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Experte: Krise fördert Komasaufen

Experte: Krise fördert Komasaufen

Saarbrücken. Die ökonomische Krise und der globale Klimawandel stehen im Zusammenhang mit dem exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum von Jugendlichen. Dieser Auffassung vertritt der fachliche Leiter der Aktionsgemeinschaft Drogenberatung (AGD), Thomas Reuland, wie er auf der Fachveranstaltung "Saufen gegen den Klimawandel" am Mittwoch in Saarbrücken darstellte

Saarbrücken. Die ökonomische Krise und der globale Klimawandel stehen im Zusammenhang mit dem exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum von Jugendlichen. Dieser Auffassung vertritt der fachliche Leiter der Aktionsgemeinschaft Drogenberatung (AGD), Thomas Reuland, wie er auf der Fachveranstaltung "Saufen gegen den Klimawandel" am Mittwoch in Saarbrücken darstellte. Jugendliche würden die ökonomische und ökologische Krise als "negatives Hintergrundgefühl" wahrnehmen, sagte Reuland. Dies verleite sie dazu, ihre Sorge vor den bedrohlichen globalen Entwicklungen in Alkohol zu "ertränken". Das Phänomen "Komasaufen" tauche in allen Gesellschaftsschichten auf, sagte Reuland gegenüber unserer Zeitung. So seien ihm auch Fälle bekannt, in denen Jugendliche aus gutbürgerlichen Familien zu massiven Alkoholkonsum neigten. Reuland: "Die Verwöhnten sind genauso suchtgefährdet wie die Benachteiligten". Das in Medien und in der Fachöffentlichkeit präsente "Komasaufen" sei Ausdruck einer "unverstandenen Jugendkultur". In einer immer schnelllebigeren Zeit würde zunehmend "eine Kultur des Zuhörens" geopfert werden, kritisierte Reuland. "Eltern als Bezugspersonen wahrzunehmen, diese Komponente ist bei alkoholabhängigen Jugendlichen verloren gegangen", erklärte Stefanie Mohra, Pädagogin von der AGD-Fachstelle für Suchtprävention. Sie leitete während der Tagung einen von insgesamt vier Workshops zum Thema "Elterliche Präsenz - eine Antwort auf den destruktiven Alkoholkonsum von Jugendlichen". Sie rief Eltern dazu auf, mehr Präsenz bei der Erziehung der Jugendlichen zu zeigen. Nur so könne die Eltern-Kind-Bindung gestärkt und zumindest einer Voraussetzung für die Alkoholabhängigkeit Jugendlicher begegnet werden. Der durchaus irritierende Titel der Veranstaltung "Saufen gegen den Klimawandel" sollte nach Angaben der Veranstalter als Metapher zu verstehen sein. Etwa 100 Sozialarbeiter, Erzieher, Lehrer und Psychotherapeuten besuchten die Fachtagung, auf der neben einem Programm mit Vorträgen und Videoclips, auch Workshops mit speziellen Themenschwerpunkten angeboten wurden. Neben fachlichem Austausch, medizinischen Hintergründen und der Vorstellung von Fallbeispielen, sollte die Tagung außerdem vermitteln, was die Beratungsstelle der AGD leisten kann, sagte der AGD-Vorstandsvorsitzende, Hans Neustädter. In die AGD-Beratungsstellen in Saarbrücken und Völklingen "kommen meist Jugendliche, die tiefer in der Sucht stecken", weil sie mehrere Drogen konsumieren, wie die Veranstalter erklärten.Die Fachtagung war eingebettet in die bundesweite "Aktionswoche Alkohol", die noch bis diesen Sonntag läuft. Die Bundesdrogenbeauftragte, die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben diese Aktionswoche ins Leben gerufen.