1. Saarland

Experimente in Acryl

Experimente in Acryl

Kirkel. Ein bisschen ist es beim Blick auf Christiane Lohrigs Bilder so, als wenn man gute alte Bekannte treffen würde. Aber ein bisschen Neues hier, ein bisschen Anderes da hat das Bild dieser guten Bekannten verändert. So kommt keine bequeme Langweile auf, vielmehr gibt es im Vertrauten viel Neues zu entdecken. "Experimentelle Kunst" nennt Lohrig ihr Schaffen

Kirkel. Ein bisschen ist es beim Blick auf Christiane Lohrigs Bilder so, als wenn man gute alte Bekannte treffen würde. Aber ein bisschen Neues hier, ein bisschen Anderes da hat das Bild dieser guten Bekannten verändert. So kommt keine bequeme Langweile auf, vielmehr gibt es im Vertrauten viel Neues zu entdecken. "Experimentelle Kunst" nennt Lohrig ihr Schaffen. Und dieses Schaffen ist seit Dienstag im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel zu sehen.Mit dem Begriff "Experimentelle Kunst" erklärt sich auch ein bisschen der Grenzgang Lohrigs zwischen der klassischen Abstraktion als Grundsatz ihrer Arbeiten und teils Gegenständlichem, wenn auch weitestgehend formal aufgelöst. Hier ein angedeuteter Akt, dort ein rudimentärer Kopf - bei so manchem Bild spielen sich Abstraktion und Gegenständlichkeit gekonnt in die Hände.

Und was nicht diesem Ansatz folgt, überrascht in Form und Farbe. Unzweifelhaft: Einen "Lohrig" erkennt man. Und das ist eine schöne Überraschung, ist eine einzigartige Handschrift im inzwischen fast schon unüberschaubar großen Kunstmarkt in diesen Tagen etwas wirklich Erholsames. Zumal die Einordnung "experimentell" viele Türen öffnet, durch die man hindurch gehen könnte - um dann wieder zurückzukommen und einen völlig anderen Weg zu nehmen. Doch Lohrig bleibt sich treu, von einer solchen Treue zumindest künden die in Kirkel ausgestellten Arbeiten.

Lohrigs Bilder entstammen dabei ganz gegenständlichen Erlebnissen und Erfahrungen, sind nicht "verkopft", sondern sehr emotional und führen den Betrachter auch über den Titel hin zu den interessanten Geschichten dahinter. Gefragt, welches ihrer Bilder sie einem Menschen schenken würde, der sich in einer besonderen Krise befinden würde, kommt Lohrigs Antwort am Rande der Vernissage, musikalisch umrahmt von Edgar Johann Bach und mit einer Einführung der Kunsthistorikerin Brigitte Quack, am Dienstag prompt. "Ich würde das Bild ,Herr Müller ist trotzig' verschenken." Warum? "Das Besondere an diesem Bild ist der Moment, in dem es entstanden ist. Es geht also weniger unmittelbar um das Bild selbst, sondern um das, was ich damit verbinde. Die Geschichte drumherum." Diese Geschichte erzählt "von einem saublöden Tag mit wahnsinnig viel Stress und Ärger. Ich bin dann einfach ins Atelier gegangen und hab mir gesagt: Du musst dir jetzt Luft verschaffen." An diesem Abend sei ihr "wahnsinnig viel gelungen". Unter anderem eben "Herr Müller ist trotzig''.

Die Entstehungsgeschichte dieses Bildes ist dabei durchaus exemplarisch für die anderen Arbeiten. Titel wie "Wir träumen noch" (Acryl auf Leinwand), "Einen Sommer lang" (Acryl Materialmix auf Leinwand) oder auch "Kleine Beute" (Acryl auf Holzkasten) lassen erkennen, dass es sehr nachvollziehbare Intentionen sind, die Lohrig zu ihren Arbeiten bringen.

Diese sind noch bis zum 31. Oktober, montags bis samstags von acht bis 18 Uhr im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel zu sehen.