Ex-Pächter gegen Museumschef im Streit ums Café "Schönecker"

Kostenpflichtiger Inhalt: Wer ist daran schuld? : Zoff ums Saarbrücker Museumscafé

Im neuen Museumscafé „Schönecker“ lief es von Anfang an nicht rund, das Publikum blieb aus, es gab viel Kritik am Ambiente. Ex-Pächter Jens Wallmeier macht die Museumsleitung und deren strenge Vorgaben mitverantwortlich.

Das Saarland hat seit 2017 endlich seinen schicken Erweiterungsbau der Modernen Galerie in Saarbrücken – inklusive neuem Museumscafé. Doch das „Schönecker“ erwies sich für dessen im August fristlos gekündigten Pächter Jens Wallmeier als ein gastronomischer Flopp, der ihn teuer zu stehen kommen könnte. „Zu keinem Zeitpunkt konnte ich meine Vision umsetzen“, beklagt er und spricht von Gängelung, nicht eingehaltenen Zusagen und kostspieligen Pannen.

So sieht das „Schönecker“ aktuell aus:  Mit den neuen, grauen Sesseln und der ansprechenderen Wandgestaltung hat sich die Atmosphäre verbessert. Foto: Iris Maria Maurer

„Die strikten Gestaltungsregeln in Form eines ‚Copyrights’ der Architekten sind mir vor Abschluss des Vertrages nicht mitgeteilt worden“, beklagt Wallmeier. Im Pachtvertrag heißt es zwar: „Die Gestaltung ist mit dem Verpächter abzustimmen“. Näheres ist aber nicht geregelt. Wallmeier räumt ein, dass er selbst es versäumt habe, vor Abschluss des Vertrages die Modalitäten zu klären. Ein Fehler, der ihm an die Existenz gehen könnte. Ein solches „Copyright“ der Museums-Architekten Kuehn Malvezzi gebe es nicht, teilte hingegen Museumschef Roland Mönig auf Nachfrage unserer Zeitung mit. „Die Ausstattung des Pachtobjektes war dem Pächter bekannt.“

Wallmeier wirft Mönig „eine stetige, kontraproduktive Einmischung“ vor allem in Gestaltungsfragen vor, die ihm als Gastronomen das Genick gebrochen hätte. „Es passt nicht zusammen, dass an den Pächter Ansprüche wie an selbstständige Unternehmer gestellt werden, er aber nur handeln kann wie ein Angestellter“, schrieb Wallmeier der Museumsleitung im Dezember 2018. Es ist nur einer von unzähligen langen Briefen in einem zermürbenden Dauer-
clinch mit Mönig. Konkret geht es dabei um unpassende Beleuchtung, fehlende Beschilderung, ungemütliche Möblierung und immer wieder um Fragen der Dekoration. Denn was im „Schönecker“ hängen sollte, wollte Museumschef Mönig höchstpersönlich entscheiden. Als aber verstörende Weltkriegsmotive im Rahmen eines HBK-Projektes zu Frans Masereel aufgehängt werden sollten, zog Wallmeier die Reißleine. Weil der Gastronom, der nie schwarze Zahlen schrieb, letztendlich nicht mehr zahlen konnte, flog er schließlich raus.

Wurde erst nach acht Monaten installiert: ein Hinweis-Schild zum Museumscafé. Foto: Esther Brenner

Schon die Eröffnung sei „verkorkst“ gewesen: Als das „Schönecker“ am 20. Oktober 2017 eröffnet wurde, nahmen die Gäste auf weißen Stahlstühlen an weißen Stahltischen Platz, kalt-weißes Licht (wie im Museum) sorgte für nüchtern-sterile Atmosphäre. Im Netz sei daraufhin ein regelrechter „Shitstorm“ über ihn hereingebrochen, erinnert sich Wallmeier, der zuvor vergeblich versucht hatte, auf Möblierung und Gestaltung seines Bistros Einfluss zu nehmen. Viele Gäste hätten sich entsetzt über das Ambiente gezeigt. In Facebook-Kommentaren war die Rede von „Bahnhofsvorhalle“, „Museumsbunker“ und „Kantinencharme“.

Jens Wallmeier war bis August Pächter des „Schönecker“. Foto: Iris Maria Maurer

Im Dezember 2017, als endlich allen klar war, dass die Einrichtung dem Zuspruch abträglich war, durfte Wallmeier die Möbel in Absprache mit der Stiftung rausschmeißen (ein einflussreiches Mitglied des Stiftungsbeirates soll ein Machtwort gesprochen haben). Die 90 Stahlstühle, 219 Euro netto das Stück laut Liste, und 25 Tische wanderten zum Teil auf die Außenterrasse – auf der aber nur 30 Sitzplätze vorgesehen sind. Auf Kosten der Stiftung durfte er dann neue Möbel bestellen und entschied sich für 54 graue Stoffsessel und passende Tische. Die hätten (laut Listenpreis) um die 500 Euro das Stück gekostet, so Wallmeier. Ein teurer Spaß, aber schließlich habe alles schnell gehen müssen.

„Das OP-Licht durfte ich im Januar 2018 nach vielen Diskussionen mit Herrn Mönig und den Architekten ändern“, so Wallmeier. Auf eigene Kosten. Insgesamt habe er bis Sommer 2019 rund 55 000 Euro Eigenmittel in das „Schönecker“ investiert – für angenehmeres Licht, eine kompliziert zu installierende Beschallung und die Wandgestaltung. Geholfen habe das allerdings nicht mehr. „Der erste Eindruck zählt, die Leute waren von der Eröffnung enttäuscht“, erinnert sich Wallmeier, der immerhin 22 Jahre lang erfolgreich das „Ovid“ am St. Johanner Markt in Saarbrücken betrieben hatte. Jetzt sieht er seinen Ruf massiv beschädigt. Es gab zwar einige Großveranstaltungen, Konzerte, Tanzabende und Lesungen im „Schönecker“ – doch ein Stammpublikum wuchs nicht heran. Allein von den wenigen Museumsbesuchern am Tag könne dort kein Gastronom überleben. „Man findet das ‚Bistro’ nicht, weil es versteckt im Eingangshof des Museums liegt. Es gab bis Mitte 2018 keine Beschilderung, obwohl ich immer wieder darauf gedrungen habe“, klagt er. Schließlich wurde ein Beamer installiert, mit dem das Schönecker-Logo und dessen Öffnungszeiten an den Pavillon projiziert werden konnten. Und bis heute sind die Hinweisschilder unscheinbare Schwarz-weiße-Tafeln ohne Beleuchtung. Die fehlt auch an der Museumsfassade und auf dessen Vorplatz mit der Schrift von Künstler Michael Riedel. Abends ist das ganze Areal dunkel, bis auf ein paar funzelige Lichtsäulen und die im Nachtlicht glitzernde Gaia-Skulptur.

Im Frühjahr/Sommer 2018 dann der Supergau: Als man bei schönster Sonne mit der Außengastronomie Gewinne hätte machen können, fehlten zehn Wochen lang die dringend benötigten Sonnenschirme, legt Wallmeier dar. Die habe er selbst nicht über seine Brauerei bestellen dürfen, die Stiftung habe die Auswahl des Designs und die Anschaffung übernommen. „Das war für mich ein wirtschaftliches Desaster“, klagt Wallmeier – über das auch das Kultusministerium bestens informiert war. Kulturabteilungsleiterin Heike Otto schaltete sich als vermittelnde Instanz immer wieder in die Verhandlungen zwischen Mönig und Wallmeier ein. „Da ist vieles unglücklich zusammengekommen“, sagt sie vorsichtig und zeigt Verständnis für den Gastronom, dem sie „tolle Ideen“ bescheinigt.

 Die Schirme seien von „Verpächterseite nicht geschuldet“ gewesen und man sei „dem Pächter und seinem Betrieb entgegengekommen“, schreibt dazu aber Stiftungsvorstand Mönig. Er beruft sich zudem auf ein gastronomisches Gutachten, das dem Pächter „Wege für einen wirtschaftlichen Betrieb“ aufgezeigt habe. Auf dessen Grundlage habe man Wallmeier Vertragsänderungen angeboten.

Hier nun geht es ums Geld. Denn im Laufe des Jahres 2018 zeichnete sich ab, dass sich die Nebenkosten erheblich erhöhen würden. Die waren vertraglich anfangs auf 300 Euro festgelegt worden, bei einer Pacht von 2100 Euro. „Man teilte mir mit, dass die wahren Nebenkosten wohl zwischen 2500 und 3000 Euro liegen würden“, so Wallmeier. Am 28. Juni diesen Jahres bekam er schließlich eine Nebenkosten-Nachzahlungsrechnung rückwirkend für das Jahr 2018 – von fast 27 000 Euro. Da hätte es auch nicht mehr geholfen, dass die Stiftung ihm bei der Pacht entgegenkommen wollte, so Wallmeier. Mit der war er inzwischen länger im Rückstand. Daraufhin kündigte die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz ihm im August fristlos.

Gestritten wird nun unter anderem um die einzelnen Posten der Nebenkostenabrechnung, zum Beispiel geht es um einen hohen Betrag für die Klimatisierung, Reinigungskosten und Kosten für Videoüberwachung. Offenbar ist es schwierig, die genauen Nebenkosten des in den Museumskomplex integrierten Cafés, das auch noch den Museumsshop beherbergt, zu ermitteln.

Zurzeit betreibt der Gastgewerbeservice „FineTime“, zu dem das Hauck in der Feuerwache, die Gastronomie am Flughafen und im Staatstheater gehören, das Bistro übergangsweise. Ein neuer Pächter ist noch nicht gefunden, das Lokal ausgeschrieben. Für Jens Wallmeier aber ist sein Traum vom Museumscafé zum Albtraum geworden.

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