Experten: Taxifahrer dürfen kurze Fahrten nicht verweigern

Saarbrücken. Wenn sie an jene Nacht von Fastnachtssamstag auf Sonntag denkt, ist Katharina E. immer noch fassungslos. Denn da hatte die SZ-Leser-Reporterin in Saarbrücken zwei unangenehme Begegnungen mit Taxifahrern. Die 18-Jährige: "Ich stand vor der Disko Number One (Anm. d. Red: Ecke Bahnhof-/Dudweilerstraße) und wollte nach Hause in die Bismarckstraße

Saarbrücken. Wenn sie an jene Nacht von Fastnachtssamstag auf Sonntag denkt, ist Katharina E. immer noch fassungslos. Denn da hatte die SZ-Leser-Reporterin in Saarbrücken zwei unangenehme Begegnungen mit Taxifahrern.

Die 18-Jährige: "Ich stand vor der Disko Number One (Anm. d. Red: Ecke Bahnhof-/Dudweilerstraße) und wollte nach Hause in die Bismarckstraße. Doch beide Taxis nahmen mich nicht mit, weil ihnen die Strecke zu kurz war." Der erste Fahrer habe sie erst gar nicht einsteigen lassen, als sie gesagt habe, sie wolle dorthin gefahren werden. Beim zweiten habe sie den Wagen wieder verlassen müssen, als sie ihr Ziel genannt habe: "Der hat gesagt, das sei zu kurz. Er sei der Zweite in der Schlange, ich solle zum Ersten gehen. Doch eben der nahm mich ja auch nicht mit."

Ratlos blieb die Studentin zurück: "Es war sehr kalt. Ich wollte nicht 20 Minuten zu Fuß nachts durch die Stadt gehen. Gerade an Fasching laufen so viele Betrunkene herum, da hatte ich Angst. Es ist ja schon viel passiert. "

Sie betont auch: "Ich war nicht betrunken oder so. Ich wollte einfach nur sicher nach Hause kommen."

Die Rettung brachte nach längerem Warten ein Freund, der ein fahrendes Taxi anhielt und nachdrücklich bat, die junge Frau nach Hause zu bringen. Katharina: "Das Schlimme ist, das passierte nicht zum ersten Mal. Vor vier Wochen wurde ich zwar auf der gleichen Strecke von einem Taxifahrer mitgenommen, aber auch wegen der Entfernung beschimpft." Diese Fahrt kostete sie fünf Euro: "Und ich habe noch Trinkgeld gegeben."

Sie ärgert sich, weil sie sich vor lauter Schreck in keinem Fall die Nummernschilder oder die Taxinummern einprägen konnte. So ist unbekannt, wer sie so schlecht behandelte.

Ist es gerechtfertigt, potenzielle Fahrgäste abzuweisen, wenn die Wegstrecke sich offenbar nicht lohnt? Nein, sagt Hartwig Schmidt, Geschäftsführer des Landesverbandes Verkehrsgewerbe Saarland: "Ein Taxifahrer hat, wenn keine Gefährdung vorliegt, in seinem jeweiligen Pflichtfahrbereich eine Beförderungspflicht, da gibt es keine Untergrenze." Das Saarland habe acht "Pflichtfahrbereiche". Und auch die Wegstrecke der jungen Frau liege innerhalb eines dieser Bereiche. Das Ganze sei geregelt im Personenbeförderungsgesetz und in der Taxiordnung.

Wichtig: Nummer merken

Ähnlich bewertet auch Wolfgang Ramm, Geschäftsführer der Taxi Saarbrücken e.G., der mit 84 Unternehmern und 124 Wagen größten Taxigenossenschaft in Saarbrücken, das Ganze: "Das ist nicht okay". Auch er erwähnt die gesetzliche Beförderungspflicht.

Werde ein Fall wie dieser von einem seiner Fahrer bekannt, dann werde derjenige bestraft, erklärt er: "Wir haben einen Disziplinarausschuss". Ramm weiter: "Ich wünsche mir, dass es keiner von uns war."

Fahrgästen, die schlechte Erfahrungen mit einem Taxifahrer gemacht haben, rät er, sich die Konzessionsnummer oder das Kennzeichen zu merken: "Dann sollte man beim Ordnungsamt eine Anzeige machen." Einen ähnlichen Tipp gibt Hartwig Schmidt vom Landesverband Verkehrsgewerbe: "Am besten sollte man sich die Ordnungsnummer merken, die in jedem Taxi in der rechten unteren Heckscheibe zu finden ist. Danach sollte eine Beschwerde bei der zuständigen Behörde, also dem Ordnungsamt, erfolgen." Denn bei einem solchen Verhalten handle es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße belegt werde.

Den Tipp bekamen wir von Leser-Reporterin Katharina E. Wenn Sie auch Interessantes zu erzählen haben, wenden Sie sich entweder per SMS/Fax an Tel. (06 81) 5 95 98 00 oder per Mail an: leser-reporter@sol.de.

 Wer ein Taxi braucht, sollte eigentlich davon ausgehen können, dass er auch befördert wird. Egal, ob die Wegstrecke nun zwei oder 200 Kilometer beträgt. Foto: Rolf Ruppenthal

Wer ein Taxi braucht, sollte eigentlich davon ausgehen können, dass er auch befördert wird. Egal, ob die Wegstrecke nun zwei oder 200 Kilometer beträgt. Foto: Rolf Ruppenthal

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