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Interview
„Es war auch viel Bauchgefühl dabei“

Saarbrücken. Die saarländische Moderatorin Charlotte Maihoff spricht über ihren Wechsel zu „RTL Aktuell“. Von Jasmin Kohl

Viele Saarländer kennen sie aus den SR-Formaten „aktuell“ oder „aktueller Bericht“, bundesweit ist die Neunkircherin Charlotte Maihoff aus der Tagesschau bekannt. Nach 18 Jahren bei den Öffentlich-Rechtlichen Sendern wechselt die 34-Jährige ab 1. September zum Privat-Sender „RTL“ und moderiert künftig die Nachrichtensendung „RTL Aktuell“. Im SZ-Interview spricht die Moderatorin über den Wechsel, ihr Leben in Hamburg und Saarland-Klischees.


Kam das Angebot von „RTL Aktuell“ überraschend oder hatten Sie bereits Interesse bei dem Sender angemeldet?

Maihoff Das kam völlig überraschend. „RTL Aktuell“ hat zur Erweiterung des Moderatorenteams ein Casting veranstaltet. Sie haben mich hierzu eingeladen, weil sie meine Arbeit verfolgt und für gut befunden haben.



Haben Sie sofort Ja gesagt?

Maihoff Ich habe mich selbstverständlich sehr über die Möglichkeit gefreut, habe sie mir aber natürlich erst einmal durch den Kopf gehen lassen. Am Ende ist es aber nicht nur eine Kopf-Entscheidung gewesen, sondern da war auch viel Bauchgefühl dabei.

Was gab dann den Ausschlag?

Maihoff Es ist natürlich eine andere Art zu arbeiten, die jetzt kommen wird. Bei einem Nachrichtenkanal wie „tagesschau24“ sind die Abläufe recht kleinteilig, mit vielen Themen, die man über den Tag bearbeitet und dann auch sofort sendet. Bei einer Hauptnachrichtensendung, der ich ja demnächst angehören werde, arbeitet man auf eine Sache hin, die am Ende des Tages das fertige Nachrichtenprodukt ist. An dem haben alle in der Redaktion zusammen gearbeitet. Die Sendung soll am Ende natürlich alles enthalten, was für die Zuschauer wichtig ist.

Sie haben einmal gesagt, dass Ihnen an den Nachrichten besonders die Tatsache gefällt, dass sie frei von Interpretationen und Spekulationen sind. „RTL aktuell“ wird wie anderen privaten Nachrichtensendungen aber vorgeworfen, Nachrichten als Sensation zu präsentieren und mit Emotionen zu spielen. Wie passt das zusammen?

Maihoff Das ist interessant. Wer sagt das? Innerhalb der Branche hat „RTL Aktuell” einen guten Ruf. Tatsächlich haben mir auch Kollegen von der Tagesschau zu dem Job gratuliert, mit dem Verweis auf den guten Ruf. Anfang des Jahres bekamen Peter Kloeppel und „RTL Aktuell“ zusammen mit Carmen Miosga von den „Tagesthemen“ und Marietta Slomka vom „heute-journal“ die Goldene Kamera in der Kategorie „Beste Information“ – und das ist nur eine von mehreren Auszeichnungen. Da komme ich in ein gutes Umfeld.

Sie sind mit 16 Jahren zum SR gekommen und moderierten seit 2010 die Sendung „aktuell“. Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Maihoff Ich habe sehr früh bei „Unser Ding“ angefangen. Das war damals noch ein Projekt, bei dem wir Jugendlichen eben einfach noch lernen konnten, wie man Radio und Journalismus macht. Wie man ganz unbefangen auf Leute zugeht, im Zweifelsfall auch mal mit dem Bildungsminister zu sprechen und sich das zu trauen. Das war eine großartige Chance. Der SR ist ja auch ein kleines Haus, in dem man sich gut bewegen kann. Die Wege sind kurz.

Sie leben in Hamburg und Moskau. Wie ergeht es denn einer Saarländerin in Hamburg?

Maihoff Hamburg ist anders. Norddeutschland war so mein erster größerer Kulturschock (lacht). Der Norden ist gediegener, die Leute sind zurückhaltender und es dauert länger, bis man sie aufgeschlossen hat. Wenn man aus dem Süden kommt, dann kann man erstmal denken: „Huch, mögen die mich nicht oder was ist da los?!“ Und dann, wenn man eine Weile da ist, ich bin ja jetzt drei Jahre dort gewesen, dann kriegt das eine substanzielle Herzlichkeit. Die ist sehr liebenswert.

Und wie kommen Sie eigentlich nach Moskau?

Maihoff Mein Mann arbeitet dort. Deswegen bin ich meist den halben Monat dort, es kommt immer darauf an, wie viel ich arbeite. Ich lerne nebenher Russisch, mein Mann ist aber Deutscher.

Welchem Saarland-Klischee sind Sie immer wieder begegnet? Welches trifft auf Sie zu?

Maihoff Es gibt ein positives Klischee, das ich für ein Pfund halte, mit dem das Saarland definitiv zu wenig wuchert und das ist das Essen. Man kann in Saarbrücken, aber auch in ganz vielen anderen Orten in der Region sehr, sehr gut essen und das, ohne Unsummen dafür ausgeben zu müssen. Die Restaurantszene ist schon super. Und das unterscheidet die Region von Großstädten, wo man im Zweifel mit viel Geld und viel Chichi Essen kriegt, das aber nicht das gleiche Niveau hat. Das gute Essen ist übrigens auch immer wieder ein guter Grund, nach Saarbrücken zu kommen. Ich sage immer, Mensch Leute, wenn ihr mal in Saarbrücken vorbeikommt, geht essen. Also wenn man das schätzt. Es gibt ja auch Leute, denen das nicht so wichtig ist.

Mögen sie auch typisch Saarländische Gerichte?

Maihoff Ich hab' eine Freundin, die sehr gute Geheiratete macht. Und das muss dann auch ganz traditionell sein, mit Mausohrsalat. Aber das kann man natürlich nicht ständig essen (lacht). An sich finde ich das Konzept dieses Essens - Kartoffeln mit Teig – aber großartig. Wo findet man denn sonst sowas?

Gibt es noch ein Saarland-Klischee, das sie bestätigen können?

Maihoff Ja, Saarländer trifft man überall. Zuletzt in Nowosibirsk in Sibirien (lacht). Und dann ist man natürlich auch schnell miteinander verbunden, weil man ein Gesprächsthema hat. Das ist immer sehr lustig. Entweder sind sie sehr heimatverbunden oder sie verschweigen erstmal, dass sie aus dem Saarland kommen, weil sie finden, dass wirkt provinziell.

Welches Saarland-Klischee trifft denn auf sie zu?

Maihoff Ich esse sehr gerne. Das bindet mich absolut an dieses Land.

In einem Interview haben Sie mal über Ihre Träume gesprochen: Einen Helikopter fliegen, von Jim Rakete porträtiert werden und sieben Sprachen sprechen. Ist die Liste noch aktuell?

Maihoff Das war ein formalisierter Fragebogen, da musste ich irgendwas reinschreiben (lacht). Eigentlich bin ich gar nicht so die Träumerin, ich bin eher Realistin. Aber ich habe mir eine gewisse Abenteuerlust bewahrt. Der Helikopterflug hat sich bis jetzt noch nicht ergeben, ich würde das aber immer noch gerne machen. Ansonsten habe ich jetzt entdeckt, dass man von Russland in Richtung All fliegen kann, mit einem Stratosphärenflug. Das ist leider unfassbar teuer. Das ist jetzt auch nichts, was direkt auf dem Zettel steht, ich bin auch nicht schwindelfrei. Aber die Vorstellung von ganz oben auf unseren Planten zu gucken, das stelle ich mir sehr, sehr schön vor. Wahrscheinlich brech‘ ich da oben dann aber in Tränen aus und bin völlig fertig, wenn ich wieder ankomme.

Und was machen die Sprachen?

Maihoff W

Wegen der Sprachen: Sieben sind es nicht. Mitnichten. Ich habe eher das Gefühl, dass ich viel vergesse. Ich spreche ganz gut Französisch und Englisch, ein bisschen Spanisch, aber das ist fast weg. Eine neue Sprache ist ja jetzt dazugekommen, Russisch. Man kann sich in Moskau einfach besser bewegen, wenn man Russisch spricht. Aber das ist echt eine sehr, sehr schwere Sprache. Aber auch eine schöne Herausforderung.

Das Gespräch führte Jasmin Kohl. Das Vollständige Interview lesen Sie auf www.saarbruecker-zeitung.de