfte ersetzen Integrationshelfer

Mehr Fachkräfte für die ganze Klasse statt Integrationshelfer für einzelne Kinder: Das ist der Kerngedanke eines Modellprojekts des Jugendamts an der Förderschule für soziale Entwicklung in Püttlingen.

. Die Ausgaben des Jugendamts für Integrationshelfer an Schulen für "seelisch behinderte" Kinder explodieren: Von 2009 bis 2013 stiegen sie um rund 300 Prozent, sagt Armin Weppernig, Abteilungsleiter Sozialer Dienst im Jugendamt.

Die Schulen hätten den Rechtsanspruch auf Hilfe nach Paragraf 35a im Sozialgesetzbuch als Möglichkeit entdeckt, Unterstützung für diese Schüler zu organisieren. Weppernig sieht das kritisch: "Es kann ja nicht sein, dass wir fast 300 Prozent mehr seelisch Behinderte haben. Die Schulen versuchen, ihren Personalnotstand zu kompensieren."

Jugendamt will Geld sparen

Statt jedem Kind mit psychischen Problemen oder Autisten einen Integrationshelfer in der Klasse zur Seite zu stellen - was natürlich sehr viel Geld koste - will das Jugendamt des Regionalverbandes einen anderen Weg gehen. In einem Modellprojekt an der Förderschule für soziale Entwicklung in Saarbrücken-Von der Heydt, Außenstelle Püttlingen-Ritterstraße, wird das Jugendamt nach Angaben Weppernigs fünf bis sechs Fachkräfte in Teilzeit für die Klassen eins bis fünf finanzieren. Die würden im Unterricht gemeinsam mit den Lehrern die gesamte Klasse betreuen und sich nicht auf einzelne Schüler konzentrieren.

Das Modellprojekt sei sehr wichtig, weil diese Kinder sonst Gefahr liefen, ganz aus dem Schulsystem zu fallen, sagt Weppernig.

Partner des Jugendamts an der Förderschule in Püttlingen ist der Verein Partnerschaftliche Erziehungshilfe, der dort Schulsozialarbeit und eine qualifizierte Nachmittagsbetreuung anbiete, erklärt Weppernig. Diese sei viel intensiver als in einer Freiwilligen Ganztagsschule. 80 000 Euro pro Jahr wolle das Jugendamt ab dem nächsten Schuljahr investieren und dadurch rund 10 000 Euro sparen, sagt Weppernig. Die Fachkräfte würden Integrationshelfer ersetzen, die in der Regel ungelernt seien und "keine pädagogisch hochwertige Arbeit" abliefern könnten.

Wird das neue Konzept nicht zu Konflikten mit Vereinen wie Miteinander Leben Lernen führen, die Integrationshelfer anbieten? Weppernig: "Wir wollen keine Träger (Anbieter der Integrationshelfer, Anm. d. Red.) plattmachen." Es werde aber zu Personalabbau kommen.

Die Menschen würden aber nicht lange arbeitslos sein, glaubt der Abteilungsleiter im Jugendamt. Denn der Bedarf für Hilfen an den Schulen sei sehr groß. Weppernig erklärt das so: Wenn eine Schule eine Unterstützung für einen Schüler anfordert, muss der sonderpädagogische Förderbedarf von der Förderschule festgestellt werden. Kann das Kind an der Schule bleiben, schickt die Förderschule Von der Heydt einen ausgebildeten Förderlehrer. In der Regel werden hierfür zwei Stunden pro Woche bewilligt. Zusätzlich stellen viele Eltern einen Antrag wegen "seelischer Behinderung". Wird der genehmigt, müsse der Regionalverband den Integrationshelfer, in der Regel mit 20 Stunden und mehr pro Woche, bezahlen, sagt Armin Weppernig.

Wenn das Modellprojekt in Püttlingen erfolgreich sei, wolle es das Jugendamt gern auch auf andere Schulen übertragen. Die Regionalversammlung müsse dem Modellprojekt aber noch zustimmen.

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HintergrundDie Ausgaben des Jugendamts für die "seelische Behinderung" sind im 1. Quartal 2013 gegenüber dem 1. Quartal 2012 von 428 000 auf 480 000 Euro gestiegen. Waren es 2004 noch 13 Fälle, stieg diese Zahl 2012 auf 161, darunter waren 121 Integrationshilfen an Schulen, teilt Regionalverbands-Pressesprecher Stefan Kiefer mit. Im 1. Quartal 2013 waren es sogar 171 Fälle. sm

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