1. Saarland

Ex-Weltkulturerbe-Chef Grewenig kritisiert Bevormundung der Kultur

Corona-Serie : Grewenig vermisst den Kirchgang

In unserer Serie kommt heute der Ex-Chef des Völklinger Weltkulturerbes zu Wort.

Unsere Serie liefert private Momentaufnahmen während der Corona-Krise. SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus spricht mit bekannten Saarländern und bittet um ein Selfie oder einen Schnappschuss.

Heute: Professor Meinrad Maria Grewenig (65), der im Juli 2019 nach 20 Jahren als Generaldirektor des Völklinger Unesco-Weltkulturerbes in Rente ging. Er lebt mit seiner Frau und der jüngsten von drei Töchtern in Völklingen.

Hat das Virus den Alltag verändert?

Durchaus. „Ich entdecke die Natur neu, gehe mit meiner Frau mehr spazieren. Habe mir einen Schreibplatz im Garten zugelegt.“ Ganz einigeln zuhause will er sich nicht, geht selbst einkaufen: „Ich möchte ein Gefühl dafür haben, was da draußen passiert. Es ist schließlich ein historisch einmaliges Ereignis.“ Grewenig hat seinen Kultur-Management-Lehrauftrag an der Saar-Uni neu konzipiert: „Kultursteuerung nach der Corona-.Krise“. Kultur sei ein durch und durch „besucherorientiertes Unterfangen“, sagt der Professor. Nicht wenige Veranstaltungen wie Festivals seien auf Menschendichte angelegt, generell gehe es bei Kultur um Teilhabe und Begegnungen: „Wie kann man dieses ureigene kulturelle Erleben weiterhin ermöglichen?“, grübelt er. Antworten demnächst im Seminar.

Hat ihn die Corona-Phase etwas gelehrt?

„Man wird demütiger“, sagt Grewenig, „Vor der Krise dachte man, wir können alle Probleme lösen und alles leisten. Diese Überzeugung ist erschüttert.“

Worüber macht er sich Sorgen?

Grewenig beobachtet eine gewisse Bevormundung der Kultur durch die Politik. Offensichtlich sei man der Meinung, Kulturinstitutionen seien weniger wichtig und auch weniger in der Lage als Aldi oder Lidl, ihre Besucher zu lenken. „Die Direktoren hätten Lösungen und es wäre sehr einfach, Museen oder das Weltkulturerbe wieder zu öffnen“, sagt er. Das Vertrauen der Politik fehle: „Die Steuerung der Krise ist zu sehr an das Verwaltungssystem gekoppelt.“

Wurden Pläne über den Haufen geworfen?

Kunst-Reisen standen auf Grewenigs Wunschzettel. Die Art Cologne in Köln, die Raffael-Ausstellung in Rom, die Gerhard-Richter-Ausstellung in New York. Nun hofft er, dass all dies nur verschoben ist, nicht ganz gestrichen. Auch erhält er sich die Vorfreude auf die Wiedereröffnung der Tholeyer Abtei mit den Richter-Fenstern im September. Das ist im Terminbuch noch nicht gestrichen.

Was fehlt ihm?

Der Kirchgang. „Menschen brauchen Hoffnungsquellen“, sagt der gläubige Katholik.