Essen erhält die Lebensqualität

Merzig. Ernährungsregeln, die in der Gesundheitsvorsorge gelten, werden nach der Diagnose Krebs außer Kraft gesetzt. Statt wenig Fett und wenig Zucker gilt für Erkrankte: möglichst viel Fett, viel Zucker, viele Energielieferanten. Weil die Krankheit dem Körper so viel Kraft entzieht, muss mit reichhaltigem Essen entgegen gewirkt werden, erklärt Dr

Merzig. Ernährungsregeln, die in der Gesundheitsvorsorge gelten, werden nach der Diagnose Krebs außer Kraft gesetzt. Statt wenig Fett und wenig Zucker gilt für Erkrankte: möglichst viel Fett, viel Zucker, viele Energielieferanten. Weil die Krankheit dem Körper so viel Kraft entzieht, muss mit reichhaltigem Essen entgegen gewirkt werden, erklärt Dr. Silke Weich, Oberärztin der Inneren Abteilung am SHG-Klinikum Merzig. Die Medizinerin weiß aber auch, wie schwierig es für Patienten sein kann, überhaupt etwas zu sich zu nehmen. Denn eine zentrale Auswirkung der Krebsbehandlung auf den Körper sei, "dass der Appetit nachlässt, weil man so mitgenommen ist", sagt die Ärztin.Patienten hätten oft sehr wenig Appetit, geschweige denn Lust auf reichhaltiges Essen. Aber gerade wegen des Gewichtsverlusts, der die Krankheit begleite, sei es so wichtig, "auf die richtige Ernährungsstrategie - mit viel Kalorien - zu achten". Essen trage bei Krebserkrankung dazu bei, die Lebensqualität zu erhalten.

Das gilt besonders für die Darmkrebspatienten, die Weich betreut. Besonders schwer sei es, wenn ältere Leute erkrankt sind, bei denen sich der Stoffwechsel ohnehin verlangsamt, die Muskelmasse abnimmt, Hunger und Beweglichkeit nachlassen.

"Es kommt natürlich auf den Einzelfall an. Aber energie- und eiweißdichte Nahrung ist bei allen Patienten lebenswichtig", sagt Weich. Im SGH-Klinikum werden jährlich bis zu 150 Darmkrebspatienten behandelt. Die Ernährung so einzustellen, dass sie den Krankheitsprozess positiv beeinflusst, ist Teil der Therapie. Denn: "Durch mangelnde Ernährung oder Untergewicht erhöht sich in dem geschwächten Körper die Infektionsgefahr." Um Folgeerkrankungen wie einer Lungenentzündung vorzubeugen, gelte es, auf die Ernährung zu achten.

Im Prinzip heißt es für die Erkrankten: Alles ist erlaubt. "Vor allem muss das Essen Spaß machen, weil sie es so dringend brauchen", sagt Weich. "Also sollte man auch nur essen, worauf man wirklich Lust hat. Es darf ruhig fettig sein oder süß. Das raten wir Patienten auch für die Zeit zu Hause." Wann dort gegessen wird, bestimmt am besten der Patient. "Wenn nötig mitten in der Nacht. Oft kommt der Appetit nur einmal am Tag. Dann sollte Essen zur Hand sein, am besten bereits vorgekocht, weil der Geruch den Appetit vertreiben kann", rät die Ärztin: "Und dann: So viele Kalorien aufnehmen wie möglich."Foto: Frauke Scholl

"Energie- dichte Nahrung ist wichtig."

Dr. Silke Weich

Auf einen Blick

"Gesund durch richtige Ernährung - Krankheit geht durch den Magen" heißt die Veranstaltung des Bauchzentrums am SHG-Klinikum Merzig mit Ärzten, Experten und Köchen am Samstag, 3. März, in der Stadthalle. Von zehn bis 15 Uhr gibt es Gesprächsrunden und Rezept-Tipps zum Probieren aus der mobilen Showküche.

Gesprochen wird über "Vorsorge durch richtige Ernährung" (zehn Uhr), "Gewichtsreduktion senkt das Krebsrisiko" (elf Uhr), "Übergewicht bei Kindern" (13 Uhr), und "Die richtige Ernährung bei Krebserkrankten" (14 Uhr). SZ-Redakteur Wolf Porz moderiert die Veranstaltung, die Teil einer Darmkrebsvorsorge-Aktion des SHG-Klinikums ist.

Es kochen Andreas Kranz vom Restaurant Ellerhof, Peter Blasius von der Ratsstube Blasius, Manfred Merll vom Hotel-Restaurant Merll-Rieff, und Christoph Latz vom Hotel-Restaurant Roemer. Der Eintritt ist frei. kes

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