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LSVS-Skandal im Parlament
Ex-Landessportbund-Manager Emrich bezweifelt rote Zahlen

 Eike Emrich war in den Neunzigerjahren als Hauptgeschäftsführer für den LSVS tätig.
Eike Emrich war in den Neunzigerjahren als Hauptgeschäftsführer für den LSVS tätig. FOTO: ruppenthal / Rolf Ruppental
Saarbrücken. Für den Landtags-Untersuchungsausschuss zum LSVS-Skandal nahm der Sportökonomie-Professor den Verband in den Blick. Von Tobias Fuchs
Tobias Fuchs

Der Sportökonom Professor Eike Emrich hält den Landessportverband für das Saarland (LSVS) für aus eigener Kraft sanierbar. Das sagte der Experte der Saar-Uni am Dienstag im Landtag vor dem Untersuchungsausschuss zum Finanzskandal beim Sportverband. Er hinterfragte das strukturelle Defizit des LSVS ebenso wie dessen Schulden bei der Sportplanungskommission.


Emrich erklärte die roten Zahlen der Hermann-Neuberger-Sportschule unter anderem mit Abschreibungen. „Weil der LSVS selbst gebaut hat“, wie er betonte. Die Sportstätten verlieren jährlich an Wert, schlagen dadurch mit einem Minus zu Buche. Emrich widersprach indirekt dem Konsolidierungsberater des Sportverbandes, Michael Blank. Dieser hatte die Verpflichtung des LSVS gegenüber der Planungskommission auf 8,5 Millionen Euro beziffert. „Ich halte diese Summe für grandios überzogen“, sagte Emrich vor dem Ausschuss. Sie enthalte alle von der Kommission bewilligten Gelder. Der jährliche Bedarf betrage „vielleicht ein Drittel dieser Summe im Maximum“, so Emrich. Während Petra Berg (SPD) diese Rechnungen im SR kritisch bewertete, sagte Frank Wagner, CDU-Obmann im Untersuchungsausschuss zur SZ: „Das war sehr plausibel, und man sollte genau hinschauen, bevor man vorschnell Urteile fällt und Entscheidungen trifft.“

Experte Emrich äußerte sich auch zum Personalzuwachs: Heute verfügt der LSVS über knapp 100 Planstellen, aufgeteilt auf 140 Mitarbeiter. In den 1990er Jahren beschäftigte die Dachorganisation des Saar-Sports etwas mehr als 40 Personen. „Die heutige Zahl halte ich für überzogen“, meinte Emrich. Zugleich verwies er auf Aufgaben, die der LSVS mehr oder weniger vom Staat übernahm – sei es bei der Bewegungsförderung von Kindern oder der Integration. Der Experte sprach von einem „Substitut für beim Land nicht vorhandene Mittel“. Auf Nachfrage von Lutz Hecker (AfD) schätzte Emrich den finanziellen Umfang dieser Leistungen auf bis zu 2,5 Millionen Euro jährlich.



Der Professor vom Sportwissenschaftlichen Institut kam zu dem Schluss: „Man kann nicht von gravierender Misswirtschaft im LSVS sprechen.“ Kritikpunkte fand er dennoch – strukturell wie finanziell. So sprach Emrich aufgrund der Finanzierung des LSVS über Toto-Gelder von einer „extremen Transparenzpflicht“. Die aktuelle Misere führte er auf die 2011 eröffnete Multifunktionshalle zurück, die er „für nicht finanzierbar“ gehalten habe. „Ich hätte sie nicht gebaut“, erklärte Emrich – nicht als Wissenschaftler, sondern als früherer Insider. Zwischen 1992 und 2000 wirkte der Hochschullehrer als LSVS-Hauptgeschäftsführer. Als 2009 sein Nachfolger überraschend starb, behielt er für drei Monate die Zahlen im Auge.

Emrich ging in der Ursachenforschung noch weiter zurück, er erinnerte an die erste große Krise des LSVS: 1992 platzte der Verkauf der hoch defizitären Saarlandhalle, damals noch Eigentum des Sportverbandes, an den Investor Rolf Deyhle. Am Ende ging die Immobilie für eine D-Mark an das Land – und der LSVS legte elf Millionen D-Mark (etwa 5,7 Millionen Euro) für die überfällige Sanierung obendrauf. Zeitgleich modernisierte und erweiterte man nach Darstellung von Emrich die marode Sportschule, die der Verband wiederum mit Personal vom Land übernahm. Für die Zukunft empfahl der Professor den Parlamentariern, die Sportschule in eine gemeinnützige GmbH zu überführen – getragen von Land und Verband.